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Der Israelit · 1891-03-05 · Heft 19 (5.3.1891) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 19 (5.3.1891)
Date
1891-03-05
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXII. Jahrgang Zweite JSs 19 des u Literarischer Vertcht. Die Antisemitenbewegung in Deutschland in ihren Ursach n und Folgen. Von P. I. Fiedler, Direktor a. D. der Kaiserl. Landwirthschaftsschule zu Rufach. Dar m ft adr 1891. H. Sch mitt. 8. Die vorliegende Broschüre ist der Abdruck eines Vortrags, den der Verf. am 17. Januar d. I. in der Bezirkslehrcrversammlung zu Darmstadt gehalten hat. Hessen ist ja gerade das Land, in dem die Böcke! und Konsorten einen für ihre nichtswürdigen lügenhaften Hetzereien empfänglichen Boden gefunden Zn haben glauben und in Wirklichkeit auf den: glatten Laude gesunden haben. Da ist denn hier an richtiger Stelle zur rechten Zeit an die richtige Adresse ein mannhaftes, wahrheitsgetreues Wort gerichtet worden. Die Lehrer sind so recht eigentlich dazu berufen, namentlich aut dem Lande, vermöge ihres Ansehens und ihres Einflusses, nicht durch öffentliche Agitation aber im Umgang mit den Familien ihrer Gemeinde, durch Belehrung über Menscherchflichteu und Menschenliebe in der Schule, durch gerechte und gleich liebevolle Behandlung aller ihnen auverrraulen Kinder, durch eigenes Beispiel der „Schmach des Jahrhunderts" eindrucksvoll und nachhaltig entgegenzuwirken. An diese wendet sich der Vers., indem er ihnen die Geschichte der Verfolgungen der Juden in großen lliiniffeu erzählt und ne dann ans ihre Pflicht hinweist, das Ihrige zu ihun in der Bekämpfung des menschheilschändenden Antisenutismus. Es sind beherzigenswerthe Worte, die der Verf. ansspricht, wenn er, nachdem er das Lügenhafte der ganzen Verfolgung gezeichnet, vom allgemein vaterländischen Standpunkt auf das das Vaterlandswohl untergrabende Gebühren der Antisemiten hinweist: „In dem Kitte, der die deutschen Laude zu einem großen Ganzen testete, ist auch das Blut Laufender von Juden enthalten. Und ist dieser Kitt einmal durch antisemitische Niederschläge ins Bröckeln geralhen, dann muß auch reißen das Baud des Friedens, das die verschiedenen christlichen Bekenntnisse eint, wie das Band der Eintracht, das die deutschen Stämme umschlingt. Der ganze Ban des deutschen Reichs wird in seinen Grundfesten erschüttert. Und diese Erschütterung wird nicht bloß unsere geistigen, sittlichen und sozialen Errungenschaften der Neuzeit, sondern selbst den Bestand des deutschen Reichs in Frage stellen, weil stets kampfbereite, mächtige Nachbarn nicht zögern, bei einer Schwächung Deutschlands durch innere Unruhen mit aller Macht in unseren Gauen einznfallen. Deutsche Männer aller Bekenntnisse, täuschen wir uns nicht über den Ernst der Zeit. Die Todtengräber des religiösen Friedens sind zugleich die Todtengräber des deutschen Reichs. Und dieser Friede liegt schwer geschädigt darnieder. Die ersten Spatenstiche zum Grabe desselben sind bereits aufgeworfen. Und schon steht der Kondukt, der den Leichenzug des religiösen Friedens feierlich leiten möchte, marschbereit an den Thoren des Vaterlandes." — Wir empfehlen diese inhattreiche Schrift zur Belehrung und innerlicher Erhebung. Denn Worte ans warmem menschenfreundlichem Herzen, wie sie hier gesprochen sind, rhun jedem Menschenfreunde wohl. ZeiLnttgsnachrrchrsn und Korrespondenzen. D curs ch l a n d. Leipzig, 22. Februar. Ter deutsch-freisinnige Verein veranstaltete Freitag Abend in der „Tonh-lle" eine große Volksversammlung, die von nahezu 2000 Personen besucht war. Das Referat hatte Herr ReichStagsabgeordneter Vollrath ans Breslau übernommen? Redner schilderte die deutsche Politik während Fürst B i s m a r ck die Geschäfte des Staate? geleitet — und kam auch aus die Periode zu sprechen, wo der eiserne Kanzler nicht mehr wirkte. Auch der auUsew.ittschcn Hetzerei gedachte der Vortragende, in mäßig abfälliger Weise. Da die Versammlung von zahlreichen Studenten und sonstigen jungen Linnen, die für Politik fein gereifte? Verständnis' haben, besucht war, so wurde bei der Discussion viel leere? Stroh gedroschen. Die Antisemiten Fritsch und Lncko wurden niedergefchrieen, wogegen der Parteigenosse und Procurist des Herrn Fritsch Uhl za Worte kam, und mit der ganzen alten Lifte der antisemitischen Phrasen aufwarrete. Der jugendliche Anriscmit Er d rn a n n? d ö r f e r konnte nicht aussprechcn, weil er noch nicht einmal mündig ist! Die Anttsemiten waren haufenweise an verschiedenen Stellen de? Saales vcrtheilt und suchten, ganz ihrer Bescheidenheit gemäß, das Hauptwort zu führen! Kein denkender, ernster Politiker wird über den Verlauf dieser Versammlung , wo die antisemitischen Schreier sogar noch ein Liedchen sangen — erbaut sein. K. W. " Aus Baden. Rach der im statistischen Bureau in Karlsruhe gepflogenen Zusammenstellung der jüngsten Volkszählung haben im Großherzogthnm Baden die Protestanten um 31,921 oder 5,65 pCt., die Katholiken um 24,196 oder 2,41 pCt.

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