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Der Israelit · 1891-02-19 · Heft 15 (19.2.1891) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 15 (19.2.1891)
Date
1891-02-19
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Wl WtthodoLe MuderrlhumÄ *rgj|-0/\A O 5 E S vD-~ '|M 19. Februar 1891.] INr 3. ma ■ .'/M Eilt NekonrrtrMr. X'^- a- Erzählung von H. Berger. — (Alle Rechte Vorbehalten.) „Ich kann Dich nicht begreifen; wenn mir der Verkehr mit einem Menschen nicht paßt oder nicht mehr paßt, so ziehe ich mich von demselben zurück und lasse ihn merken, daß ich gerne auf seine Gesellschaft verzichte. Warum zögerst Du, den Umgang mit Perl aufzugeben? Wir sind ihm nichts schuldig, er steht Gottlob auch nicht in unserer Schuld, was hält Dich also zurück, dem Herrn begreiflich zu machen, daß uns seine ferneren Besuche unangenehm sind? Willst Du das nicht mündlich thun, so schreibe es ihm, und die Sache hat ein Ende." „Meinst Du? Du kennst Perl nicht. Er kann viel vertragen und ist nicht so leicht —" „Das müßte doch seltsam zugehen, wenn man sich eines lästigen Besuchers nicht erwehren könnte." „Ich kann es bei Perl nicht und wage es auch nicht." „Ei warum denn nicht? Fürchtest Du Dich vor ihm? Hast Du etwas nach ihm zu fragen? Bist Du abhängig von ihm?" „Nein, nein. Keines von allen und doch kann ich es nicht." „Das ist mir unbegreiflich. — Du mußt doch einen Grund haben." „Den habe ich auch." „So sage ihn mir." „Rose, quäle mich nicht länger. Thue mir den Gefallen und ertrage die Eigenheiten Perl's; ich will und darf ihn nicht erzürnen. Darum mir zu Liebe —" „Dir zu Liebe soll ich mich täglich ärgern und aufregen? auch recht. So lange es geht, mag es gehen—Dir zu Liebe. Wie es scheint, besitze ich Dein Vertrauen nicht mehr und um mich Dir aufzudrängen, dazu bin ich doch All stolz." Schmollend wandte sich die junge Frau von ihrem Gatten ab, setzte sich an das Fenster und betrachtete aufmerksam den Abendhimmel. Zum erstenmale in ihrer dreijährigen Ehe konnte sie ihren Mann nicht verstehen; zum erstenmale stellte er sich ihrem Wunsche feindlich entgegen. Was hatte er nach Perl zu fragen? War Perl nicht rücksichtslos genug gegen sie und ihren Gatten? Nicht nur, daß er stets Spott und Hohn für ihre Frömmigkeit hatte und sie mit der Gewissenhaftigkeit neckte, mit der sie die Ceremonien und Gebote ihrer Religion bis ins Kleinste erfüllte, er versuchte auch ihren Mann dazu zu verleiten, in dieser Hinsicht leichtsinnig zu werden, und deßhalb sollte dieser, je eher, desto lieber, mit ihm brechen. Gestern erst war Perl, trotzdem es Sonnabend war, mit einer brennenden Cigarre im Munde bei ihnen erschienen und hatte die Rücksichtslosigkeit so weit getrieben, daß er, als seine Cigarre nicht mehr brannte, sie um Feuer bat. Aber sie hatte ihm die richtige Antwort gegeben, und trotzdem sie ihn schwer beleidigt hatte, war er lächelnd geblieben und hatte bei seinem Weggehen zu ihrem Manne gesagt—sie hatte es wohl gehört—er müsse sein Frauchen bester erziehen. Heute hatte sie nun obige Auseinandersetzung mit ihrem Manne; sie konnte es nicht fassen, daß er ihre Bitte nicht erfüllen wollte. Nervös trommelten ihre Finger aus der Fensterbank, während sie das in herrlichem Roth erglänzende Firmament betrachtete. Rosa Koch war eine hübsche Frau; als Mädchen Hieß sie die schöne Rose, und gar mancher Mann hatte sich um ihre Gunst bemüht, ohne daß es ihm gelungen wäre, diese zu erwerben. Da war vor drei Jahren ihr jetziger Mann mit seinem Freunde Perl aus Amerika wiedergekommen. Koch hatte sich um Rose beworben und sie hatte das Werben des hübschen und biederen Mannes wohl ausgenommen. Koch hatte sich etablirt, und als er um Rose anhielt, sagte sie ja. Die Hochzeit wurde balb gefeiert und die Ehe der beiden war eine überaus glückliche, bis sich, wie wir gehört haben, auch hier Wolken zeigten, welche den Horizont ihres Glückes zu verdunkeln drohten. Rose war ein energischer Character und sie war nicht geneigt, sich ihr Eheglück und ihr glückliches Familienleben von einem Fremden stören zu lassen und wenn dieser Fremde auch ein Busenfreund ihres Mannes war. — Sie erhob sich, zündete die Lampe an und ging hinaus in die Küche. Robert Koch erhob sich ebenfalls von seinem Platze und durchwanderte mit großen Schritten das Zimmer. Er war eine große, stattliche Erscheinung und sein freundliches, gutmüthiges Gesicht nahm Jeden sofort für ihn ein. Ein kaum merkbares Lächeln umspielte sein Gesicht, als sich die Thüre hinter seinem erzürnten Frauchen geschlossen hatte und er sagte zu sich selbst: „Sie hat eigentlich nicht Unrecht; Perl könnte mehr Rücksicht nehmen; aber deßhalb mit ihm brechen? Nein. Ihn zu entbehren, wäre mir unangenehm. Am Besten wäre es freilich. Perl ist so komisch seit einiger Zeit, so unstät. Sollte er Kummer haben, eine unglückliche Liebe vielleicht. Nun, ich werde es schon erfahren." Robert ging in das Schlafzimmer, holte sich seinen

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