Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 17 (26.2.1891)
- Date
- 1891-02-26
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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332 Von Offerten, mit denen solche Firmen wahrscheinlich überhäuft werden, nur zu erklärlich ist. Wenn auch bei dem r^p-Verein die Stellenvermittlung wesentlich besser gehandhabt wird, so könnten auch bei diesem Verein noch weitere Verbesserungen eintreten, speziell in der Weise, daß immer nur den Bedingungen der Chefs möglichst entsprechende junge Lente vorgeschlagen werden, daß durch Auskunftseinholung die allgemeine Befähigung der jungen Leute nachgewiesen wird 2c. 2C. So wird — was doch zur Erreichung einer größtmöglichen Anzahl von Vacanzenanmeldungen unerläßlich — das Interesse der Chefs —, denen cs doch nicht zugemuthet werden kann, wegen einer zu vergebenden Stelle mit und über ein Dutzend Bewerber Correspondenz zu führen — meür gewahrt werden, als solches bei der jetzigen Methode der Fall ist. Sollte indeß die Mittel und sonstigen Ziele der betr. Vereine eine Umwandlung im obigen Sinne nicht ermöglichen, dann dürfte cs ffich vielleicht empfehlen, einen neuen Verein für jüdische Stellenvermittlung ins Leben zu rufen, dessen Aufgabe es sein müßte, durch lebhaftes agitatorisches Wirken den in diesem Punkte herrschenden Jndifferentismus zu bekämpfen und durch sorgsame Wahrnehmung der beiderseitigen Interessen die Vortheile einer Vereinsmittlung bei Stellenbesetzungen derartig auffällig zu machen, daß nach und nach sämmtliche Chefs, die „geschlossene" Stellen zu besetzen haben, mögen sie nun selbst Sonnabends geschlossen haben oder nicht, — einer Vermittlung der Vereine sich bedienen. Zum Sitz eines solchen Vereins dürfte sich Hamburg in hervorragendem Maße eignen, dem dadurch, daß Hierselbst eine große jüdische, zum überwiegenden Theile fromme Gemeinde besteht, ferner dadurch, daß Hierselbst — der größten Handelsstadt des Continents — stets Vacanzen vorhanden sind und in Folge der großen nach überallhin gepflegten Beziehungen auch solche von auswärts fortwährend hierher gemeldet werden, ein weites Feld der Thätigkeit sich eröffnet. Zur Gründung eines solchen Vereins sei also hiermit aufgefordert und demselben schon jetzt der Wunsch gewidmet, daß cs ihm durch allseitige Unterstütznng derer, denen die Erhaltung des traditionellen Judenthums am Herzen liegt, gelingen möge, recht Viele, welche sonst — ein Opfer der Zeit und des Zeitgeistes — dem Glauben der Väter untreu geworden wären, diesem zu erhalten. ^*0 nnx tcc: D”pon >2 D^V D"p .N. Grätz (Prov. Posen.) Wir sind in der angenehmen Lage von einem Akte edler Munificenz berichten zu können. Herr I tz i g Lamm- Berlin, ein geborener Grätzer, der, wie seinerzeit in diesen Blättern mitgetheilt worden, auf unserem Friedhöfe! eine großartige Leichenhalle mit Nebengebäuden auf eigenen Kosten hat aufdauen lassen, hat das anläßlich der Einwcihungsfeierlichkeit unter dem Eindrücke der mächtig auf ihn gewirkten Weihereden unserm verehrten Herrn Rabbiner gegebene. Versprechen, noch etwas für unsere Gemeinde zu leisten, auf das Glänzendste zur Ausführung gebracht. Er hat nämlich in hiesiger Gemeinde ein Legat von 20,000 Mark gestiftet, das zur Hälfte deu Gemeindeinstitutionen und zur Hälfte den ortsangehörigeu Armen jüd. Bekenntnisses zu gute kommen soll. Das ist ein Akt echter Gemiluth Chassodim und ist um so höher anzuschlagcn, als er frei von jener gesuchten, lärmend auftretenden Scheinliberalität ist, die von der Sucht getragen, allgemein zu wirken, die eigenen Glaubensgenossen verleugnet und sich auch den Dank der Andersgläubigen nicht erwirkt. So hat ein Sohn unserer Gemeinde, ein vielfacher Millionär, ein für unsere kleine Stadt in viel zu weiten und großen Dimensionen angelegtes allgemeines Krankenhaus errichtet, wonach hier keinerseits Bedürfniß vorhanden, ja, das, weil die Stadt die erheblichen Verwaltungskoften zu tragen hat, allgemein eher als Last, denn als Wohlthat empfunden wird, während er für die eigenen Glaubensgenossen rein nichts thut. Wie ganz anders Herr Lamm! Er hat nicht nur seinen Verhältnissen entsprechend Großartiges, sondern das Großartige auch auf die edelste und zweckmäßigste Weise geleistet, und sich dadurch den aufrichtigen und nachhaltigen Dank seiner Muttergemeinde redlich verdient. Schließlich möchten wir nicht unerwähnt lassen, daß um die Ausführung des erwähnten Legates unser verehrter Herr Vorsteher A. Herzfeld sich große Verdienste erworben hat. F. O e ft c r r. Ungar. Monarchie. Wien. Wie die „Wiener Allg. Ztg." mittheilt, wird der österreichisch-russische Handelsvertrag, der den österreichischen Juden volle Gewerbesreiheit in Rußland verbürgt, von Rußland tatsächlich verletzt; die russische Regierung kümmere sich einfach nicht um ihre internationale Verpflichtung. Oesterreich hat nun, anstatt auf diplomatischem Wege Remedur zu schaffen, zu einem Mittel der Repressalie gegriffen und an die Landesregierungen von Galizien und der Bukowina die Weisung erlassen, von der im Handelsverträge mit Rußland ausgesprochenen Reziprozität Umgang zu nehmen und den russischen Juden in Galizien und der Bukowina in Betreff der Ausübung von Gewerben jene Beschränkungen aufzuerlegen, die laut tz. 8 der Gewerbe-Ordnung zulässig sind. Für die von Rußland an österreichischen Juden verübten Unbilden haben also die russischen Inden in Oesterreich zu büßen.