Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 25 (26.3.1891)
- Date
- 1891-03-26
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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32. Jahrgang.) 26. Mär, 1891. (Ar. 4. Kelletr. Anlage in Nr. 25 des Israelit L Jefcharan. Feuilleton. Die Antisemitin. Von Paula F. I. „Wie ich sie hasse, diese Juden, diese elende, verfluchte Rasse!" stieß sie bebend zwischen den Lippen hervor. „Wie glühend ich sie hasse!" Dabei sprühten ihre schönen Augen wahre Zornesblitze und ihre kleine Hand ballte sich drohend, als ob sie mit ihr diesen ganzen verachteten Stamm der Juden mit einem Schlage zermalmen könnte. Und war ihr Zornesausbruch etwa nicht gerechtfertigt, nach der Demüthigung, die sie, die schöne, bewunderte Esther soeben erlitten? Mußte sie es nicht aus dem Munde des jungen Grafen, der sie mit seinen Huldigungen ' förmlich verfolgte, selbst hören, daß eine Verbindung mit :hr, ein Ding der Unmöglichkeit für ihn sei? Wohl hatte er ihr dies erst gestanden, als sie energisch aus einer bestimmten Erklärung beharrte Sie wolle nicht länger seine Aufmerksamkeit dulden, die ihr von allen Seiten nur Spott und Hohn eintrugen, wenn der Gras nicht endlich Ernst mache und sie heirathe. Wie erschrocken er sie anblickte und wie er seine Verwirrung bei dieser ihrer bündigen Aufforderung zu bemeistern suchte! „Heirathen! Aber Esther, schöne Esther, wo denken Sie hin? Ja, wie verfallen Sie nur darauf?" kam es stoßweise aus seinem Munde, während er verlegen seinen Schnurrbart zwirbelte. „Ganz einfack, Herr Graf," erwiderte sie lakonisch, „weil ich mich viel zu gut zu einen: Spiel dünke." „Wahrhaftig — in der Thnt — wie sonderbar sie sprechen," rief der Graf aus, der offenbar nicht wußte, was er sagen sollte. — „Man plaudert, nian amüsirt sich —" „Nun eben, ich habe es satt — das Amüsiren — es geht auf Kosten meines Rufes. Ich heiße ja so schon „Königin Esther". „Ha, ha," lachte er, „nicht übel, Königin Esther! Meiner Treu! ich wette. Sie hätten durch Ihre blendende Schönheit selbst Königin Esther verdunkelt. Wie schade," fügte er bedauernd hinzu, „daß ich nicht ein König bin und die Macht besitze, Sie als schönste Königin heimzuführen und Ihnen einen Thron anzubieten." „Wir schweifen von unserm Thema ab," fiel sie ih:n kühl in die Rede. „Bitte, keine Ausflüchte. Diese zweck- und aussichtslosen Zusammenkünfte müssen ein Ende nehmen. Ich wünsche reinen Wein eingeschenkt. Ist absolut keine Hoffnung vorhanden, jemals ihre Gattin zu werden, so - ich bin keine Freundin von Illusionen — scheiden wir!" Der Graf, durchaus nicht ä son aise bei dieser Auseinandersetzung, fühlte, daß es mit Ausreden und Hintanhalten nicht länger gehe. Er bedeutete ihr, welche Kluft, welcher Standesunterschied zwischen ihnen obwalte, das Haupthinderniß einer Ehe sei jedoch die Religion. „Und wenn ich überträte, Herr Graf?" Wie er sich wandte und krümmte, um schließlich dahin zu gelangen, daß selbst, wenn sie das Opfer eines Glaubenswechsels brächte, eine getaufte Jüdin doch nimmer würdig sei, als Zweig dem makel- und fleckenlosen Stammbaum der edlen Grafen von C. aufgepfropft zu werden. Es ist wahr, der Graf befleißigte sich der größten Schonung bei dieser peinlichen Scene und dennoch traf der Hieb. Esther war sehr blaß geworden. „Es genügt, Herr Graf," war die tonlose Antwort. „Leben Sie wohl!" Und wankenden Schrittes eilte sie von dannen. Er rief ihr nach: „Esther! Esther!" Sie wandte sich nicht um. „Wie ich sie hasse!" wiederholte sie in wilder Leidenschaftlichkeit „und ich werde mich rächen!" Seltsamerweise kehrte sich ihr Haß nicht gegen den Grafen, der sie verschmähte, sondern :n falscher Auffassung gegen ihr eigenes Volk, gegen ihre eigenen Glaubensgenossen. Diesen lud sie die Schuld aus für die ihr widerfahrene Schmach. Esther Pollak war die älteste Tochter des Cantors in einer kleinen Gemeinde unweit der schlesisch-galizischen Grenze und zeichnete sich durch auffallende Schönheit aus. Eine schlanke, biegsame Gestalt mit prachtvollen, tiesdunklen Augen und einer reichen Fülle blauschwarzer Haare, erregte sie allenthalben ungeheuchelte Bewunderung. Esther ward sich bewußt, schön zu sein, schöner als alle Mädchen in der ganzen Stadt, und war stolz daraus, denn ihre Schönheit verhalf ihr zu manchen Ehren. Bei Bazars und Wohlthätigkeitsfesten, die von den Honorationen des Städtchens arrangirt wurden, nahm man keinen Anstand, Esther zur Mitwirkung einzuladen. Bei lebenden Bildern war sie immer die Hauptperson und