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Der Israelit · 1891-04-09 · Heft 29 (9.4.1891) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 29 (9.4.1891)
Date
1891-04-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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549 der Einladung, und nach einigen Minuten sagte der Commerzienrath: „Und nun berichten Sie, bitte." Schirmer öffnete eine Mappe und entnahm derselben einige Papiere und begann mit angenehmer, klarer Stimme: „Zuerst die Sache des Herrn von Zobeltitz. Das Gut Zobeltitz wird auf den Werth von 860,000 Mark geschätzt; es rentirt bei der jetzigen schlechten Wirtschaft zu iW/o- Auf diesem Gute haften an Hypothekenschulden 800,000 Mark, die durchschnittlich mit 4 °/0 zu verzinsen sind. Die Privatschulden der beiden Herren von Zobeltitz mögen ca. 90,000 Mark betragen und das lebende und tobte Inventar des Gutes einen Werth von 120,000 Mark repräsentiren. Beide Herren verstehen nichts von der Landwirthschaft und bekümmern sich um die Bewirtschaftung des Gutes gar nicht. Der junge Herr ist ein bekannter Sports¬ und Lebemann und ein leidenschaftlicher Spieler, der vorgestern Abend im Club 30,000 rf Spielschulden getilgt hat. Woher dieser Betrag entnommen, konnte vorerst nicht eruirt werden." Der Commerzienrath hörte aufmerksam zu, während seine Finger nervös mit einem Blatte Papier spielten. Als Schirmer geendet hatte, sah er zu seinem Prinzipal aus, denn er erwartete irgend eine Aeußernug desselben. Das Gesicht des Commerzienrathes jedoch blieb regungslos, und schon wollte er sortfahren, als Jener fragte: „Von wem ist diese Auskunft?" „Von unseren zuverlässigsten Agenten, Rose, Sartorius & Co." „Gut." „Soll ich ausführlicheren Bericht einfordern?" „Rein, danke Ihnen, das genügt. Was haben Sie weiter?" „Der Bericht des Fabrikdirektors in . . . dorf. Derselbe bittet um Instruction. Falls er die Arbeitslöhne nicht erhöht, droht ein Ausstand." „Was beanspruchen die Arbeiter?" „Eine Lohnerhöhung von I21l2°j0 und zehnstündige Arbeitszeit." „Die Lohnerhöhung soll er bewilligen — das Uebrige bleibt wie seither." „Die amerikanische Post bringt Hiobsnachrichten. In Folge der Mao Kinley-bill ist unser ganzes Exportgeschäft in Frage gestellt. Sollten trotzdem die Löhne —?" „Es bleibt bei meiner Entscheidung." „Schön, Herr Commerzienrath, und nun noch eine Sache. Vorhin kam diese Depesche aus London. Es muß sich Jemand einen faulen Witz erlaubt haben, anders kann ich mir die Sache nicht erklären." „Lassen Sie sehen." Schirmer legte die Depesche auf den Schreibtisch seines Prinzipals; dieser setzte seine Lorgnette auf und las mit halblauter Stimme die Worte: „Baring Brothers fallit." Als ob ein Blitz vor ihm niedergegangen wäre, so erschreckten diese drei Worte den Commerzienrath. Das Haus Baring Brothers war sein Londoner Bankhaus, dessen Fall sehr leicht den der eigenen Firma nach sich ziehen konnte. Kreidebleich sah er Schirmer an und sprach: „Ist die Depesche coüationirt worden?" „Ans meine Veranlassung sofort." „Und sie stimmt?" „Vollständig." „Das ist ganz sicher ein fauler Witz," tröstete sich der Commerzienrath und sprach: „Zum Ucbcrffuß telegraphiren Sie sofort an unseren Correspondenten und an Baring Brothers und bitten um Aufklärung." „Ist ebenfalls schon geschehen. Die Antwort kann jeden Augenblick eiutrcffen." „Gut, sobald die Depesche kommt, will ich benachrichtigt sein. Noch etwas?" „Einige Bittgesuche." „Könne« in einigen Tagen vorgelegt werden. Lassen Sie es heute sein." Schirmer packte seine Mappe zusammen und entfernte sich. Als er das Zimmer verlassen hatte, sprang der Commerzienrath von seinem Stuhle auf und durchmaß erregt mit großen Schritten das Gemach. Wenn die'Depesche wahr sprach — war sein halbes Vermögen verloren. Es konnte nicht sein. Ein Haus, wie das genannte — es war unmöglich. — Da klopfte es und der eintretende Diener meldete: „Die Herren von Zobeltitz wünschen den Herrn Commerzienrath zu sprechen." „Ich lasse die Herren bitten." Der Diener ließ die Gemeldeten eintreten und der Commerzienrath empfing dieselben mit freundlichem Lächeln. Man besprach das gestrige Fest, bis endlich Herr Levy fragte, womit er den Herren dienen könne. „Sie wünschten," begann der Vater des Lieutnants, „einige Details über unsere Vermögensverhältnisse. Wir sind bereit, Ihnen dieselbe zu geben und überhaupt den geschäftlichen Theil unserer geplanten Verbindung heute zu erledigen." „Das eilt ja nicht so sehr", versetzte lächelnd der Commerzienrath. „Meine Tochter —" „Rechnet es sich vermutlich als eine hohe Auszeichnung, wenn ein Herr von Zobeltitz um ihre Hand wirbt", setzte der alte Herr die Rede fort. „Wie man es nehmen will. Sie hält sich dieser Ehre nicht würdig und —"

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