Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 23 (19.3.1891)
- Date
- 1891-03-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448122-2448146--31806-2479624- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXXII. Jahrgang. _Erft« Brilllgr;u M 23 des „Israelit & Ieschurun" Csvd^insl Wrsnning. •£<§•* In dieser trüben Zeit des Rassenhasses und russischer Barbarei fehlt cs auch nicht an glänzenden Lichtstrahlen, welche die Hoffnung beleben, daß die Civilisation nur vorübergehend bedroht ist und die Menschlichkeit nicht für immer und nicht überall mit Füßen getreten werden kann. Antisemitismus und Moskowiterthum sind Wolken, die sich wieder zerstreuen und durch welche die Sonne der Humanitätdoch durchdringt. Ein wahrhaft erhebendes, jeden guten Menschen erfreuendes Schauspiel gewährt uns Cardinal Manning in London. Der Cardinal - Erzbischof der katholischen Kirche hat sich in hervorragender Weise an der Bertheidigung der russischen Juden gegen die dieselben hart bedrückende Verfolgung betheiligt. Hauptsächlich wird die vom Cardinal Manning in der russisch-jüdischen Krisis der Jahre 1881/82 zu Gunsten der Juden eingeleitete Action unvergessen bleiben. Im ganzen russisch-jüdischen Comite, welches sich am 1. Februar 1882 im Mansion - House in London constituirte, gab es kein rührigeres und eifrigeres Mitglied, als Se. Eminenz der Cardinal-Erzbischof Manning.Er erschien fast in jeder Versammlung, die während des erwähnten Jahres abgehalten wurde und führte in denselben mehr als einmal den Vorsitz. Die von ihm damals im Mansion-House gehaltene Rede, in der er die Annahme der zweiten Resolution empfahl, wird nicht nur als eine vollendete oratorische Leistung und ein Beweis der Achtung, deren sich der jüdische Mamm erfreut, in^dauernder Erinnerung bleiben, sondern auf sie wird auch der Menschenfreund jederzeit als auf eine Verurtheilung der religiösen Verfolgung mit Stolz verweisen können. Die ergreifenden Worte, welche derselbe, da er durch Krankheit verhindert war, an dem großen Protest-Meeting in London am 10. Dezember v. I. theilzunehmen, an Sir Joseph Simon geschrieben, sind wohl unseren geehrten Lesern noch in lebhafter Erinnerung. Am 30. October v. I. feierte er sein 25jähriges Bischofsjubiläum. Aus diesem Anlässe überreichte ihm eine Deputaton englischer Juden, an deren Spitze der Rabbiner Dr. Adler und der Iordmayor, Sir Jsaacs sich befanden, eine Glückwunsch- Adresse. In seiner Antwort an dieselbe gab sich Cardinal Manning als ein echter und edler Priester, als ein Vertreter der Wahrheit, Ge-, rechtigkeitu. Nächstenliebe. Klar und un- - zweideutig räumte er dem Judeuthum und den Juden den ihnen gebührenden welthistorischen Platz ein und legte das feierliche Bekenntniß ab, daß die katholische Kirche aus demselben entsprungen ist. Cardinal Manning erfreut sich der Sympathien aller guten Menschen ohne Unterschied des Bekenntnisses, der Verehrung gläubiger Katholiken, frommer Protestanten und treuer Juden. Einem solchen erhabenen Repräsentanten der katholischen Kirche fliegen alle Herzen entgegen, die für alles Gute und Edle empfänglich sind.