Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 23 (19.3.1891)
- Date
- 1891-03-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Ul man ist geradezu dem Gespötte ausgesetzt, wenn man, beispielsweise in einem Eisenbahncoupe zweiter Klasse unter lanter jüdischen Mitreisenden eine nPen in die Hand nimmt, um zu. „oreit" oder gar das große Wagniß unternimmt, seine i’Pen zu legen. Am vierten Tag wollte Haman es nicht wage», gegen Israel etwas zu unternehmen, weil an ihm Lonne, Mond und Sterne geschaffen, und Israel den Sternen verglichen ist. Außerdem war es ja im Besitze der min, dem höchsten erhabendsten Lichte. Durfte er da mit seinen lichtscheuen Anschuldigungen hervortreten'? So lange es Sterne, glänzende Sterne gibt tn Israel, so lange um die hellstrahlende Sonne Millionen Sterne, große und kleine, hellleuchtende und schwachschimmernde, aber doch Lichtkörper allzumal, sich bewegen, kann unserem Volke keine Finsternis; drohen. Sterne, Körper, die Licht ausstrahleu, sollen >vir 'Alle sein. Und wer nur im Ernste ein Jehudi ist und nicht blos, weil er es von Geburt ist, und eine niüs nach ihrer vollen Bedeutung erfaßt lind erfüllt mit der ganzen hingebenden Freudigkeit, ein göttliches Gebot zil erfüllen, der zählt mit zu den Sternen, kreist um die Sonne, gehört mit zu ihrem Lichtkreis. Alle irdischen Störungen und Strömungen können das Licht nicht mehr verlöschen, auch wenn sic cs zeitweise umwölken. Am fünften Tage wurde die Vogelwelr geschaffen, von denen unser Volk auch seine Spser darbrachte und Gottes Verzeihung sich erwirkte. Solange noch unser Volk für seine Aufgabe, für seine Lehre und Religion Spfer bringt, umd im Falle, daß es sich verfehlt und irrt, seinen Irrthunt und seine Fehler erkennt und wieder gut zu machen sucht: da kann kein Haman seine bösen Anschläge zur Ausführung bringen. Heute scheint es fast, als ob unser Volk den Weg der Einsicht nicht mehr findet, als wäre ihm der Weg verlegt, aus dem es seit Jahrtausenden, wenn auch oft unter erschwerenden Umständen, sicher gewandelt. Ist es zu vcrwundern, wenn Haman, uns auf verbotenen Wegen treffend, nicht mehr auf dem eigenen Boden stehend, uns angreift und bekämpft!'? Am sechsten Tage wurde Adam geschaffen cmp cnsi C~N. Menschen sind wir Alle, aber als Menschen zu leben, verstehen nicht Alle. „Im Ebenbilde Gottes schuf er ihn", und unser Volk hatte die Ausgabe übernommen, insgesammt Menschen zu sein und zu bleiben. Blieb es dieser Ausgabe treu, stellte es sich über die Thierwell, so daß es nicht dem Genüsse lebte, sondern seinen Geist Pflegte, ihn ausbildele, von ihm sein Leben beherrschen ließ; wäre es rein und edel in seinem Denken und Thun: da hätte niemals ein Hama» es wagen dürfen, mit seinen bösen, verderblichen Plänen aufzutreten. Und wie steht es heute mit uns'? Wir leben ja in einer fortgeschrittenen, gebildeten, bildungs- und wissensdurstigen Zeit. Aber nicht Alle, nicht so sehr Viele können von sich behaupten: Ich bin ein Mensch, ein echter, ganzer Mensch, mit edlem Streben, nur das Beste wollend, nur dein Geiste huldigend. Erdensöhne ((c“N\) nennen sich Viele, und beanspruchen deshalb für sich die Erde und ihre Genüsse. Darum kommen auch irdische Leiden, kommen die bösen Geister der Erde