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Der Israelit · 1891-04-21 · Heft 32-33 (21.4.1891) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 32-33 (21.4.1891)
Date
1891-04-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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zu sprechen. Natürlich verstand ich bald, was er meinte und kam zu ihm, beladen mit einen! Zuckerhut und einigen Pfunden Kaffee. Die Gabe wurde gnädig angenommen und ich ging mit leichten Händen und leichtem Herzen wieder nach Hause." „Nun?" „Nun hatte wieder ein dritter Vorsteher mit mir sehr Wichtiges, betreffs meines Sohnes, zu sprechen, und ich bereitete mich auch für dieses Gespräch gehörig vor, indem ich meinen neuen Talis in Versatz gab und dafür einen großen Truthahn kaufte, mit welchem ich vor dem Angesicht des dritten Regierers erschien." „Natürlich war auch dieser sehr freundlich!" meinte ich. „Und wie freundlich! Er sagte, ich möge nur getrost meinen Sohn auf dem Affentplatz erscheinen laffen, es werde schon Alles recht sein — und es war auch recht. Es fehlte nämlich, wie alle drei Regierer mir später betheuerten, nur ein Mann zum Contiugent, und da ließen sie meinen Sohn affentircn." „Und haben Sie sie nicht darüber zur Rede gestellt?" „Ich that noch mehr als das — ich forderte sie auf öffentlicher Straße auf, daß sie mir wenigstens zurückgeben, was sie bei mir geraubt haben, aber daraus erwiederten sie mir im ersten Augenblick gar nichts, sondern ließen mir zwei Stunden später eine Antwort zukommen, in Gestalt von zwei Polizeileuten, die mich arretirten, weil ich die Herren Vorsteher beleidigt hätte." „Ist dieser Sohn Ihr einziger?" fragte ich. „Nein, ich Habe noch zwei, aber diese sind noch kleine Fliegenfänger, die nur dann den Mund öffnen, wenn sie essen, oder nach Essen rufen. Aber, was läßt sich thun? Man muß sich zu helfen wissen, und die Hauptsache ist, sich nur nicht grämen! Kommt so eine Sorge einem ins Herz, dann ist das hier ein gutes Austreibungsmittel," dabei zeigte er auf seine Flasche, „das spült Alles weg. Nur wacker gehalten, alter Freund!" Mit diesen Worten reichte er mir seine Rechte und ging des Weges, in eine andere Gasse einbiegend. „Ihm ist es leicht zu trösten", dachte ich, weiter fortschreitend, „hat denn auch er einen Jankele zum Sohne?" Ich befand mich gerade vor dem Hause des rothen Wölwele. Schaarweise strömten die Leute hin, um den Regierer zu trösten. Einer, der aus dem Hause eben heraustrat, hielt mich mit der Frage an: „Woher denn, Reb Benjamin?" „Mein einziges Kind ist mir mit dem Militär jetzt abmarschiert," erwiederte ich mit gedämpfter Stimme. Um den Mund des Mannes zuckte ein höhnisches Lächeln. „Nun, darum traurig?" fragte er. „Hat doch Ihr Sohn das erreicht, was er gewünscht. Soeben hat Reb Wölwele uns erzählt, daß Ihr Sohn die Militärobrigkeit angesucht hat, ihn einzureihen." Was hätte ich ihm antworten sollen? Es . schnürte mir die Kehle zusammen, ich vermochte nur einigemale mit dem Kopfe zu schütteln und ging, ohne zu antworten, völlig betäubt, meines Weges weiter. Erst vor meinem Hause weckte mich ein ungeheurer Lärm, der aus demselben hervordrang, aus der Betäubung. Welches neue Unglück erwartete mich in meinem Hause?! Mehrere Nachbarinnen drängten sich mit wirrem Geschrei unl eine ohnmächtige Frau, die sie aus dem Zimmer heraustrugen — es war unsere Rachele. In meiner Verwirrung überließ ich sie den Nachbarinnen und trat eilig ins Zimmer. Das kleine Goldele hatte soeben den letzten Kampf ausgekämpft und lag in seiner Wiege, eine kalte, stille Leiche. Ihr zu Häupten stand eine alte Nachbarin mit einem brennenden Lichte in der Hand. Ich sah das kleine, entschlafene Engelchen an und ach, mit welchen neidischen Blicken!" (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. Sistirte Rabbinerwahl. Man schreibt aus Neutra vom 14. d.: Mit einem heute hier eingelangten Erlasse des Kultusministers wurde die für den 20. d. ausgeschriebene Generalversammlung zur Wahl eines Rabbiners sistirt. Ein Gemeindemitglied hat gegen die Generalversammlung Beschwerde geführt und hierauf erfolgte der Erlaß, der hier nicht geringes Aufsehen erregt. Derselbe ist damit begründet, daß die orthodoxen Kultusgemeinden dem orthodoxen Or> ganisationsstatut gemäß nur einen solchen Rabbiner wählen dürfen, über dessen Qualifikation ein Schiedsgericht ent-" schieden hat. Da nun die Neutraer isr. Kultusgemeinde einen nichtorthodoxen Rabbiner für die Wahl kandidirt, so sei die Wahl bis zur Entscheidung des Schiedsgerichtes ein^ zustellen. Die Repräsentanz hielt sofort eine Versammlung, in welcher sie ihr Bedauern über diesen Vorgang aussprach und den Beschluß faßte, durch den hiesigen Reichstagsabgeordneten dem Kultusminister ein ausklärendes Memorandum zu unterbreiten. Rach Schluß der Redaction eingetroffen. Frankfurt a. M., 21. April. Das Hotel „Römischer Kaiser" ist vom 1. Mai ab an Herrn Gustav Qu i e z aus Breslau, Inhaber von „Galisch's Hotel" (Breslau) verpachtet worden. Es wird dann seinen Charakter als israelitischer Gasthos verlieren. Brrefkaften der Redaktion. Nr. 10 in Hid. Nein. Abonnent in Preßburg. Wir verweisen Sie, den an gefragten Gegenstand betr., auf den Artikel in Nr. 31 dieser Bl., sowie auf das heutige Inserat des Herrn Dr. B. Mit dem äuge-

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