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Der Israelit · 1891-02-26 · Heft 17 (26.2.1891) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 17 (26.2.1891)
Date
1891-02-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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321 > Vermischtes. Würzburg. Es war ein edles Opfer, das der strenge Winter gefordert; Frau Rifka Adler, Ehefrau des Herrn I. Joseph Adler, eine der frommsten Frauen unserer Gemeinde, schied aus unserer Mitte, und mit ihr verliert das Judenthum eine wahre Gerechte, verlieren die Kinder eine echte Mutter, verlieren die Armen eine edle Wohlthäterin, die stets, wie im Leben, auch im Wohlthun bescheiden und verborgen wirkte, wie es ja an der Babre von Herrn Rabbiner Bamberger so herrlich hervorgehoben wurde. Sie hat sich das Höchste errungen, was Menschen auf Erden erringen können — die Unsterblichkeit. ■Tsyjn Petersburg, 14. Febr. Es besteht die Absicht, diejenigen vormals jüdischen Anwälte, welche Christen geworden sind, in ihren Rechten den christlichen Genossen erst dann gleichzustellen, wenn seit dem Glanbenswechsel drei Jahre verflossen sind. Bekanntlich traten viele jüdische Advocaten zum Christenthum über, als die Maßregelungen ihres Glaubens wegen andauerten. Der neue Plan will die Zahl der jüdischen Anwälte noch mehr vermindern. e n i ii e t o n. K oi) e Kreise. -4- Novelle von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) In dem Hanse des Herrn Commerzienraihes ging cs hoch her. Es war heute der vierundzwanzigste Januar, der Tag, an welchem vor fünfundzwanzig Jahren die Firma S. Levi & Co. gegründet worden war. Von kleinem Anfang hatte der Inhaber sein Geschäft zu einem Welthausc cmporgebracht, dessen Wechsel in Wien, Paris, London, St. Petersburg ebenso gerne gekauft wurden, wie in New- Aork und in Sidney. Um den jetzigen Inhaber der Firma zu ehrerl, hatte ihn der König zum Commerzienrath ernannt, und der heutige Tag sollte alle Freunde und Bekannte des Herrn Eommerzienrathcs vereinigen, um dieser Ehrenbezeugung einen festlichen Ausdruck zu geben. Das palastähnliche Gebäude in der W.. straße, welches mit Gm'rlauden und Fahnen geschmückt war, erstrahlte im Glanze des elektrischen Lichtes, und vor dem hohen Portale fuhren seit einer Stunde Eguipagen vor, deren festlich gekleidete Besitzer von dem Portier ins Innere des Hauses geleitet wurden. Dort empfing sic der Hausherr mit herzlichem Gruße und stellte dieselben seiner Frau, einer hübschen Blondine von 40 Jahren, vor. Die Gäste waren schon zahlreich erschienen und standen, gemüthlich plaudernd gruppenweise in dem hohen Saale beisammen. Es war eine auserlesene Gesellschaft, die sich hier zusammengesundcn hatte; hier plauderte ein hoher Offizier mit einem bekannten Schriftsteller; dort lauschte die Primadonna des königlichen Theaters den begeisterten Complimenten eines Professors der königlichen ' Akademie. In einer Fensternische besprach ein Börsenfürst mit einem Abgeordneten die neue Steuer- Vorlage und ein anderer Abgeordneter hielt einigen Damen Vortrag über die Wichtigkeit des Verbots der Vieheinfuhr für die nationale Viehzucht. Kurz, die Ritter des Geistes und die Fürsten des Geldes, die Meister der Tonkunst und der Farben, die Leiter der öffentlichen Meinung und die Helden der Bühne trafen sich heute im Hause des neuen Commerzienrathes. Man unterhielt sich, scherzte und spielte. Der Hausherr und seine Frau waren von einer bestrickenden Liebenswürdigkeit gegen ihre Gäste. Von Zeit zu Zeit blickten beide ängstlich nach der Thürc; die Uhr hatte eben zehn geschlagen, und nun erst schien ihnen eine Centnerlaft von: Herzen gefallen zu sein, denn Herr ßebt trat zu seiner schönen Frau und sprach leise, daß es Niemand hören konnte: „Er scheint Gottlob nicht zu kommen." „Wenn es nur wahr würde!" entgegnete sic mit einem ängstlichen Blick nach der Thüre. Mochten diese Worte noch so leise gesprochen worden sein, sie erreichten doch das unberufene Ohr eines Hörers, eines jungen Mannes, der in demselben Augenblick an den Sprechenden vorüberging. Sein sonst so freundliches Gesicht verfinsterte sich für kurze Zeit; doch bald blickte er wieder heiter drein und der Schalk blitzte ans seinen Angen. Er nickte ein paarinal mit dem Kopse, während er durch den Saal ging und vertiefte sich bald in eine Unterhaltung mit einem gefürchteten Journalisten, einem Mitarbeiter der Kreuz-Zeitung. „Nun, Herr Dr., auch einmal koscher essen?" fragte scherzend der junge Mann, indem er dem Journalisten lachend die Hand reichte. „Gerade wie Sie auch", versetzte dieser boshaft; „man muß doch auch einmal ans eigener Erfahrung mittheilen können, wie es bei dem auserwähltcn Volke zugeht. Bis jetzt wissen wir alles nur vom Hörensagen." „Und doch geben Sie es für ungeschminkte Wahrheit aus! Uebrigens bin ich wirklich erstaunt, einen Mitarbeiter der Kreuz-Zeitung in einem semitischen Hause begrüßen zu dürfen." „C’est la guerre! Sie wissen, da ist alles U'.öglich und alles erlaubt. Uebrigens hat die neugcbackene Frau Commerzicnralh höchfteigenhändig mir eine Einladung geschrieben. Man will eine Collecte für die arnien schwarzen Deutschen in Afrika in Scene setzen und dabei bedarf mau auch der Presse." „O, über die Eitelkeit der Frauen, als ob Dr. Burckhardt und die Kreuz-Zeitung ein gutes Haar an allem lassen würde, was von Inden angeregt oder ausgcführt wird." „Das sagen Sie nicht. Nur ein maßvoller

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