Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 34-35 (4.5.1891)
- Date
- 1891-05-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448122-2448155--32019-2479846- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXXII. Jahrgang. MB4&B5, Israelit Jeschumn. Zeitschrift m FSrdrrilW D. ©elftes and |ID. ftbens in Am. EmMtzr md Kchrrle. Aentrak-Hrgan für das orthodoxe IudenLhum. Begründet von Dr. Lehmann in Mai:;.z. Montag, den 4. Mai 5SS1 (18S1). Leitender Artikel. ^unr Fatzrzeikstage von vr. W. Lehmann TplUi. Mainz, 1. Mai. Ein Jahr ist mit dem morgigen Tage dahingegangen, seitdem ein Mann hinweggenommen wurde aus unserer Mitte, der zu den Leuchten der Diaspora zählte. Ein Jahr ist inhaltsreich und bringt der Eindrücke gar viele; aber was auch geschah, was auch sich ereignete, es hat nicht vermocht, das Blut der Wunde zu stillen, das noch immer fließt, ob des großen Schlages, den uns Gott geschlagen. Wie lebhaft und ungetrübt durch die verflossene Zeit steht noch das Bild des Edlen vor uns, wie vor Vielen im treuen Israel. Hat doch so mancher, wenn auch nicht durch die Bande des Blutes, so doch geisteS- und gesiunungsverwandte Bruder, die Trauerzelt gehalten um Rabbi Melr Lehmann und durch tägliche Schiurim während der '“in 2"' sich stets das Andenken wachgerufen an den großen Verblichenen. Wir brauchen Euch nicht zu danken, Freundet Eure That lobt Euch mehr, als unsere Worte es vermöchten, und der Ewige wird ihrer eingedenk sein. Auf einen nnw fällt die erste Wiederkehr des Todestages und es werden uns in der Sidrah die Vorschriften verlesen, nach denen der Hohepriester Aharon in das Heiligthum zu gelangen hatte. Die Thora beginnt dieselben mit den Worten: >0' nsn Vn pntf, „mit diesem soll Aharon in das Heiligthum kommen." Das Wort „mit diesem" erklären unsere Weisen mit rmn mm, mit dem Verdienst der Thora, die ns? genannt wird, wie es heißtminn nw; mit dem nrai der vielen Mizwoth, die mit ns? bezeichnet werden, soll er in das Heiligthum hineingehen und diese werden ihn beschützen, daß er in Frieden wieder heraustrete. War es doch für den Hohepriester ein gefährlicher Gang, bei dem geringsten fremden Gedanken, m? nims, blieb er tobt im Allerheiligsten, wie denn zur Zeit des zweiten Tempels Priester, die der wahren Ueberzeugung entbehrten, im Allerheiligen am di' starben. Auch Rabbi Me'ir Lehmann war ein Priester unserer heiligen Religion. Sein Beruf war ihm schon von frühester Kindheit auf in seiner Seele vorgeschrieben, schon der Knabe kannte keine größere Befriedigung, als in Gottes Wegen zu wandeln und in Seiner Lehre zu forschen, die heiße Liebe zu Gott war ihm angeboren. So war er schon vom ersten Athemzuge an geheiligt, so war er vom Allmächtigen auserwählt zu Seinem Priester. Dixn Dnx rvtrp' uw 'dsiwo rw "nipn nt* omon 'n 'w ana ’m, heißt es ferner in unserem Wochenabschnitte: „Und Ihr sollt beobachten Meine Gesetze und Meine Rechte, auf daß sie der Mensch thue und darin lebe." Der Schelah Hakadosch erkennt hieraus, daß das nur Leben heißt, das seinen Zweck in der Erfüllung der göttlichen Gebote sieht, das ohne einen Nebenzweck zu verfolgen, sein ganzes Dasein mit voller Kraft und loderndem Glaubensmuthe einsetzt, um Gottes heiligen Willen zu vollziehen. Nach dieser Auslegung des Schelah Hakadosch lebte Rabbi M'ir und ward so ein Hohepriester unseres Gottes. Und das Heiligthum, in das er einzutreten hatte, war nicht sowohl die stille Forscherklause, als das volle Menschenleben; sein Volk Israel, von dem es heißt: H -vir, Dnxi tpnp ’ui D’jns, „Ihr sollt Mir sein ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk," war es, in das er mitten hineintrat mit einer neuen Verkündigung der alten Lehre, das war das Heiligthum, in das er heilverkündend zu kommen berufen war, worin er gelebt, gewirkt und geschaffen hat, so lang er athmete. *npn bx pnx ay rwn, „mit diesem kam er in das Heiligthum," mit der Thora im Arme trat er unter Euch und rief Euch zurück zu ihr.