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Der Israelit · 1891-01-29 · Heft 9 (29.1.1891) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 9 (29.1.1891)
Date
1891-01-29
Page
– (sequence 28)
Language
German
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172 lich ihren Wunsch zu begünstigen. Die Eltern Zulekiah's bedrohten sie, eines wirklichen oder eingebildeten Vergehens halber, mit einer Züchtigung, was sie veranlaßte, nach dem Hause ihrer Nachbarin zu entfliehen und deren Schutz anzusprechen. Die alte Maurin benutzte diesen Anlaß, sich zum Kadi zu begeben und ihm zu erklären, das Mädchen habe in ihrer Wohnung Zuflucht genommen, sich zum Glauben des Propheten bekannt und den Namen Allah's angerusen. Zulekiah mußte vor dem Kadi erscheinen, leugnete aber auf das Bestimmteste, ihre Religion verändert oder einen solchen Schritt auch nur beabsichtigt zu haben weßhalb man sie bis auf Weiteres einsperren ließ, während der Kadi dem Hofe Bericht über die Sache abstattete. Ter Kaiser befahl, sie nach Maquinez zu schicken, wo er damals seine Residenz hatte, und bei ihrer Ankunft wurde ihr ein Gemach im Harem angewiesen. Man bot ihr prächtige maurische Kleider an, welche sie mit Verachtung ausschlug, indem sie ihre Anhänglichkeit an die israelitischen Sitten und Gebräuche betheuerte. Dreimal wurde sie vor den Richterstuhl des Kaisers berufen, wo sie mit der größten Unerschrockenheit sortfuhr, ihre Abtrünnigkeit zu leugnen, obgleich man ihr versicherte, daß die Annahme des Islam das einzige Mittel sei, ihr Leben zu retten. Das dritte Mal wurde endlich ihr Todesurtheil ausgesprochen. Sie wurde sogleich von der Wache ergriffen und unter dem Zulauf des Volkes nach dem jenseits der Stadtmauern gelegenen Richtplatz geschleppt. Beim Schaffst angekommen, drang man von Neuem in sie, den Namen Allahs anzurufen, worauf sie erwiderte, „die jüdische Religion sei der Glaube ihrer Voreltern gewesen, die deswegen Verfolgung aller Art und selbst den Tod erlitten hätten, und auch sie würde nicht anstchen, sich für eine Sache aufzuopfern, für welche Propheten, Sänger und mächtige Kriegshelden ihr Leben gelassen." Dem Kaiser sagte sie in Gegenwart seines Hofes und der Wachen: „Seine Geschenke und Kleider wären für ein jüdisches Mädchen unziemlich und würden ihr einen Fluch zuziehen, wenn sie sie anlegte." Als der Monarch ihr wiederholte, daß sie Mohammed anerkennen oder das Haupt verlieren müsse, antwortete sie, daß sie eben so bereit sei, die Wahrheit ihres Glaubens mit dem Leben zu bekräftigen, als er unschuldig Blut vergießen zu lassen. Von Bewunderung über ihre Schönheit und Festigkeit durchdrungen, ließ der Sultan kein Mittel unversucht, sie von ihrem Entschluß abzubringen, und nachdem der Henker ihr einen Einschnitt in den Nacken gemacht hatte, frug er sie zum letzten Male, ob sie Allah anerkennen und leben wolle? Sie erwiderte mit fester Stimme: „Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist mein Gott; ich erkenne keinen anderen." Ihr Haupt wurde dann vom Rumpfe getrennt. Die zahlreichen Juden, die Zeugen dieses Auftrittes waren, vergaßen in der Wuth ihre gewöhnliche Behutsamkeit, sie stürzten sich auf die kaiserliche Leibwache, und obgleich mehrere von ihnen schwer verwundet wurden, gelang es ihnen, sich der Leiche des unglücklichen Mädchens zu bemächtigen, welche sie in der Nähe von Maquinez im Triumph begruben. Zulekiah wird seitdem von den Juden zu ihren Heiligeir gezählt, und selbst die Mauren verehren sie als eine Märtyrerin, zum Beweise, daß der Mensch auch in seiner tiefsten Herabwürdigung ein für das Große und Edle nicht unempfängliches Herz besitzt." Ueber diejüdischen Lessings schreibt die „Vossische Zeitung", indemsie den Stammbaum der Familie des Dichters aufrollt, Folgendes: Neben diesen Lessings giebt es aber eine noch viel größere Anzahl von Lessings, die mit der eigentlichen Familie des Dichters nichts zu thun haben und ihren Familiennamen überhaupt erst ziemlich kurze Zeit tragen. Das ging so zu. Durch das Edikt vom 11. März 1812 wurde in Prenßen den Juden, wenn sie staatsbürgerliche Rechte erlangen wollten, die Möglichkeit gewährt, bestimmte Familiennamen anzunehmen unter der Bedingung, daß keinerlei bestehende Rechte beeinfluß twürden. Sie brauchten den gewählten Namen nur der Regierung anzuzeigen und erhielten innerhalb achtTagen Bescheid über Genehmigung oder Ablehnung seitens der Behörde. Da kam denn nun eine große Menge von jüdischen Familienvätern, die aus herzlicher Verehrung für den toleranten Dichter des „Nathan" den Namen Lessing vorschlug und auch zuertheilt erhielt, da bei den damaligen schlechten Verbindungen in der kurzen Zeit von acht Tagen kein Einspruch von den echten Lessings erfolgen konnte. Aehnliche Verhältnisse waren durch ein Gesetz Napoleons von 1808 für die damals französischen Theile Suddeutschlands hervorgerufen worden. Alle diese Inhaber des Namens Lessing im Norden und Süden Deutschlands leiten also rechtmäßig ihren Namen von dem großen Dichter ab, ohne freilich sonst die geringsten verwandschaftlichen Be. Ziehungen zu ihm zu besitzen. (nvn) T .'M “fr 0# ♦Dgen 3>s »djö3 Tpjn oni Dnjjpp jrts ^npn q# rvttri bs r« Lehrer Krgl. in Ober-See m e n. Verantwortliche RedactionOscar Lehmann in Mainz. — Expedition des ,.Israelit" n. „Jeschurun", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.

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