Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 28 (6.4.1891)
- Date
- 1891-04-06
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 1. April. Die Deligirten der in Deutschland bestehenden „Esra"-Vereiue haben Hier ihre Generalversammlung abgehalten. Nachdem der Vorsitzende Rittergutsbesitzer Jtzig die Deligirten begrüßt hatte und der seit der letzten Versammlung Heimgegangenen Mitglieder d. V. gedachte, wurde der Rechenschaftsbericht erstattet. Die Vorstandsmitglieder der vergangenen Verwaltungsperiode wurden nach ertheilter Dechargc wieder- und Herr Max R o s e n b e r g neugewählt. Der Verein wird fortan den Namen führen: Esra, V ere in zur Unterstützung jüdischer Colonisten in Palästina und Syrien. N. Mannheim. Beit einigen Wochen hat die hiesige aus 190 Schulklassen bestehende Volksschule wieder einen neuen Rektor erhalten. Die beiden vorangegangenen Rektoren Prof. Heniggärtner und Prof. D urler waren sehr lange krank. Während der Krankheit der beiden Herren und während der lange dauernden Vakanzen bis zur Wiederbcsetzur.g des Rektorats war vom Stadtrathe mit Genehmigung?des Kreisschulraths und Oberschulrathes der isracl. Hauptlehrer L. Kern der Vertreter des Rektors. Es ist dies ein ottm »np, wie er in ganz Deutschland noch nicht vorgekommen ist. An der Spitze eines confessioncll gemischten Lthrercollegiums von 190 Lehrern bezw. Lehrerinnen, evang. und kath., einen jüdischen Rektoratsvertreter! Und wie einig, besonders in jetziger Zeit das Lehrercollegium mit seinem Rektoratsverweser gewesen, das verdient in den jüdischen Zeitungen registrirt zu werden für alle Zeiten. In einer Sitzung des Schulausschusses hat denn auch unter allgemeiner Zustimmung aller anwesenden Mitgliederder Herr Kreisschulrath Strübe in Heidelberg seiner großen Befriedigung Ausdruck gegeben, daß in der langen Zeit der Rektoratsvertretung auch nicht eine Unzufriedenheit zu seiner Kenntniß gekommen sei, was fast an das Unglaubliche grenze. Bei der Vorstellung des neuen Rektors auf dem Rathhaussaale übermittelte auch Herr Oberbürgermeister Moll, sowie der neue Rektor dem bisherigen Vertreter, Herrn L. Kern den Dank in den herzlichsten Ausdrücken. Ein Gleiches that noch ein Schreiben des Stadtrathes an Herrn L. Kern. Die Liebe zu Herrn K., hervorgerusen durch strenge Gewissenhaftigkeit, ruhige Objektivität und leutseliges Benehmen gegen Jedermann, legte, wie man allseitig vernahm, besonders den geistlichen Mitgliedern des Schulausschusses den Wunsch nahe, Herr Kern definitiv an der Spitze des Mannheimer Schulcollegiums zu sehen, welche große Ehre erfterer in Anbetracht seines vorgerückten Alters abzulehnen für nothwendig fand. Möge es Herrn K. noch recht lange vergönnt sein, an der Seite des neuen Rektors zu wirken zur Freude und zur Ehre des Judenthums.' Frankreich. Paris, 2. April. In seinem neuesten Romane „I/arxent", der das Getriebe der Börse und des Großkapitals zur Veranschaulichung bringen soll, schildert Zola mit meisterhafter Feder, wie auch in den Kreisen der „Haut« Finance“ sich die Unsolidität und der Schwindel stets den Judenhaß zu nutze machen, um ihre unsauberen Zwecke durch Erregung des Neides auf das jüdische Geld zu erreichen. Der Held des Romans ist der Gründer einer großen Bank, der die angebliche Macht des Judenthums und namentlich diejenige Rothschilds auf dem Gebiete der Finanzen zu brechen sucht. Aber die Bank, deren Pathen „Judenhaß und Schwindel" gewesen, sinkt mit fürchterlichem Krach zusammen und begräbt unter ihren Trümmern Tausende und Abertausende verblendeter Aktionäre. Die Aknen werden als Makulatur verkauft, die Gründer wandern in" Gefängniß, doch der Minister läßt Einen derselben, seinen Bruder heimlich entfliehen, und in Holland setzt dieser sofort neue Gründungen großen Stils ins Werk. Aber vorher im Gefängniß erleichtert er noch einmal sein Herz und macht seinem alten, tief eingefressenen Haß gegen das triumphirende Judenthum in zügellos brutaler Rede Luft. Das jüdische Großkapital, diese soiiveraine royaute au monde: Das ist der Feind. Es ist die glänzendste Satire auf den Antisemitismus und in einem knappen Satz wirft die Schwester eines der Gründer den aus schnödem Konkurrenzneid geborenen Fanatismus bei Seite: „Pom* moi, le juifs, ce sont des horames comme les autres. S’il§ sont a part, c’est qivon les y a mis“. > Vermischtes. -4- Cairo (Egypten). Der am 28. Februar stattgehabte Maskenball zu Gunsten der isr. „Maimonides"-Schule erzielte einen Reinertrag von 2000 Fr. Wochen - Kalender. Donnerstag, 9. April, 1. Nisan. tsnn tWi. Freitag, lö. April, 2. Nisan. Sabbat-Ansang 6 Uhr 10 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 11. April, 3. Nisan. y-qn. Sabbat-Ausgang 7 Uhr 30 Min. (Mainzer Uhr). Briefkasten der Redaktion. A. K. Das Räthsel ist in Bezug auf Sprache und Rythmns gut, läßt sich jedoch nicht verwerthen, da man nach ihni erwartet, daß das nüiifc'C rUK' ein anderes als das maiyp n;tiy sei._ Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich.