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Der Israelit · 1891-02-05 · Heft 11 (5.2.1891) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 11 (5.2.1891)
Date
1891-02-05
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXII Jahrgang. Ztveite Beilage zu M11 -w „Israelit & Irschunm" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Niederwerrn (Bayern), Januar. Unsere Gemeinde ist in tiefe Trauer versetzt worden. Sie hat ihren langjährigen Lehrer und Leiter verloren, sie hat einen treuen Berather, einen guten Freund eingebüßt. Herr Elementarlehrer Samuel C a h n hat am 17. Schebat nach mehrwöchentlichem Leiden im Alter von 82 Jahren uns verlassen. Im Jahre 1808 in Kleinbardorf geboren, wurde er von seinem Vater, der ein sehr gottesfürchtiger Mann und ein bedeutender Thoragclehrter gewesen, in der Wissenschaft unserer heiligen Religion unterwiesen und zum Lehrfache bestimmt. Mit einem reichen Fond talmudischen Wissens, den man leider heute immer seltener auf dem Lande antrifft, trat er in die Lehrpraxis ein, nachdem er das Lehrerseminar in Würzburg absolvirt hatte, und volle 50 Jahre hat der pflichttreue Mann in seinem Berufe ausgehalten. Zuerst war er zwei Jahre als Lehrer in Rhiuek thätig, alsdann 9 Jahre in Kleineibstadt, hierauf 19 Jahre in Altenschönvach, wo er gleichzeitig die Funktion eines Religionslehrers in dem Zuchthause zu Klosterbrach ausübte, schließlich wurde er von der Regierung als Elementarlehrer nach unserer Gemeinde versetzt, wo er 20 Jahre thätig gewesen. Wahrlich unsere Gemeinde betrachtete es damals als ein Glück, daß gerade Samuel Eahn ihr Lehrer wurde. Denn seit langer Zeit war Niederwerrn die Heimstätte bedeutender Lamdonim gewesen; nachdem nun in dem Rabbiuatskandidaten I. Friedmanu V*xt, der die Stelle des Lehrers inne hatte, einer der letzten zu Grabe getragen, und auch der Rabbinatssitz endgiltig nach dem benachbarten Schweinfurt von der Kgl. Regierung verlegt worden war, war man froh, in Samuel Eahn einen streng seminaristisch gebildeten Lehrer bekommen zu haben, der auch im Gebiete der Thora und des Talmuds kein Fremdling war. Und er verstand es auch den reichen Schatz seiner Midraschkenntnisse in populärer, anziehender Form in seinen Lehrvorträgen, deren er an jedem Sabbat drei hielt, seiner Gemeinde zugänglich zu machen, die stets mit gespannter Aufmerksamkeit seinen Erklärungen lauschte. Er war ein pflichttreuer Mann, der — und das muß besonders hervorgehoben werden — in seiner Schule über den Elementarunterricht niemals den Religionsunterricht vergessen hat, der oft genug die für den Unterricht vorgeschriebene Stundenzahl überschritten hat. Er war ein freundlicher, sanftmüthiger Mann, der vor allem auch bei seinen nichtjüdischen Mitbürgern einen hohen Grad von Beliebtheit sich zu erringen verstand. Er war ein wohlthätiger Mann, der nicht nur gerne gab, sondern vor allem ohne Aufsehen spendete. Und daß man von diesem seinem Werthe allgemein durchdrungen, das bewies unumstößlich sein Leichenbegängniß. Seit den hohen Festtagen litt der Verstorbene an einer heftigen Gelbsucht, die zu überwinden seine Kräfte nicht mehr ausreichten. Er reichte bei der Kgl. Regierung sein Ruhegesuch ein; aber bevor diese sie ihm bewilligt hatte, hat ihn Gott zu einer ungestörten Ruhe abberufen. An seinem Leichenbegängnisse betheiligten sich nicht nur die jüdische Gemeinde, sondern auch die christliche Bevölkerung des Ortes, die Freunde aus Nah und Fern, die Amtskollegen der ganzen Umgegend. Beim Abschied vom Hause sprach zuerst Herr Distriktsrabbiner Dr. Stein aus Schweinfurt in wenigen Worten, daß die Gemeinde, wie sie dem Todten bei seinem Einzug vor 20 Jahren ein nn« "ins Indd zngerusen, ihm heute ein wehmuthsvolles “inNin nnx iroi zugerufen berechtigt sei, nachdem der Verstorbene die Krone des guten Namens sich erworben habe. Herr Districtsschulinspector Dr. Kranpold schilderte im Anschluß an Hiob V, 26 die Erfolge seiner Lehrthätigkeit, Herr Pfarrer Hellmuth auf Grund Sprüche X, 7 seine große Beliebtheit bei den Angehörigen aller Confessionen. Am Grabe zu Euerbach schilderte Herr Dr. Stein in längerer Rede die Schwierigkeit des Lehrberufes, besonders in unserer Zeit, wo der Zwiespalt zwischen Schule und Haus bereits auch auf dem Lande sich geltend mache, und wies darauf hin, daß die bloße Thatsache einer 50jährigen Thätigkeit in diesem Amte dem Verstorbenen den Dank der Gemeinde sichere. Hoffen wir, daß die Kgl. Regierung, die alle Zeit auf die berechtigten Wünsche der Gemeinde Rücksicht nimmt, uns einen Mann senden wird, der auch nach seiner religiösen Bildung einen vollwer- ' thigen Ersatz für Samuel Eahn bietet. Dem Verstorbenen wird die Gemeinde zu allen Zeiten ein dankbares Andenken bewahren! rrsxjn. Oeste r r. Ungar. Monarchie. 8. 8. Wien, 28. Jan. Soeben ist an die Leiter der Wiener Unterrichtsanstalten ein Erlaß des Landesschulrathes gelangt, welcher sich mit der politischen Agitation der Lehrerschaft befaßt. Der Erlaß hat folgenden Wortlaut:

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