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Der Israelit · 1891-04-21 · Heft 32-33 (21.4.1891) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 32-33 (21.4.1891)
Date
1891-04-21
Page
– (sequence 20)
Language
German
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626 toschin geboren. Er war gleichzeitig Direktor des Unter-- Verbands der schlesischen Consumvereine. Myslowitz, O.-S. In erheblicher Weise werden die hiesigen jüdischen Familien von Bettlern aus Rußland und Oesterreich belästigt. Der Synagogen-Gemeinde-Vorstand hat in Gemeinschaft mit den Vorständen der hier bestehenden israelitischen Vereine beschlossen, eine Centralkaffe zu errichten, von welcher diese Personen Unterstützungen erhalten sollen. (M.) Neustadt-GödenS (Ostfriesland), 12. April. Einen wahrhaft glaubenstreuen Juden haben wir Freitag, den 2. Nissan, zu Grabe getragen. Ein solches Gefolge wurde noch nie hinter der Leiche eines bürgerlichen Menschen gesehen. Glaubensgenoffen aus Nah und Fern kamen nach dem nur 4 jüdische Familien zählenden Westerstede, um dem im Alter von 73 Jahren verewigten Seckel Frank die letzte Ehre zu erweisen. Der größere Theil der Anwesenden aber war christlichen Glaubens, ihre Begleitung legte Zeugniß davon ab, daß sie den Verstorbenen im Leben geliebt und verehrt hatten. Ehre einer solchen Gegend, in der man keine Spur von Judenhaß kennt und nur den Mann nach Thaten richtet. Noch mehr Ehre aber dem braven, geschiedenen Glaubensbruder, der durch sein lauteres Leben solchen Anlaß zu einem DU'n t£0Tp gegeben. „Vater Frank" ward er weit und breit von den Christen genannt. Im öffentlichen und geschäftlichen Leben war seine Meinung ausschlaggebend. Das war die natürliche Folge seiner strengen Redlichkeit. Er war ein treuer Jude. In seinem Hause richtete er sich eine Synagoge ein und stattete diese aus. Er hielt Sabbat und Festtage streng, so daß er vor Jahren deßwegen in der Kirche von der Kanzel herab als Muster der Sabbatheilignng gelobt wurde, auch legte er ein würdiges nnDpn rvn an. Am meisten gerühmt war seine Wohlthätigkeit. In feiner Weise half er Dürftigen oder solchen, die nicht mehr auf eigenen Füßen stehen konnten. Hamburg. Nach dem Jahresbericht der Talmud Thora (Höhere Bürgerschule) war die Hauptschule im Schuljahre 1890/91 von 305 und die Vorschule von 223 Schülern besucht. Dem Bericht geht einer größere Arbeit, „Die deutsche Ballade" von DirectorHerrn Dr. I. Goldschmidt voran, welche in fachwiffenschaftlichen Kreisen und bei allen Freunden der deutschen Literatur die in hohem Maße gebührende Anerkennung finden wird. Offenburg (Baden), 6. April. Vergangenen Samstag starb in hiesiger Nähe eine brave, allgemein geachtete Frau, die fast das 85. Lebensjahr erreicht hatte. Es war dies Frau Hannchen Lehmann von Diersburg. Viele Verwandte und Bekannte aus Nah und Fern strömten herbei, um der Dahingeschiedenen das letzte Ehrengeleit zu geben. An der Bahre sprach Herr Lehrer David Mannheimer- Diersburg in einer ergreifenden Rede über das Leben der Verstorbenen, ihre guten Eichenschaften und Vorzüge beleuchtend, unter denen echte Religiösität im allgemeinen und Wohlthätigkeit gegen Arme und Hilfsbedürftige im besonderen hervorzuheben waren. Die Verblichene wird uns noch lange im Gedächtniß bleiben; möge ihr auch im Jenseits die Gnade Gottes zu Theil werden. rr'DSJn. Mülhausen i. E. Im Lause seines 25jährigen Bestehens hat das hiesige israelitische Krankenhaus sich stets der Vermehrung seiner Gönner und ihres fortwährenden Wohlwollens zu erfreuen gehabt. Die Stadt Mülhausen bewilligte, wie früher, auch im vergangenen Jahre ihren jährlichen Beitrag von 1,600 Mk. Die Anstalt beherbergt 26 Zöglinge, und zwar 9 Männer und 17 