Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 12 (9.2.1891)
- Date
- 1891-02-09
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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237 Möglichkeit nachstrebeud. Dem Verfasser genügt cs jedoch nicht, dem Kinde das Wissen der biblischen Erzählung einzuprägen — der erworbene geistige Besitz soll nunmehr seinem endgültigen Zwecke dienen; er soll seine reichen Bildungsmittel für Herz und Gemüth des Kindes hergeben. Das zweite Heftchen „Erläuterungen" lehrt, wie der unermeßliche ethische Schatz, der in den Gestalten der Bibel und in ihren Ereignissen sich tausendfältig birgt, zu heben und zu verwerthen sei. Die Personen und Ereignisse werden entschieden charakterisirt und Gottes unausgesetzte Weltwaltung wird zu erfassen gesucht. So sind diese „Erläuterungen" vorzüglich allen denen zu empfehlen, die Herz und Verstand des Kindes an den biblischen Erzählungen bilden wollen, sowohl den Lehrern und Lehrerinnen wie auch den Müttern, denen nicht oft genug die heilige Verpflichtung vor Augen gehalten werden kann, die Gaben, die der Schulunterricht ihren Kindern darbietet, zu Hause sorgsam zu hüten, zu pflegen uud zu vermehren. Reiferen Schülern können die „Erläuterungen" auch als anregende Privatlectüre empfohlen werden. — Die Ausstattung ist gut, der Preis mäßig. Aus Sksdk und Mannheim. Die „Neue Bad. Landeszeitung" bringt in ihrer Nr. 395 eine Zusammenstellung der Schüler sämmtlicher Mittelschüler Badens. Darnach vertheilen sich die 11860 Schüler auf 6227 Ev-, 4564 Kath., 1162 Israel, und 27 sonstige Bekenntnisse. Die Anzahl der evang. und isr. Schüler ist gewachsen, während die der Kathol. im Abnehmen begriffen ist. Es ist somit ca. der 10. Theil Israel. Schüler unter der Gesammtschülerzahl, während die Israeliten etwa den 55. Theil der Gesammtbevölkerung des Badischen Landes betragen. In Mannheim zählen die Mittelschulen unter 1522 Schülern sämmtlicher Bekenntnisse 311 Israeliten und beziffert sich das Verhältniß wie 5 zu 1. Die verhältnißmäßig größere Theilnahme der israel. Jugend ist nicht allein in dem größeren Bildungsdrange derselben zu suchen, sondern es sind noch andere Momente dabei von Einfluß. Außer diesen 331 Schülern isr. Bekenntnisses der Mittelschulen — Gymnasium, Realgymnasium, Realschule — besuchen unter 538 Schülerinnen 288 isr. Schülerinnen die höhere Mädchenschule, und befinden sich in der (Simultan)-Volksschule unter 9000 Schülern 200 Israeliten und in den verschiedenen Privat-Knaben- und Mädchen-Instituten werden 150 Kinder israel. Confession sein. Es dürfte die verehrlichen Leser dieses vielleicht interessiren, auch etwas von dem Religionsunterrichte dieser ansehnlichen Schülerzahl hiesiger isr. Gemeinde zu erfahren. An den Mitteluud Privatschulen werden wöchentlich 2 und an der Volksschule 3 Stunden Religionsunterricht ertheilt, der in biblischer Geschichte und systematischer Religionslehre besteht. Der hebräische Unterricht (Lesen, Gebet- und Pentateuch-Uebersetzen, Sprachlehre) erhält seine Pflege in der hebräischen Schule der „Lemle Moses-Klausstiftung" und wird in wöchentlich 2 resp. 3 Stunden an 151 Knaben und 167 Mädchen ertheilt. Außerdem besteht hier ein „Verein zur Förderung des isr. Religions-Unterrichts", der ca. 50 Kinder unterrichten läßt, die weitaus größte Zahl dieser Schüler besucht in der Regel nur einige Jahre, höchstens bis zum 12. oder 13. Lebensjahre die hebr. Schule; Wenige empfangen Privatunterricht und Viele genießen gar keinen Unterricht im Hebräischen. Diese lernen, wenn sie msa m werden sollen, die ro-o zur .T?y nach Vorschrift in deutscher Schrift. Schließlich sei erwähnt, daß ein Jugendgottesdienst hier besteht, der am Sabbat Mittag abgehalten und von etwa 150 Kindern besucht wird. Neuenburg i. Wpr. Von betreffender Seite wird uns geschrieben: „Wenn ich richtig annehme, so beläuft sich die Zahl der jüdischen Cultns-Beamten in Preußen resp. Deutschland auf mehrere Tausende, deren Anstellung bei den Gemeinden meist ein contractlickes Verhältniß ist. Nach Ablauf dieses contractlichen Verhältnisses verliert der Beamte, selbst wenn er 30—40 Jahre der Gemeinde seine Lebenskraft geopfert, jeden weiteren Anspruch an die Gemeinde und ist sich und seinem ferneren Schicksale überlassen. Eine Regierung, die für jeden Arbeiter sorgt, wenn er durch Alter verhindert, in seinem Berufe ferner noch thätig zu sein, würde auch Wege finden, daß für einen altgedienten jüdischen Beamten in der Weise Fürsorge getroffen wird, daß er an seinem Lebensabende nicht sich und der Menschheit zur Last falle. Ich erlaube mir, Sie höflichst um Mittheilung Ihrer Ansicht hierüber anzufragen, welche Wege anzubahnen wären, um diese Angelegenheit in Anregung zu bringen." Wir unterbreiten diese wichtige und auch brennende Frage uusern geschätzten Lesern zur Beantwortung und sind gerne bereit, den Gegenstand in diesen Blättern weiter zu verfolgen, resp. geeignete Vorschläge aus dem Kreise unserer Leser zu veröffentlichen und deren Verwirklichung anzubahnen. Die Red.