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Der Israelit · 1891-03-05 · Heft 19 (5.3.1891) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 19 (5.3.1891)
Date
1891-03-05
Page
– (sequence 18)
Language
German
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368 zugenommen, während die Israeliten (von 27,104 Einwohner der vorletzten auf 26,668 der letzten Zählung) um 436 oder 1,61 pCt. abgenommen haben. Der Grund dieser seltenen Erscheinung ist in erster Reihe in der Freizügigkeit zu suchen, indem seit Jnkrafttretung des bezüglichen Gesetzes sich eine Menge von israelitischen Familien aus allen Landgemeinden in nicht nur badischen größeren Städten, was im vorliegenden Falle von keiner Bedeutung wäre, sondern auch in vielen Fällen in größeren nicht badischen Plätzen, dem Handel und dem Verkehre besser geeigneten, eine neue Heimath erwarben. Dazu macht sich jetzt erst die seit vielen Jahrzehnten ftattfindende Auswanderung junger Leute nach Amerika vollkommen geltend, da für die seither zu alten Leuten gewordenen kein genügender Ersatz geboten ist, und so sehen wir viele früher große Gemeinden zu einer verschwindend kleinen Anzahl israelitischer Einwohner herabgesunken, oder ganz aufgelöst. Die Anzahl der neu entstandenen größeren Gemeinden in Städten, wie Konstanz, Freiburg und Offenburg stehen in einem kleinen Prozentsatz zu den vielen klein gewordenen und aufgelösten. Durch solche Verhältnisse sind offenbar die Opfer zu den Cultusausgaben größer geworden und eine bezügliche Ausgleichung könnte nur dadurch geschehen, wenn sämmtliche Gemeinden des Landes einen Verband bilden würden, aus deren Centralkasse (eine solche besteht schon seit vielen Decennien) die Angestellten ihre Gehalte beziehen könnten. Ich glaube, daß dieser Vorschlag, bei sämmtlichen Landgemeinden des Großherzogthums freudigen Widerhall findeu würde. O e st e r r. Ungar. Monarchie. Wien. Ein lehrreiches Zeichen ist der Erlaß, welchen der Präsident des Grazer Ober-Landesgerichtes, Ritter v. Was er, an die Gerichtshöfe und Bezirksgerichte des Grazer Ober-Landcrichtcs zu richten „unter den obwaltenden Zeilverhältnissen gegründeten Anlaß" gefunden. Der greise Ober- Richter der Alpenländer, der seit siebenundsünszig Jahren die Erscheinungen des österreichischen Rechtslebens an sich vorüberziehen sah und seit dreiundvierzig Jahren dem Staate als richterlicher Beamter dient, hat zu wiederholtenmalen seine mahnende Stimme erhoben, um die Justiz vor dem Eindringen der Tagesströmungen zu schützen, dem Richterstande seine Unabhängigkeit gleichmäßig nach Oben und Unten zu wahren. Herr v. Wafer weist auf die Verheerungen hin, welche der Antisemitismus auch im Sprengel des Gratzer Obergerichtes in den letzten zwei Jahren in den Geistern angerichtet hat. Er führt den Antisemitismus auf die Eingebungen der Selbstsucht, den Haß gegen das Kapital, aus Eifersucht und Neid gegen diejenigen zurück, welche durch ihre hervorragende Intelligenz und durch chren andauernden Fleiß in der Geschäftswelt eine dominirende Stellung einnehmen. Den Antisemitismus bezeichnet der Grazer Ober-Landcsgerichts-Präsident als einen politisch-sozialen Uebelstand, weil er geeignet ist, den inneren Frieden zu stören und die persönliche Sicherheit zu gefährden. Herr v. Waser führt den Richtern seines Obergerichts - Sprengels vor Augen, daß die Amtspflichten des Richteramtes es den richterlichen Organen verbieten, sich der antisemitischen Bewegung offenkundig anzuschließm oder — und gerade diese Hervorhebung ist sehr bezeichnend — die Bedeutung von Ausschreitungen, welche den Gerichten augezeigt werden, zu unterschätzen, weil sie antisemitischen Motiven entspringen. Es müssen sehr ernste Momente vorliegen, welche den Präsidenten des Grazer Obergerichtes genöthigt haben, in so ernster und entschiedener Weise den Gerichten und Richtern ihre Amtspflichten in Erinnerung zu bringen. Allerdings darf bezweifelt werden, ob die Erscheinungen, welchen Herr v. Waser entgegentritt, sich auf den Sprengel des Grazer Obergerichtes beschränken. Den Sitz des obersten Richters in Graz aber nimmt ein in den Traditionen des österreichischen Beamtenstandes ergrauter Mann ein. der seine Earriere seiner Tüchtigkeit verdankt und nicht christlich-sozialen Allüren. ■£» Vermischtes, «r Wie», 19. Februar. Gestern Abend trat hier Oer Führer der deutschnationalen Anrisemitcn, Schoeuerer,zum ersteir Mal seit der Verbüßung seiner Kerkerstrafe in einer öffentlichen Versammlung, bejubelt von seinen Anhängern, auf. Schoenerer verurtbeilte alle antisemitischen Richtungen, ausgenommen die deutschnationale. Gegen den Schluß der Versammlung fand ein Zusammenstoß mit christlichsocialen Antisemiten statt, deren Redner aus dem Saale entfernt wurden. Gestern stellte der Führer der Demokraten, Dr. Kronawetter, in Hernals seine Kandidatur auf gegen den Prinzen von Lichlenstein. Man besorgte ernstliche Ruhestörungen, weßhalb achtzig Ordner die Versammlung überwachten. Kronawetters heftige Rede gegen Lichtenstein und die Antisemiten fand stürmischen Beifall, erst gegen Schluß versuchten die Antisemiten Ruhestörungen zu machen. Diese wurden jedoch durch die aus dem Rebensaale geholte Wache verhindert. Linz. Die „Tagespost" schreibt: Das Hervortreten des Prinzen Lichtenstein als Candidat der Antisemiten ist im Gegensätze zu einer Strömung, die heute bei uns in hohen Kreisen sehr markant zum Ausdrucke gelangt und die Art und Weise, wie bei diesem Hervortreten seandalöse Erörterungen und unwürdige Vorgänge provocirt wurden, dürfte die Erwägung wachrusen, daß die Haltung des Prinzen nicht förderlich für das Ansehen des Hochadels und manche nahe verwandte Jntereffen sei. Barrnez« (Ungarn) wurde der seit fünf Jahren mit großem Erfolge als Rabbinatsassessor wirkende Herr I. M. Paneth als Rabbiner erwählt. Srrndsvalt (Schweden) 12. Februar. Consul John Philipsohn, Direktor der Skandenawska-Bank in Nor köping, ist als Senator in die Erste Kammer gewählt worden.

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