Frauen. Deren Durchschnittsalter ist 70 Jahre. Es wurden im Jahre 1890 12 Kranke gepflegt. Im Laufe des Jahres starben 6 Zöglinge (4 Männer und 2 Frauen). Der Grund dieser dem vorigen Jahre überlegenen Zahl der Sterbefälle ist großtentheils den Folgen der Influenza zuzuschreiben. Wien, 9. April. Herr Dr. Filipp Hajek hat durch thatkräftiges Eingreifen und in aufopferndster Weise die Erneuerung des alten Vereins „Ahawath Zion" bewerkstelligt und die behördliche Genehmigung erwirkt, daß dieser Verein auch in anderen Städten und Ländern Filialen errichten könne. Der Verein, welcher die Colonisirung Palästina's und Unterstützung der jüdischen Colonisten daselbst zum Zweck hat, ist als Centralverein für Oesterreich-Ungarn zu betrachten; er zählt bereits eine große Anzahl Mitglieder, so daß er in Bälde seinem vorgestrebten Ziele nahe kommend sein humanitäres Wirken zu beginnen in der Lage sein wird. Anfragen oder Beitrittserklärungen sind an den jetzigen Präsidenten, Dr. F. Hajek II., Blumauergaffe 24, Wien, zu richten. M. M. P. Wien. Am Samstag, den 28. März hat die Barmizwafeier des zweiten Sohnes des Herrn Baron Albert v. Rothschild, Alphonse, im Tempel in der Seitenstättengaffe stattgefunden, bei welchem Anlässe der Letztere 2000 fl. für verschiedene Wohlthätigkeitsvereine vor der Thora spendete. Der junge Barmizwa trug das Maftir laut und mit Verständnitz vor. Aus Ungarn, 10. März. Der rühmlichst bekannte Dr. B. Munk4zsi wurde zum korrespondirenden Mitgliede der Helsingforser Finnisch-Ungarischen Gesellschaft gewählt. Herr MunkLzsi, der kaum 31 Jahre alt schon Mitglied mehrerer wissenschaftlichen Akademien ist, macht dem orthodoxen Judenthume durch seine Frömmigkeit besonders Ehre. Er pflegt es mit Stolz zn erzählen, daß er auf seinen, in Finnland auf Staatskosten unternommenen Forschungsreisen nie verfehlte, mit rV?D und pen das Gebet zu verrichten und unter den strengsten Entbehrungen kein nEnü genoffen. Paris. Ein ehemaliger Lehrer in den jüdischen Colonien in Palästina, Herr Schmerlen, ist im Begriffs eine wöchentlich erscheinende, politische Zeitung in hebratscher Sprache herauszugeben. Vor etwa 20 Jahren erschien dahier schon einmal eine.von dem verstorbenen Herrn Brill herausgegebene hebräische Zeitung. Paris. Dr. Julius Oppert, Präsident der Academie der Inschriften, hat eine Schrift über den Babylonischen Kalender für das 7. Jahr des Königs Cambyses herausgegeben. London. Auf Veranlassung des Herrn Rabbiner Dr. H. Adler hat der Senat der Universität London bestimmt, daß, da die diesjährige Prüfung an der Universität auf den ersten Tag des Wochenfestes fällt, für die jüdischen Canditaden eine besondere Prüfung an dem darauffolgenden Montag anberaumt werden wird. London. Der Rev. Herr Berkowitz in Gravesend ist am 5. im Alter von 75 Jahren gestorben. Aus Warschau gebürtig, kam er schon vor etwa 25 Jahren nach England, wo er zuerst bei dem verstorbenen Oberrabiner Dr. Adler eine Reihe von Jahren Hauslehrer war. Später gründete er in Gravesend eine Schule, die weithin sich eines guten Rufes erfreut und erwarb sich durch seine Energie und Talente in dem Grade die Achtung und Liebe seiner Mitbürger, daß sie ihn im Jahre 1887 einstimmig zum Mayor erwählten. Ein solches Ereigniß ist selbst in unserem Lande ohne Parallele. Es wurde seitens der Stadt ein öffentliches Begräbniß angeordnet; katholische und protestantische Geistliche wie auch viele locale Würdenträger folgten der Bahre. Der Leichenwagen war von einer militärischen Ehrenwache umgeben. Herr Berkowitz war ein streng religiöser Jude; über 30 Jahre unterhielt er auf seine Kosten die einzige Synagoge in diesem Districte.

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