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Der Israelit · 1891-04-16 · Heft 31 (16.4.1891) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 31 (16.4.1891)
Date
1891-04-16
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXII. Jahrgang. Zweite Keilllgr M M 31 des „Israelit & Ieschurun u Zeitungsnachrichten nud Correspondenzen. D c u r j ch l u u b. (z) Gleiwitz O. S. Die israelitische Kinderheilstätte zu Königsdorff-Jastrzemb erinnert daran, daß es an der Zeit sei. säum jetzt Kranke, in der Entwickelung zurückgebliebene, vorzugsweise aber skrophulose Kinder zur Aufnahme anzumelden. Diese dürfen erst unter 5 und über 14 Jahre alt. auch nicht mit ansteckenden Krankheiten behaftet sein. Es werden nur Selbstkosten, welche für 4 Wochen 60 M. betragen, in Anrechnung gebrach:. Wenig bemittelten Kindern werden die Kosten zum Theil, armen gänzlich erlassen. Hier tritt die Werktätige Liebe ein und ermöglich: cs, auch den kranken Kindern mittcllostr Eitern, ihre Gesundheit und Körperfrische an den heilbringenden Quellen von Königsdorff-Jastrzemb wieder zu erlangen. Den kleinen Badegästen mit ihren erwachsen.-n Begleitern gemährt die Preußisch«! Staats bahn überall das Recht, zum Preise des Muttärbillels die 3. Klasse zur Hin- und Rückfahrt zu benutzen. Königsberg. Das hiesige „Israelitische Stift", welches im Jahre 1851 gegründet und neben der Waisenpflcge ein Asyl für solche Personen ist, d;e früher in besseren Verhältnissen gelebt haben und durch unverschuldete Unglücksfälle außer Stande gerathen sind, für ihre Existenz zu sorgen, theil: in seinem soeben erschienenen Berwaltungsberichte über die Jahre 1886 bis 1890 mit, daß die Anstalt über 14 Stiftsstellen verfügt. Der Rechnungsabschluß pro 1890 balancirt in Einnahme und Ausgabe mit 43,837,13 M. Außerdem hat die Anstalt noch ein Baarvermögen in Werthpapicren von 154,269,19 Mk., sodann gehören ihr noch die Gebäude Synagogenstraße 4/6 im Werthe von 54,000 Mk. und hat sich das Vermögen derselben seit dem Jahre 1886 um 25,650.34 Mk. vermehr!. Die Anstalt steht unter der Oberaufsicht des Vorstandes der Synagogcngcmeinde und bestebt der Vorstand aus den Herren S. Magnus, Max Cohn, Dr. A. Falkenheim 86u., Rabbiner Dr. Bamberger, Herrn. Seelig, Rechtsanwalt Dr. Seelig, Dr. Eliassow, Philipp Hiller, Arnold Sommerfeld und Joseph Litten. An Legaten und Geschenken sind eingekommen im Jahre 1886: 11000 Mk., 1887: 400 Mk., 1888: 3800 Mk., 1889: 11500 Mk., 1890: 5030 Mk. Posen. Der -Person des neuen preußischen Enltusmimsters werden im Allgemeinen viele Sympathieen entgegengebracht. Auch wir Juden scheinen Grund zu haben, seine Wahl vertrauensvoll zu begrüßen. Folgende Thatsache dürfte seine Stellung zur Judenfrage beleuchten. Der ehemalige Oberpräsident von Posen pflegte das Saatkorn für feine Güter von unfern Glaubensgenossen Friedlänber u. Co. in Posen zu beziehen. Diese streng religiöse Firma hat am Sonnabend ihr Geschäft geschlossen. D:es scheint Herrn von Zedlitz unbekannt gewesen zu sein. An einem Sonnabende fuhr er bei der genannten Firma vor und traf den einen Chef zufällig auf der Treppe. Als derselbe höflichst um Entschuldigung bat, am Sonnabend kein Gescbäkt machen zu können, war Herr v. Z. nichtsweniger als ungehalten darüber, bar wegen seiner Unkenntniß des jüdischen Gesetzes um Verzeihung und war der erste, welcher am Montage im erwähnten Geschäfte erschien, um diesem seine Aufträge zu geben. (Menorah). O e st c r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. Wien, 6. April. In einem israelitischen Betloeale auf dem Sulzgries wird der Gottesdienst nach polnisch jüdischem Ritus abgehalten. Als nun am 31. Januar Abends daselbst das Abendgebet verrichtet und zugleich ein Abschnitt aus der Thora verlesen wurde, wobei nach dem Brauche ein Mitglied der Versammlung, und zwar der Fischhändler Mendel Wolf an dem Vorlesetische erschien, ereignete sich ein Aergerniß erregender Zwischenfall. Der Hansirer Abraham Licht war etwas angeheitert in das Local emgetreten und hörte eine Stelle der heiligen Schrift verlesen, welche dahin ging, daß in jedem siebenten Jahre alle Diener ohne Löscgeld entlassen werden sollten. Der Satz schloß mit den Worten: „Ohne Geld". Licht rief spöttisch: „Ach, der Mendl Wolf hat kein Geld!" und fügte hinzu: „Nebich," was ein Ausdruck des Mitleides ist. Obwohl er von allen Seiten zur Ruhe gerufen wurde, wiederholte er doch diese Bemerkung, die ihm offenbar sehr gut gefiel, mehrmals in lautem Tone. Der Vorstand des Bethauses, Jacob Gänger, ließ nun einen Wachmann kommen, welcher den Ruhestörer abführen wollte. Dieser weigerte sich zu gehen, wenn nicht Gänger sich gleichfalls entferne, und riß Letzteren an dem Bart. Erst nach einer peinlichen lärmenden Scene gelang es, Abraham Licht aus dem Betlocale zu bringen. Heute war Licht wegen dieses Vorfalles vor einem Erkenntnißgerichte unter Vorsitz des Landesgerichtsrathes Gionima des Vergehens gegen die Ruhe und Ordnung angeklagt. Der Angeklagte geberdete sich ganz verzweifelt und erklärte auf die Frage, ob er die Beeidigung des Belastungszeugen Gänger wünsche: Er ist ein starker Gegner, er

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