und erheben drohend ihr Haupt. Am siebten Tage, am roi£' war die Schöpfung voll endet, und dieser Tag wurde „auf ewig" das Bundeszeichen zwischen Gott und Iisroel. So lange wir diesen Bund halten, sind alle Feinde machtlos, daran zerschellt alle Bosheit. Ich brauche nicht weiter aus die Bedeutung des miL' einzugehen. Jeder von uns weiß, daß ohne den Israel keinen Bestand hat. Er ist der Grund- und Schlußstein der Schöpfung und der Grund- und Markstein des Gottesglaubens. Ungestraft darf man nicht daran rütteln. Und hat man heute geglaubt, der i~G^ wäre ein überwundener Standpunkt, ähnlich wie man die Schöpfung als ein Märchen auffaffen will; so wird sich zeigen und har sich gezeigt, daß mit diesem Momente auch die Haman wieder ihr Haupt erheben und ihre Anklagen gegen die Inden Vorbringen. Haman ging zu den Monaten über. Nur den Monat Adar fand er für geeignet gegen uns vorzugehen, weil auch Moscheh an ihm gestorben. Er wußte aber nicht, daß auch im selben Monat Moscheh geboren. Gott sei Lob nnd Dank, auch in den schlimmsten Zeiten, auch bei dem größten Abfall unseres Volkes von seinem Glauben und dem göttlichen Gesetze, gibt es doch immer noch e i it TO;, e i n Verdienst. Wenn auch Moscheh gestorben, d i e M o s ch e h s aber sind nicht ausgestorben. Immer gab es Lehrer unseres Volkes, immer einzelne Männer, welche gegen das ganze Volk die min hoch hielten und vertheidigten. Das wußte Haman nicht. Er glaubte, Israel, das sich gütlich that an dem Festmahle des ttmitiriN, hätte keine j üb tieften Männer mehr in seiner Mitte, es wäre reif, vernichtet zu werden. Doch es war noch ein 'ira "nn* onc imnn sL'iL'ü n'n. Dieser Eine trat für sein Volk ein und rettete cs. Unsere Zeiten haben so viel Aehnlichkeit mit den damaligen, daß die Lehre, die uns jenes Stück Geschichte bietet, uns recht lebhaft im Gedächtnisse haften sollte, und ganz besonderer Beherzigung werth wäre. Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. O e st e r r. Ungar. Monarchie. Wien, 13. März. Der „Polit. Korr." zufolge hatte die Auffassung einiger Zeitschriften von dem Erlaß des Grazer Oberlandesgerichtspräsidenten Wasser in Betreff der antisemitischen Bewegung das Justizministerium veranlaßt, Berichte über die Wahrnehmungen einzuholen, durch welche der Erlaß hervorgcrufen sei. Aus dem Berichte hätte das Ministerium die beruhigende Ueberzeugung von der vollen Unbefangenheit der Rechtsprechung gewonnen; wahrscheinlich wollte per Präsident durch den Erlaß nur verhindern, daß die bei der letzten Wahlbewegung zum Vorschein gekommene Strömung in Richterkreisen Verbreitung finde. E n g l a n d. London, 16. März. Soeben traf hier die telegraphische Nachricht ein, daß die jüngste Tochter unseres fei. Ehief Rabbis ysr, Madame Heilbut in Amsterdam leider im Wochenbette plötzlich gestorben ist. Diese Trauerkunde verbreitete allgemeines Entsetzen und tiefes Beileid, da die Dahingegangene erst 4 Jahre verheirathet war. rrasjn Griechenland. Korfu. Unsere Gemeinde beweint den Heimgang einer ihrer besten Mitglieder Abraham Kolonimos (oidu^p), dessen Verdienste um die hiesigen Wohlthätigkeitsanstalten uns unvergeßlich bleiben werden. Er war auch eine längere Zeit nacheinander Präses unserer Talmud-Thora-, der Gemiluth /