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Der Israelit · 1891-02-26 · Heft 17 (26.2.1891) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 17 (26.2.1891)
Date
1891-02-26
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXII. Jahrgang. Zweite Beilage;u M17 d« „Israelit & Irschurun" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Hamburg. Der Artikel in Nr. 12 Ihres werthen Blattes: „Ein Uebelstand im eignen Lager" hat sicher die ungetheilte Anerkennung sämmtlicher Leser gefunden; geißelt er doch in treffenden Worten ein wirkliches Uebel im orthodoxen Judenthum, das wesentlich dazu beiträgt, täglich mehr und mehr das Heranwachsende Geschlecht dem Glauben der Väter zu entfremden. Zu den Folgen dieses Uebelstandes dürfte auch der noch gerechnet werden, daß viele junge Leute, denen trotz vieler Bemühungen die Erlangung einer u"'! rot? freien Stelle unmöglich wurde, die aber trotz des Fehlschlagens ihrer Pläne fest am Glauben hängen und denselben irdischer Vortheile willen nicht preisgeben, daß diesen zur Ermöglichung eines Lebens im Sinne der jüdischen Religion, nichts anderes übrig bleibt, als — sich selbst zu etabliren; daß diese allzufrühe Selbstständigkeit, besonders da naturgemäß die untüchtigeren, auch zur selbstständigen Führung eines Geschäftes weniger befähigten jungen Leute von der Nothwendigkeit betroffen werden, auf unsere gesammten sozialen Zustande verderblich wirkt, ist zu bekannt, als daß es an dieser Stelle noch besonders erörtert werden müßte, wenn auch den betr. jungen Leuten kein Vorwurf daraus gemacht werden darf, die offenkundig dargelegte Liebe und Anhänglichkeit zur angestammten Religion vielmehr des höchsten Lobes Werth ist, immerhin stehen wir einem Uebelstand gegenüber, der dringend Abhilfe erheischt. Ja Abhilfe! Wie Ihr Berliner Correspondent richtig bemerkt, kann, und im Interesse des gesummten Judenthums muß auch jeder, der treu zur jüdischen Religion hält, bei der Abhilfe wirksam sein. Demnach bin ich der Ansicht, daß, da in Deutschland bereits zwei Vereine existiren (Freie Vereinigung — rn ’id'bO, welche die Hebung dieses Uebelstandes ins Auge gefaßt haben, in erster Linie darauf hingewirkt werden müßte, daß diese Vereine ihren Zweck in weit höherem Maße erfüllen, als solches heute der Fall ist. Schreiber dieses, einst einmal auf der Stellungsuche begriffen, hat, nachdem er alle Unannehmlichkeiten einer solchen Zeit durchgekostet hat, endlich durch den ^-Verein eine Stelle erlangt und stets lebhaftes Interesse für die in Rede stehende Angelegenheit bewahrt; vielleicht ist er dadurch berechtigt, an den genannten beiden Vereinen eine gutgemeinte, nur dem Interesse für die Sache entspringende Kritik üben zu dürfen. Zunächst muß wohl hervorgehoben werden, daß es sicher tausende von jüdischen orthodoxen Kaufleuten — Prinzipäle und Angestellte — gibt, die von der Existenz und der Wirksamkeit genannter Vereine gar keine Ahnung haben; ist es doch Schreiber dss. und mehreren seiner Freunde, die er inzwischen dem v"v als Mitglieder zuführte, ebenso ergangen, daß erst die Noth d. h. die Zeit der Stellenlosigkeit ihnen die Kenntniß der Vereine brachte. Es liegt auf der Hand, daß viele Beiträge, Vacanzenanmeldungen 2C. 2C. den Vereinen hierdurch entgehen; eine lebhaftere Agitation, verbunden mit häufigen Inseraten in den gclesensten Tagesblättern der Großstädte müßte also zunächst zur Hebung der Wirksamkeit genannter Vereine ins Leben treten. Von weit erheblicherer Bedeutung und sehr verbesserungsbedürftig ist aber noch die Art und Weise der Stellenvermittlung, wie solche seitens der beiden jüdischen Vereine gehandhabt wird. Zur Vergleichung fordert da täglich die — für Nichtjuden und solche Juden, denen an Sabbatheiligung nichts gelegen — so außerordentlich fruchtreiche Wirksamkeit des hier bestehenden Vereins für Handlungscommis von 1858, heraus. Ziffern von monatlich 3—400 besetzten Vacanzen sind jetzt ganz regelmäßig und legen Zeugniß ab von dem großen Vertrauen, dessen sich genannter Verein bei der gesummten Prinzipalität erfreut. Der Hauptgrund dafür ist, daß die Vereinsleitung die vollständige Vermittlung der Stelle, die Ueberreichung der Bewerbungsschreiben , die Unterhandlungen bezüglich der Bedingungen rc. rc. s e l b st in die Hand nimmt und durch ein vorzüglich organisirtes, ausgedehntes Anskunftswesen dafür sorgt, daß nur gut empfohlene junge Leute einer, den beiderseitigen Verhältnissen und Ansprüchen möglichst zusagenden Stellung zugeführt werden. Ist auch bei der so geringen Anzahl „geschlossener Geschäfte" ein ähnlicher Erfolg eines jüdischen Vereins schwerlich im Entferntesten zu erreichen, so dürfte doch wohl der von der „freien Vereinigung" befolgte Modus, jedem nach einer Stelle Anfragenden einfach per Postkarte eine Anzahl ihr aufgegebener — inzwischen theilweise schon erledigter — Vacanzen mitzuthe ilen, ohne Rücksicht auf Branche, Ansprüche rc. zu neh men, und dasWeitcre der eigenen Initiative des Stellungsuchenden zu überlassen, sicher von nur ganz geringem Erfolge begleitet sein; auf an die mitgetheilten Adressen gerichtete Bewerbungsschreiben erfolgt im Allgemeinen gar keine Antwort, was bei der Fülle

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