Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 30 (13.4.1891)
- Date
- 1891-04-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXX11. Jahrgang. Keilllgr;u M 30 des „Israelit 5- Irschurm" Zeitungsnachrichten und Correspondenzcn. Deutschland. Berlin. Die Antisemiten versuchen jetzt von Neuem und mit verdoppelten Kräften, eine ihrer intoleranten Gesinnung entsprechenden Spaltung in der deutschen Turnerschaft hervorzubringen, nachdem alle derartigen Versuche bisher an dem gesunden Sinn der Führer der deutschen Turnerei gescheitert sind. Die neue Bewegung geht von Berlin aus. Der antisemitische Turnverein, der sich unter dem wohlklingenden Namen „Deutscher Turnverein Berlin" eingeführt hat, erläßt soeben ein vertrauliches Rundschreiben an Vereine und einzelne Turngeuossen, in welchem er die Forderung aufstellt, in Zukunft „nur deutsche und deutschverwandte Stammesgenossen", und solche Turngenossen, „die sich zum christlichen Glauben bekennen und nicht jüdischer Abstammung sind" in der deutschen Turnerschaft zu dulden. In der schamlosesten Weise wird der Name des Jahn mit diesen Hetzereien verbunden. Berlin. Ueber die Verurtheilung des Vorstandes des Görlitzer „deutsch-socialen Vereins" wegen Verbreitung der antisemitischen^Hetzflugblätter aus der Fritschschen Fabrik in Leipzig ist die „Kreuzztg." außer sich. Sie führt zum Vergleich einige andere Prozesse an und setzt hinzu: „Bei alledem gewinnt iman aus diesen Vorgängen mehr und mehr den Eindruck, daß die Juden „Bürger erster Klasse" sind, daß ihnen im öffentlchen Leben eine Rangstellung eingeräumt wird, auf die sonst Niemand Anspruch hat. Ihren Dank aber statten sie damit ab, daß sie die Sozialdemokratie zu einer „unüberwindlichen Macht" zu gestalten suchen, die nur darauf wartet, bis sie die Mehrheit im Reichstage hat, um unsere ganze Politik nach innen wie nach außen lahm zu legen." Wie betrübt das Junkerblatt aber darüber ist, daß es nicht immer erlaubt sein soll, auf die Juden zu schimpfen, zeigt der Klageruf, mit welchem es seine Ausführungen schließt: I„Wenn Verstimmung und Schwarzseherei unter diesen Umständen immer weiter um sich greifen, so ist das wahrlich nicht zu verwundern." Ueberlassen wir die Kreuzzeitung und ihren Anhang ruhig der Verstimmung, wenn nur der den Innern Frieden gefährdenden Hetzarbeit ein Ende gemacht wird. (Berl. Tagbl.) Frankfurt a. M. Die Realschule der isr. | Religionsgesellschaft zählte im Schuljahre 1890/91 237, die Vorschule 102 Schüler und die höhere 8 Mädchenschule 206 Schülerinnen. Das Zeugniß 8 für den einjährig-freiwilligen Militairdienst erhielten 1 25 Schüler, die Abiturienten-Prüfung bestanden 6 8 Schüler; einer derselben wurde von der mündlichen 8 Prüfung befreit. Auch in diesem Jahre hatte sich die Schule vielfacher Beweise freundlichen Wohlwollens aus den Kreisen der Gemeinde zu erfreuen. Von drei Gönnern der Schule wurden vier Freiplätze gestiftet, für die verschiedenen Unterstützungskaffen gingen zahlreiche Spenden ein. In der Einladungsschrift zur öffentlichen Prüfung am 12., 13. und 14. d. M. vom Director Dr. Hirsch geht dem Berichte über die allgemeine Lehrverfassung der Schule eine größere Arbeit, „Richelieu und das französische Drama", von Dr. Josef Caro voran. Karlsruhe. Bei einem dahier ftattgehabten großen Brande hat das Bankhaus M. A. Strauß dem Oberbürgermeister M. 200 zur Unterstützung solcher hilfsbedürftiger Feuerwehrmänner überwiesen, welche bei diesem Brande thätig gewesen sind. Leipzig, 5. April. Die in Nr. 19 im „Israelit" aus meiner Feder stammende Notiz, bezüglich Verfolgung „antisemitischer Beleidigungen und Verleumdungen" ist in der ganzen antisemitischen Presse gewaltig aufgepauscht — und hat diese Aufbauschung, die der „Tages-Anzeiger" angeregt, nicht wenig dazu beigetragen, mir viele neue Feinde zu schaffen. Wie wenig die Antisemitenblätter Stoff haben, erhellt, daß sie sich in unglaublichster Weise mit der geringfügigen Angelegenheit heute immernoch beschäftigen — und ihre Wnth gegen mich persönlich beim Begegnen oder sonst wo gelegentlich zum Ausdruck bringen. Sie glauben nun, ihnen geschähe das bitterste Unrecht, wenn man sie gerichtlich belangt?! Zur Richtigstellung der ganzen Angelegenheit hält sich Referent heute nun für durchaus verpflichtet zu erklären, daß er nie mehr ein Wort von der beabsichtigten Gründung einer Vereinigung, wie sie in Nr. 19 des „Israelit" angeführt — gehört hat! Weder die hiesige Behörde noch sonst eine andere maßgebende Quelle weiß von einer Vereinigung. Von den Klagen, welche bis jetzt gegen die Herren Fritsch und Bucko geführt, hat Referent wohl gehört, aber er ist nie mit den Klägern in Berührung gekommen; er kennt sie überhaupt persönlich nicht! Ebensowenig ist es wahr, daß Referent jemals die Staatsanwaltschaft zur Verfolgung des Herrn Fritsch angerufen! Herr Fritsch wird wohl am besten wissen, wer seine Angelegenheiten verfolgt! Der Sturm der Entrüstung, der somit künstlich und gehässig gegen mich erzeugt, war in der That eine leere Schreierei, ein reines Kinderweinen — um nichts > Andernfalls hatte Referent aber auch Gelegenheit die Gesinnnngen einzelner Antisemiten zu