Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 31 (16.4.1891)
- Date
- 1891-04-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXJI. Jahrgang. Jfo 3t Israelit««-. Zeschurun. Zeitschrift \w FSrderms jild. ©Eides nnö W. febens in Am». Gemlrdr M Zchilr. Emirat-Hrgan für das orthodore IudenLHum. Begründet von Dp. Lehman« in Mairrz. _Donnerstag, freit 16. April 5651 (1891)._ SIC Die nächste Nummer (Doppelnummer) erscheint Dienstag, den 21. April. "WK Leitender Artikel. Kagadah schel Beßach. Fünfte Serie. Mainz, 14. April. V. ons» N'2P'1 tom» HDD rwp 7IN13P wbv um .*pE>3 03 PI» „Sie legten uns harren Dienst auf, wie es gesagt wird, es machten dieEgyPter die Kinder Israel mit Härte dienstbar." Die Hagadah schel Peßach fährt fort in der Erklärung der Worte, mit welchen der Landmann das Gedächtniß der Vergangenheit belebte, wenn er die ersten Früchte seines Bodenertrags vor Gottes Antlitz niederlegte. Aber es ist eine ungemein anregende Art und Weise der Erklärung, die einen Satz der Thora durch einen anderen erklärt, ohne sonst ein eigenes Wort der Erläuterung hinzuzusügen. — Auf diese Weise wird der denkende Leser geradezu genöthigt, in den Sinn der hier zur Betrachtung herausgegriffenen Worte einzudringen und nach dem Motiv zu suchen, das unsere Weisen gerade diese und nicht eine andere Stelle damit in Verbindung bringen läßt. Wenn uns hier gesagt wird, die Egypter legten uns harten Dienst auf, und wir hätten diese Thatsache durch eine Stelle aus der Thora belegen sollen, so hätten wir vielleicht zuallererst an die Aufzählung gedacht, welche den schweren Dienst in Egypten b etaillirt: ntpp rvrDjn on«n n« ra iTTBQ rrray teai 003^31 -ivin3. „Sie verbitterten ihr Leben mit hartem Dienst, mit Lehm und mit Ziegeln und mit jedem Dienst auf dem Felde." Wenn die Hagadah schel Peßach diesen so naheliegenden Hinweis aber übergeht und eine scheinbar ferner liegende Stelle zur Erklärung herausgreift, so will sie damit sicher einem Gedanken Ausdruck geben, der nicht so au der Oberfläche liegt und der daher ein tieferes Eindringen in den Gegenstand erfordert. Wenn der Beweis dafür erbracht werden soll, daß unseren Vätern in Egypten ein harter Dienst auferlegt war, so dürfte diese Härte in der That auch nicht darin zu finden sein, daß sie Lehm verarbeiten, Ziegel brennen und alle Feldarbeiten verrichten mußten. Tausende von Menschen vollziehen diese Arbeiten, theils aus freier Wahl, theils durch äußere Verhältnisse genöthigt, ohne daß diese Arbeitsleistung an und für sich, selbst wen r sie anstrengend und beschwerlich ist, mehr als eine andere Beschäftigung hart und schwer genannt werden kann. Wenn uns daher in Egypten harter, schwerer Dienst auferlegt wurde, so kann die Härte nicht in der Arbeit, also im Ziegelbrennen, in den Feldarbeiten als solchen liegen, sondern in der Art und Weise, wie diese Arbeit von ihnen verlangt wurde. Das Unmenschliche lag eben darin, daß die Egypter die Kinder Israel v>eü zur Arbeit an hielten. Indem wir dieses Wort mit „Härte" übersetzten, haben wir seinen Sinn nur ungenügend wiedergegeben. Unsere Weisen erklären es in doppeltem Sinne: -p nc3, „mit guten Worten" und mraya □ix bv idu runson mit einer Arheit, die den menschlichen Körper aufreibt. — Wie wir bereits in den vorhergehenden Aufsätzen nachzuweisen versuchten, war die Endabsicht der Egypter darauf gerichtet, uns durch List und Gewalt aus dem Wege zu schaffen. — Das sagten sie aber nie heraus; im Gegentheil, je hinterlistiger ihre Pläne und je brutaler ihre Gewaltakte waren, umsomehr hatten sie das Bedürfniß, die Sache recht glatt und harmlos darzustellen. Man ersann zuerst das Märchen von der Gemeingefährlichkeit der Israeliten, von ihren hoch- und landesverrätherischen Umtrieben, und mag dann mit offiziellem Bedauern die Nothwendigkeit betont haben, im Interesse der öffentlichen Ordnung so