Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 23 (19.3.1891)
- Date
- 1891-03-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXn. Jahrgang. .M 2L Israelit«»Jeschumn 3riifdjrift zur pröcrang jiiü. Gelltes usS jSd. febeos in Ws. Gkmindt >»i> K«hilk. Aentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Hr Lehmann in Mainz. Don,rerftag. den 18 März k>6S1 (1881). Da mit dem I. April 1891 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleidet. Leitende Artikel. Das Jutu'itiliitm und die Meige des 19. Iayrfiunderts. Bon Direktor Di*. Mendel Hirsch F r a n k f u r t a. M., l 6. März. X. Die Schekalirn-Lehre hatte uns die Gleichwerthigkeit aller jüdischen Nationalgenossen in ihrer Bedeutung für das Gesetz und in ihrem Berufe für den Dienst des Gesetzes gezeigt. Sie hatte uns damit auf einen Standpunkt erhoben, von dem uns ein Ausblick auf jene Gleichheit eröffnet wird, die völlig unabhängig ist von Stand und Vermögen und Begabung, unabhängig von allen Verschiedenheiten der äußeren Lebensstellung, wie von den Wechselfällen des Geschickes —: die Gleichheit des sittlichen Werthes und des in seiner Wahrheit begriffenen Lebensgehaltes. Der Hinweis auf diese individuelle Gleichheit, die uns diese Schekalirn-Lehre hinsichtlich aller jüdischen Seelen im Angesichte des Gesetzesheiligthnms und der jüdischen Gesammtheitsaufgabe lehren wollte, unterbrach uns in dem Nachweise der Lehre des Alten Testamentes von der von jeder Racen- und Religionsverschiedenheit unabhängigen Gleichheit aller V ö l k e r f a m il i e n hinsichtlich ihres Menschencharakters und ihres Kindschaftsverhältnisses zumVater derMenschheit. Selbstverständlich haben wir hier nur ihre allgemeine Bestimmung und Befähigung im Auge. Denn, wie wir sahen, ist der Name und die Bestimmung: „Adam", der das gerade Gegentheil von „Erdenklos" bedeutet, über den Stammvater aller Menschen ausgesprochen und damit allen Menschen ihrer Uranlage nach die Gottähnlichkeit und die sittliche Freiheit Anerkannt.- Wir möchten nun auf einen weiteren Punkt aufmerksam machen, der vielleicht gerade in unseren Tagen einer gewissen Actualität nicht entbehren dürfte. Wir stolzen Glieder der kaukasischen Race, mögen wir nun als minderwerthige Semiten oder als gottbegnadete Arier in die Welt schauen, blicken im vollen Gefühle unserer Cultur auf die Naturvölker, als auf entartete Racen, nicht selten hochmüthig herab. Das Alte Testament dürfte auch in dieser Beziehung nicht unwesentlich unsere Anschauung berichtigen. Die Menschheit war gesunken, das Menschengeschlecht der tiefsten Entartung verfallen, so sehr, daß der barmherzige Gott, um den in Einem Familienkreise rein gebliebenen Keim des Menschthums zu retten, die ganze übrige Menschenwelt dem Untergänge preisgeben mußte. In dem Aufschlüsse, den der Vater der Menschheit uns acht Jahrhunderte später über diese von Ihm bewirkte Katastrophe gibt, spricht er nun die bedeutsame Tatsache aus, daß bereits in den drei Söhnen Noa's, dieses zweiten Stammvaters der Menschheit, die größte Verschiedenheit schon vor der Sündfluth vorhanden war, und daß Er dennoch nicht bloß Sem und Japhet, sondern auch Eham für die Neubegründung der Menschheit hinüberrettete. Die beiden Ersteren aber tragen schon in ihren Namen ihre Charakterisirung als diejenigen, die sie in der geschichtlichen Wirklichkeit wurden, als die Stammväter nämlich jener Völker, die sich als die bildungsfähigsten, geistig und sittlich höchststehenden, somit als die Träger der Cultur und Gesittung erwiesen haben. Cham wird schon durch seinen Namen als der „Heißblütige, Sinnliche" bezeichnet, und ist der Stammvater von Völkern, die auf tiefer Culturstufe stehen. Für den gottgläubigen denkenden Betrach-