Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 34-35 (4.5.1891)
- Date
- 1891-05-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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637 liebte, noch heute lebende greise Prinz Camille Rohan und noch andere mehr zu nennen. Im Jahre 1852 trat Kaiser Ferdinand der Gütige dem Vereine mit einem jährlichen Beitrag von fl. 50 als Mitglied bei, dem er als solches durch fünfundzwanzig angehörtc; auch die Kaiserin Maria Anna prangte durch längere Zeit an der Spitze der Mitgliederansweise. Das Vereinsvermögen betrügt fl. 124,921. Im Ganzen sind während des sünfzigjähriges Bestandes an Unterstützungen fl. 163.302 verausgabt und unverzinsliche Darlehen im Betrage von fl. 137.855 verliehen worden. Die angeführten Ziffern zeugen klar und deutlich von der segenbringenden Thätigkeit des israelitischen Nächstenliebe-Vereines. Am Jnbiläumstage wurden fl. 2000 an 50 verschämte Arme vertheilt. Brünn. Am Montag den 6. v. M., fand unter dem Vorsitze des Herrn Julius Ritter v. Gomperz die Delegirtenversammlung des „Mährischjüdischen Landesmassafonds für das Jahr 1891 statt, wobei 48 Gemeinden vertreten waren. Dem Rechenschastsberichte für das abgelaufene Jahr entnehmen wir, daß der Gebahrungs-Ueberschuß inclusive eines blos nominellen Gewinnes bei einer Convertirnng fl. 6648.39 beträgt, wovon nach dem Anträge des Cnratoriums fl. 1500 zum Fondkapitale hinzngeschlagen und der Rest auf neue Rechnung pro 1891 vorgetragen wird. Die Einnahmen auf Hypothekarzinsen gehen in Folge des sinkenden Zinsfußes von Jahr zu Jahr zurück, während die Ansprüche der Gemeinden und ihrer Fnnctionäre sich jährlich steigern. Es erhielten im letzten Jahre 54 Gemeinden Schnlsnbventionen per fl. 13.320, 47 Gemeinden Subventionen zur Erhaltung ihrer Cnltnseinrichtungen per fl. 12.700, an Personalunterstütznngen wurden fl. 12.200 verausgabt, für Stipendien fl. 600 , für Bildung?- und Humanitätsanstalten fl. 3015. Der Voranschlag-für das Jahr 1891 , welcher die Einnahmen einschließlich des Saldovortrages auf fl. 50.689,89, die Ausgaben auf fl. 49.763 beziffert, wurde in den einzelnen Posten, wie den Gesammtsummen einstimmig angenommen. Aus Ungarn, 21. April. Der ungarische Kultus- und Unterrichtsmiuister GrafAlbiu Csüky stattete am 17. d. in Begleitung mehrerer Ministerialräthe dem Waisenasyl und der Volksküche des israelitischen Fraucnvereins zu Budapest einen Besuch ab. Die Vorsteherinnen geleiteten den Minister vorerst in die Volksküche, wo gerade mehrere hundert Arme ohne Unte: schied der Confessiou gespeist wurden. Der Minister kostete die Speisen, welche er für sehr schmackhaft erklärte. Hernach besuchten die hohen Herrschaften die Schule des Asyls und gaben ihrem Vergnügen über die gelungenen Antworten und Vorträge der kleinen Waisen Ausdruck. Nach dem Besuch der Schlaf- und Speisesäle, die durch ihre mustergiltige Reinlichkeit und Ordnung besonders imponirten, verließ der Minister, sichtlich befriedigt, die Räume uud versprach in nächsten Tagen auch das Waisenhaus des Vereins zu besuchen. — In der auf den 20. d. anberaumten leidigen Rabbinerwahl in N e u t r a, welche — wie bereits berichtet — vom Kultusministerium sistirt wurde, ist wieder eine Aenderung eingetreten. Der Kultusminister hat am 17. d. M. auf einen Bericht des dortigen Bürgermeisters seine erste Entscheidung telegraphisch dahin modifizirt, daß die Wahl wohl statrfinden dürfe, nach vor Entscheidung des Schiedsgerichtes: er behält sich jedoch vor, die Regelmäßigkeit des Verlaufes der eventuell stattgehabten Generalversammlung zu prüfen. Am 21. wurde Herr Dr. Josef Rosenfeld, bisher Rabbiner in Oroshaza, mit sämmtlichen abgegebenen 208 Stimmen zum Rabbiner erwählt. Es scheint, daß die orthodoxe Partei, um dagegen Protest zu erheben, sich der Wahl ganz enthalten hat. Schweiz. Basel. Vor einigen Wochen hat sich auf Anregung des Präsidenten der hiesigen jüdischen Gemeinde ein Comite gebildet, das Sammlungen in allen Gemeinden der Schweiz zu Gunsten unserer bedrängten Glaubensgenossen in Rußland veranstaltete. Die Sammlungen sind noch nicht vollständig abgeschlossen, aber schon das bisherige Resultat ist ein überaus zufriedenstellendes. Speziell Basel hat sich in hervorragender, mustergiltiger Weise auch bei diesem Anlaß bewährt, indem die Zeichnungen daselbst über 5000 Franken ergaben. Ein vorgestern Abend für diesen Zweck veranstalteter Wohlthätigkeitsbazar ergab über 2000 Franken, so daß die hier gefallenen Beträge sich auf ca. 8000 Frcs. belaufen dürften. An den Bazar reihte sich ein Souper, in dem offiziell und öffentlich nsia gegessen wurde. Es war sicher kein Minjan da, welches sich nicht bei dieser flagranten Schändung unserer heiligen Sache bethciligte. Es ist beklaguiswerth, daß hier Niemand die Einsicht hat, wie eine solche öffentliche Höhnung unseres Religionsgesetzes, alles wieder verdirbt, was der Wohlthätigkeitssinn Schönes stiftet. Wir haben nicht gehört, daß unser Gemeindepräsident auch nur einen kleinen Theil seines großen Einflusses in die Wagschaale geworfen hätte, um diesem Chillul Haschen: vorzubeugen. Gewiß bedauert Niemand mehr als unser Rabbiner solche betrübende Vorkommnisse, aber daß er diesem Bedauern von der Kanzel herab öffentlichen Ausdruck gibt, haben (.Zonsehung des Textes auf Seite 640.)