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Der Israelit · 1891-03-23 · Heft 24 (23.3.1891) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 24 (23.3.1891)
Date
1891-03-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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466 biner Dr. P e r l c s - München verfaßt, folgenden Wortlaut hat: Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster Prinzregein! AUcrguädigstcr Prinzregent und Herr! Ew. Königlichen Hoheit nahen anläßlich Allernächst dero siebzigsten Geburtsfestes die Rabbiner sämmtlicher israelitischenKultusgcmeindendes Königreichs mir dem Ansdrucke ehrerbietigster Huldigung. Sie erstehen mit ihre» Gemeinden den reichsten Legen Gottes auf das thenere Haupt des erhabenen Landesherr», daß AllerhöchstderselNe zum Heile des Vaterlandes sich der kräftigsten Gesundheit und Rüstigkeit bis in's Nächste Greisenalter erfreuen möge. Sie danken innigst für das beglückende Allerhöchste Wohlwollen, das ihnen und ihren Gemeinden seither zu Theil ward, und geloben, daß sie in Svuagoge und Schule wie bisher, Gottesfurcht, KönigZstrene und Vaterlandsliebe lehren und verbreiten wollen. In tiefster Ehrfurcht verharren unterthänigst, trcugehorsamst die Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinden des Königreichs: (Folgen die Namen). Feuilleton. myr? ~vhn. rvoo rwrc .D’jra«1? Bei dem Rabbiner in B. waren am Sabbat vor Purim, bei der 3. Mahlzeit, wie gewöhnlich, ein ganzer Kreis wackerer Männer versammelt, um, in zwangloser Weise, Gemeindeangelegenheiten mit ihm zu besprechen und Worte der Thora von ihm zu vernehmen. Auch zwei Fremde waren miterschienen, G o l dschm i d t ans F. und Ma y er aus W. Der Rabbiner sprach über Mischlanach Monaus. „Es ist sicher diese schöne Sitte nur ans Rücksicht für die Armen ursprünglich angeordnet worden", meinte der Rabbi. „Wir haben", so fuhr er, 'um unsere Aufklärung gebeten, fort, „nicht immer die nöthige Rücksicht und Schonung für das Ehr- und Zartgefühl der Armen, und ertödten nur zu oft selbst bei professionsmäßigen Bettlern noch den letzten Rest von Schamgefühl, statt es wachzurufen. Und doch bemißt sich der Werth der Gabe hauptsächlich nur nach der Sinnigkeit und der sorgfältigen Art, womit sie gereicht wird. Eine solche Sorgsalt spricht sich in dem Schlach Monaus aus. Indem auch den bemittelten Freunden Geschenke geschickt werden, tritt der Unterschied zwischen Begüterten und Dürftigen zurück; der Arme wird durch die Annahme der Spende nicht verletzt, weil der glücklichere Nachbar nebenan ja auch beschenkt worden; und wer kann dem Geschenk anseheu', ob es Schlach-Monaus oder Matonoh Loefjonim sein soll? Wir müßten nur diese herrliche Lehre mehr beherzigen und sie von Purim auf's ganze Jahr übertragen und förmlich darüber nachsinnen', der Unterstützung durch ähnliche Vorkehrungen den bitteren Stachel zu nehmen, wie cs an Purim durch die Anordnung der Schlach-Monaus geschieht." „Es kommen", nahm darauf Goldschmid't jdas Wort, „in jüd. Kreisen noch Beispiele genug vor, welche diesem Ideal des Spendens entsprechen; und noch jüngst ward mir eine Geschichte erzählt, die Sie, meine Herren, gewiß ebenso angenehm berühren wird, als mich ihre Mittheilung erfreute. Ein Manu in unserer Gemeinde war in seinen Verhältnissen zurückgekommen, und eine Katastrophe schien ihm unvermeidlich. Er offenbarte seine Lage einem Bekannten und nannte ihm 'bie Summe, welche ihnl zur Erfüllung. seiner Verpflichtungen und zur Erhaltung seines Namens und Geschäftes erforderlich war. Sie war nicht gering. Der Bekannte veranstaltete bei vermögenderen Glaubensgenossen eine Sammlung und fand überall offene Hand. Er kam auch zu B. R. Derselbe zeichnete sofort eine ganz anständige Summe. Der Sammler war nicht p,. frieden und bemerkte unumwunden, daß er sich mehr als das Doppelte versprochen habe. Es thut mir leid, sprach B. R., aber mehr kann ich nicht geben. Mißvergnügt verließ der Sammler den reichen Herrn, hatte aber bei seinen weiteren Bemühungen die Freude, die gewünschte Summe vvllständig zu erhalten und lieferte sie dem Bittsteller mit dem Bemerken ab, daß sämmtliche Geber es nur als Dar lehen betrachteten, bis ihm das Glück wieder günstiger sein würde. Alle, so fuhr er fort, bedanktet! sich noch bei mir daß ich ihnen Gelegenheit gegeben, einem solch tvackeren Manne, wie Sie, zu helfen und das mag Ihnen ein Trost im Unglücke sein. Nur B. R. hat meine Erwartung nicht erfüllt und verhältnißmäßig wenig gegeben. Der Arme entfärbte sich bei diesen Worten. Das thut mir sehr leid, sprach er, daß Sie bei dem gewesen. Denn ich muß beken neu. die Summe, tvelche ich Ihnen angegeben, ist nur die Hälfte von dem, was ich haben muß; die andere Hälfte hat, mir bereits B. R,, dem ich mich zuerst anvertraut, sofort übergeben. Und doch hat Ihnen der herrliche Mann nicht gesagt, daß und wie er mir bereits geholfen, und hat, urn Ihnen das Geheimniß nicht zu verrathen, nochmals gezeichnet und Ihre tadelnde Bemerkung über sich ergehen lassen'. „Run", Herr Rabbiner, srug Goldschmidt, „hat dieser Mann nicht ganz und voll der von Ihnen angegebenen Weise entsprechend gehandelt?" Gewiß, riesen alle Anwesenden, mögen seines Gleichen sich mehren in Israel. „Gestatten Sie mir", nahm Herr Mäher aus W. das Wort, „Ihnen eine Geschichte aus unserer Gemeinde zu erzählen, welche hierzu ein würdiges Seitenstück bildet. Auch hier handelte es sich um einen ehrbaren Kaufmann, welcher, um dem Ruin zu entgehen, 1000 M. haben mußte. Er ging zu unserm Rabbiner und bat ihn um Hilfe. Der Rabbiner nahm 10 begüterte Glaubensbrüder in Anspruch; jeder spendete 100 M., ohne zu fragen, für wen der Rabbiner sammele. Es vergingen einige Jahre und der Manu erholte sich und kam wieder zu einigem Vermögen. Er brachte dem Rabbiner die 1000 M. zurück und bat ihn, seinen Gönnern ihre betreffenden Beiträge wieder einhändigen zu wollen. Der Rabbiner ersuchte ihn, ihm noch vor Abend noch weitere 100 M. bringen und des andern Tages uni

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