Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 32-33 (21.4.1891)
- Date
- 1891-04-21
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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WrthodM MudenchumÄ O 3 E S y!V-1| »RQ NvO^ Sl. April 1801,} &t. «. -MT. Ü«1 WM > [ ST.V] 2ee WWSMMLto Dev Mofjutrv. -i- Erzählung von H. Berger. — (Alle Rechte Vorbehalten.) er mir der Eisenbahn die Fahrt von Hannover nach Bremen macht, durchfährt ein großes Stück der Lüneburger Heide, jenes öden Landstriches, dem die zerstreut dort lebenden Bauern kaum das zum Leben Nothwendigste abgewinnen. Und obschon das Land, ans dem sie leben, sie kaum ernährt, hängen sie mit ihrem ganzen Herzen an der Scholle, auf der sie geboren, und weder die Freuden der Großstadt, noch die fruchtbarste Gegend bieten ihnen Ersatz für ihre Heide. Die meisten Bauern kommen selten über ihr Gehöft hinaus, denn die etwa in der Stadt zu habenden Gegenstände kauft man ebenso billig und ebenso gut beim Mordche, einem jüdischen Haufirer und Handelsmann. Außerdem muß man in der Stadt die Maare gleich baar bezahlen, während der Mordche Credit gibt, bis Geld ins Haus kommt, was gewöhnlich erst dann der Fall ist, wenn der Honig- und Wachsertrag verkauft, oder wenn nach der Schafschur die Wolle bezahlt worden ist. Auch diese Geschäfte vermittelt zum größten Theil Mordche, der Hofjude, und die Bauern befinden sich wohl dabei. Er berechnet sich freilich eine kleine Provision für seine Mühe, dafür aber sorgt er stets für solvente Käufer und ehe die Produkte der Bauern deren Gehöft verlassen, liegt das blanke Geld dafür im Kaflen. Ohne Mordche wird nicht leicht ein Geschäft perfect und ist dieses ausnahmsweise einmal der Fall, so geschah es schon häufig, daß der Bauer selbst für die Provision des abwesenden Vermittlers Sorge trug. Es ist ein schwüler Nachmittag. Mordche steht mit dem Großbauern Karl in dessen Hofe und schaut mit ernsten Mienen auf die musterhafte Wirthschaft. Ueberall herrscht Ordnung und Reinlichkeit und daS ganze Anwesen zeugt von der Tüchtigkeit seines Besitzers. Dieser, ein hochgewachsener Mann von vierunddreihig Jahren sagt eben mit leicht umflorter Stimme: „Nein, Mordche, meine Schuld ist es nicht. Die drei Mißernten nach einander haben mich an den Bettelstab gebracht, denn wenn ich heute in acht Tagen meine Zinsen nebst dem fälligen Kapital nicht bezahle, läßt mir der Herr Baron mein Anwesen versteigern und ich kann mit den Meinen sehen, wo ich anderwärts ein Unterkommen finde." Die Stimme des Bauern verschleierte sich bei den letzten Worten und eine Thräne stahl sich über seine wettergebräunten Wangen. Mordche schüttelte den Kopf und sprach: „Das kann ich mir nicht denken, daß der Herr Baron! seinem ersten Bauern den Hof verkaufen wird. Warst Du denn nicht bei ihm und hast ihm Deine Lage vorgestellt und um Frist gebeten?" „Ob ich bei ihm war? Drei, viermal habe ich den sauren Gang gemacht — vergeblich. Wie ein Krüppel am Wege habe ich gebettelt, daß er mir Frist gebe — ein Hohnlachen war seine Antwort. Am letzten Sonntag begegnete ich ihm auf dem Wege zur Kirche. Meine Frau und meine Agnes waren bei mir. Da musterte er uns mit frechen Blicken und rief mir grinsend zu: „Schickt mir heute Mittag Eure Frau und ich will die Sache mit ihr ordnen." Am liebsten hätte ich einen Pflasterstein vom Wege genommen und ihm denselben an den Kopf geworfen. Meine Frau blieb zu Hause bei mir; sie ging nicht zum Herrn Baron. Dafür wird in acht Tagen mein Hof versteigert." „Wie viel beträgt Deine Schuld beim Herrn Baron?" fragte Mordche. „1400 Thaler", erwiderte Karl. „Und wie viel fehlt Dir an dieser Summe?" „Wie viel mir fehlt?" lachte der Bauer, „mir fehlen 1400 Thaler. Du weißt, daß mein Gut in den letzten Jahren nichts eingebracht, sondern nur Gelb gekostet hat. Die drei Mißernten der letzten Jahre brachten nicht die Hälfte der Aussaat. Krankheiten zerstörten meine Heerden und Bienenvölker,