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Der Israelit · 1891-02-26 · Heft 17 (26.2.1891) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 17 (26.2.1891)
Date
1891-02-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXH. Jahrgang. M. IV. IsraelitIeschurun Zkttslyüfl M FSrderoog W. Gkistrs Md jüd. Gebens io Zoos. Gnokivdr 00h Molk. Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Lehmann in Main-. Donnerstag, den SS. Februar 5651 (18&1). Leitende Artikel. DAS Fnderrthuttl und die Meige des IS. Zaljrhunderts. Von Direktor vr. Mendel Hirsch. Frankfurt a. M., 23. Februar. VIII. Ein Blick in die Bibel reicht hin, um uns von der Wahrheit dessen zu überzeugen, was wir über die Universalität des Judenthums angeführt haben. Schon die Thatsache, daß die Thora nicht mit der Gesetzgebung, oder mit der Geschichte Abrahams, sondern mit der Schöpfung beginnt, ist geeignet, den jüdischen Menschen vor jener ihm so oft zugeschriebenen Beschränktheit varticularistischer Ueberhebung zu schützen. Er kann sich nicht jener ebenso absurden wie verderblichen Wahnvorstellung hingeben, die ihm einschmeichelnd etwa zuflüstern möchte, er allein sei Gottes Kind, von ihm allein erwarte Er Erfüllung Seines Willens, er allein sei berufen und befähigt, an der Verwirklichung des Gottesreiches auf Erden zu arbeiten, nur auf ihn sei Gottes Erbarmen und Gottes erziehende Wallung gerichtet, nur seinen Stammvater habe Gott id?so, in einer Gottes und der göttlichen Bestimmung des Menschen würdigen Hülle erschaffen und nur seinem Stammvater den Odem des Lebens ins Antlitz gehaucht. Denn alles, was die ersten Blätter der Genesis von dem hohen, göttlichen Berufe des Menschen, von dem Adel, von der Gottähnlichkeit der Menschennatur aussprechen, nicht von dem Stammvater der Juden, sondern von dem Stammvater der Gesammtmenschheit ist es ausgesprochen. Der Stammvater aller Menschen ist „Adam" genannt. Adam aber heißt er nicht etwa von seiner irdischen Herkunft, denn diese theilt er ja mit allen übrigen irdischen Wesen, — (ohnehin ist ja schon der Form nach Adama von Adam, nicht aber Adam von Adama abgeleitet) — sondern wie der tiefe Erforscher des Geistes des Judenthnms nachgewiesen hat, bezeichnet dieser Name den Menschen gerade in demjenigen, worin er sich von allen anderen Geschöpfen unterscheidet. Mit dem Namen „Adam" ist der Mensch, nicht blos der Jude, seiner Bestimmung nach als „Stellvertreter Gottes auf Erden", als das „Gottessiegel an der Erdwelt," als der „Gott- Aehnliche" dahingestellt. Nicht den Juden ferner, sondern den Menschen hat Gott gesegnet und in diesem Segen weihend und heiligend die ewigen Grundlagen bestimmt, aut denen die Entwickelung und Erziehung bcr Menschheit beruht: Ehe, Familie, Gesellschaft und Eigenthum. — Wir können diese Momente hier nur flüchtig streifen, und müssen uns begnügen, auf die herrlichen Darlegungen im Ieschurun VIII, S. 524 ff., deren Resultate in Hirschs Commentar l., S. 30 angeführt sind, sowie hinsichtlich der letzten Punkte auf die Ausführungen das. S. 34 und 35 angelegentlichst hinzuweisen. Dieses Segens aber und der durch ihn dem Menschen ertheilten Aufgabe und Kraft zu ihrer Lösung ist der Mensch durch nichts verlustig geworden. Wohl wurde, dem Erziehungsbedürfniß des Menschen entsprechend, über die Erde, als Trägerin und Boden seiner Entwickelung, eine Hemmung ausgesprochen. Allein von einem Fluche, der in Folge der Uebertretung des ersten göttlichen Gebotes über den Menschen ausgesprochen wäre, weiß das Alte Testament nichts. Von einer „Erbsünde" vermag das jüdische Auge im Alten Testamente keine Spur zu entdecken. Im Gegentheil lehrt es, wie noch nach der Verweisung aus dem Paradiese Gott zu Kain im Hinweis auf die Sünde sprach: w nnw, Du kannst und sollst über sie Herr werden. Ohnehin setzt für das jüdische Verständniß schon die einfache Thatsache, daß Gott den sündigenden Menschen straft, ja daß Gott dem Menschen überhaupt eine Pflicht auflegt, die Thatsache der sittlichen Freiheit des Menschen

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