Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1891-04-13 · Heft 30 (13.4.1891) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 30 (13.4.1891)
Date
1891-04-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448122-2448152--31961-2479785
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

580 bemerken. Es gelangte nämlich eine Anzahl unterschriftslose Briefe an meine Adresse; der Inhalt derselben legt Zeugniß ab von der hohen Sittlichkeit und dem deutschen Anstande der Absender, kurzum: unglaublich! So muß sich ein ruhiger Bürger die gemeinsten und schlimmsten Beleidigungen in's Haus schicken lassen. Noch vor Jahren war das in Leipzig nicht möglich! — Wenn man nicht annehmen müßte, daß in Leipzig außer den antisemitischen Hetzern auch noch andere Leute leben, die Herrn Fritsch keine Sympathie entgegenbringen, so müßte man fliehen, nur um die Feindseligkeiten zu vermeiden, nur um zur Ruhe zu gelangen! Es dürfte nicht ausgeschlossen bleiben, daß mir demnächst Gelegenheit geboten wird, mich in der Angelegenheit mit den Antisemiten - Prozessen, denen ich gänzlich fern stehe — gründlich zu rechtfertigen. Dann wäre es auch angebracht jene liebenswürdigen antisemitischen Zuschriften und andere hier nicht zu „erwähnende" Dinge einer maßgebenden Beurtheilung vorzulegen. Karl Wiesenthal. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie«, 8. April. Die heutigen Gemeiuderathswahlen des zweitenWahlkörpers ergaben einen unerwartet glänzenden Sieg der Liberalen. Von 46 Gemeinderaths-Mandaten erhielten die Liberalen 39, die Antisemiten 7; von sämmtlichen 19 Bezirken haben bloß 3 vorortliche antiliberal gewählt. Durch das heutige Resultat (mit den vom dritten Wahlkörper Gewählten 52 Liberale und 40 Antisemiten) ist den Liberalen die Zweidrittelmehrheit im Gemeinderath gesichert, da der erste Wahlkörper, der am 13. d. M. wähl!, fast durchweg liberal wählen wird. Rußland. Petersburg, 4. April. Die amtlich mit der mißliebigen Haltung in der Judenfrage motivirte Maßregelung des Blattes „Rowosti" ist in Wirklichkeit nur erfolgt, weil das Blatt militärische Dinge behandelte, deren Geheimhaltung den maßgebenden Kreisen wichtig erscheint. Den hiesigen Blättern ist die Weisung zugegangen, nichts über Truppenverschiebungen zu bringen. England. London, 7. April. Bei der zur Zeit veranstalteten Volkszählung leisten viele Arme, besonders Israeliten, Widerstand, da sie glauben, ihnen würden Spezialsteuern auferlegt. Der Rabbiner Dr. Adler mußte beschwichtigend eintreten. vermischtes. .4- Heidelsheim (Baden). Ein seltenes Fest wurde am Schabbos D’1? pttf 's in hiesiger Gemeinde begangen. Der Verein Bikur-Cholim feierte sein 50 jähriges Bestehen. Zur Ehre des Jubeltages wurde ein Festmahl veranstaltet, bei welchem Lehrer Herz über die Worte: NTIK' n'DJS Ps □,pnn)' ns® px C’ep nwb ruwi n'pnnb ns® om* „Jede Versammlung im Namen des Himmels besteht zuletzt, geschieht sie aber nicht im Namen des Himmels so hat sie zuletzt keinen Bestand," die Bedeutung des Vereins, sein bisheriges Streben und Wirken die Tischrede hielt und für sein ferneres Wachsen und Gedeihen innige Wünsche zum Ausdruck brachte. Wir hatten noch die besondere Freude, daß die Mitbegründer des Vereins, die Herren Herz Odenheimer, Maier- Marx, Gimbel H. Maier u. Gimbcl Maier dem Feste anwohnten. Erst in später Abendstunde trennte. man sich mit dem frohen Bewußtsein eine wirkliche niSD 'ytv mi>’D gehalten zu haben. Cassel. Anfangs vorigen Monats hielt die hiesige Gesellschaft „Humanität" im Hanusch'schen Saale ihre 88. Jahresversammlung ab. Die Gesellschaft wurde unter dem Namen pNL Pyis man am 21. November 1802 durch den verewigten Di-, med. L. A. Liffmanu ins Leben gerufen und ist ohne Zweifel der älteste unter den in Deutschland bestehenden Vereinen ähnlicher Tendenz. Ter langjährige Vorsitzende des Vereins, Herr Jacob Wallach, begrüßte in herzlicher Ansprache die zahlreiche Versammlung und gab dann eine ilebersicht über die Vereinsthätigkeit im Jahre 1889/90, welche durch Mittheilung der Details und des Rechenschaftsberichts von dem seit 32 Jahren in treuer Thätigkeii seines Amtes waltenden Sekretär, Herrn Nathan Katzenstein, vervollständigt wurde. Wir entnehmen diesen Berichten die folgenden Daten: Der Verein, welcher zunächst für den Regiernngsbezierk Cassel gestiftet ist, ohne aber den Anforderungen, welche aus andern Theilen des Landes an ihn ge stellt werden, sich zu entziehen, zählt jetzt 234 Mitglieder. Es wurden von ihm im abgelausenen Jahre unterstützt: 29 Handwerkslehrlinge durch Gewährung von Lehrgeld, Bekleidung, Unterricht rc.; Stipendien wurden gewährt an 6 Zöglinge des jüdischen Lehrerseminars Hierselbst und an 3 Studirende; Beihilfe erhielten Techniker und Elektrotechniker, Zöglinge der Kunstgewerbeschule und der Webeschule zu Creseld, einige Wittweu und bedürftige Familien zu den Erziehungskosten ihrer Kinder, sowie invalide Handwerker oder Handwerkerwittwen. Etablirten Handwerkern wurden Handwerkszeug und Hilfsmaschinen verschafft und ihnen, wo erforderlich, Baarkredit eröffnet- Wie man sieht, ist es in erster Linie die Förderung des Handwerks und des Kunstgewerbes, welche der Verein, seiner ursprünglichen Bestimmung gemäß, ins Auge faßt. Sämmtliche von Vereins- Wegen Unterstützte erfreuen sich der unausgesetzten Aufsich t und weiteren vorsorglichen Förderung durch den Vorstand. Die Jahresausgabe belief fich auf rund M. 4500 und die aus den Jahresbeiträgen, Zinsen, Geschenken ic. sich zusammensetzende Einnahme beziffert sich auf rund 5000 M. Das Gesammtvermögen des Vereins beträgt zur Zeit ca. M. 46,000. Nach der Berichterstattung ergriff Herr Landrabbiner Dr. Prager das Wort, um mit gewohnter Meisterschaft über Bibelübersetzungen, besonders die Septuaginta, zu sprechen, und entwickelte die Bedeutung der Bibel für die Vergangenheit, die Gegenwart und —die Zukunft. An das herkömmliche Seelengebet schloß sich dann die Verlesung der Namen sämmtlicher verstorbener Mitglieder, worunter sehr ehrwürdige und hochbedeutende Namen wehmüthige Er inneruttgeu zu erwecken geeignet waren. An diesen ernsten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.