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Der Israelit · 1891-01-29 · Heft 9 (29.1.1891) · page 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 9 (29.1.1891)
Date
1891-01-29
Page
– (sequence 26)
Language
German
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170 Hochaltar, gewöhnlich mit Teppichen maskirt, tragen jede ebenfalls eine große Inschrift, die ein Flächenmuster von bewundernswerther Bildhauerarbeit umgiebt. Wir theilen eine der Inschriften zu^Ehren des Gründers des Tempels in etwas abgekürzter Form hier mit: „Da es keinen König mehr gab in Israel, der uns aus der Gefangenschaft hätte befreien könen, haben »vir unS zerstreut: die einen sind in dieses Land gekommen, die andern in verschiedene Theile der Erde: und alle beweinen wir unser Vaterland. Und wir, die wir hier wohnen, haben dieseit Tempel erbaut mit kräftig starkem Arm und starken Herzens. Der Tag, wo er vollendet wurde, war ein hoher Tag für alle Juden, viele, von dem Gerüchte dieses Werkes herbeigezogen, sind aus den entferntesten Gegenden der Erde herbcigceilt und frugen, ob denn ein Mann aufgestauden sei, der im Geiste groß genug sei, unsere Republik zu leiten. Samuel war unsere Schutzmaurr: Gott ist mit ihm und mit uns gewesen; er hat Gnade und Erbarmen für uns erlangt. Er war ein Mann der Arbeit und des Friedens, mächtig unter Allen und ein großer Erbauer. Dieser Tempel ist erbaut worden unter der Regierung des Don Pedro. Gott sei sein Schutzbeistand, daß er sich erhebe über alle Fürsten, er sei mit ihm und mit Allen aus seinem Hause, daß sich jeder lebende Mensch vor ihm demüthige." Die Spuren des jüdischen Einflusses in Spanien sind um so interessanter, je seltener sie sind. Mächtig unter der arabischen Herrschaft, spielten die Juden auch nach der Bertrcibung der Mauren eine große Rolle durch ihre Talente und ihre Reichthümer. Bekannt ist, wie auch sie vertrieben wurden. Dieser Ueberrest einer Synagoge in Toledo ist eine wehmuthsvolle Erinnerung an die einstige Größe und Bedeutung der Israeliten in Spanien. Ä .Sn'* Hermnkhlnnr». Rciscbilder eines ® nt t ß r i r t c n. (Rach „Selbst-Emancipation.") Acht Japrc wirkte und schaffte ich in Odessa als Mitglied der „Cbowawe-Zion" für meiire unglücklichen Brüder, bis die Sehnsucht nach dem heiligen Lande mich zwang, dahin zu reisen und dortselbst ein neues Leben zu beginnen. Ich fuhr nicht allein, eine ganze Gesellschaft von Brüdern mit gleichent Ziele theiltcn mit mir das Schiff. In 36 Stunden hatten tvir den Bosporus erreicht und blieben im goldenen Horn vor Anker. Stnmm standen tvir auf dem Verdeck und bewunderten das herrliche Panorama, welches das in leichten Nebel gehüllte Constantinopel unseren erstaunten Blicken darbot. Plötzlich erweckte uns heftiges Geschrei aus unserer träumenden Bewunderung, verdächtige Gestalten erklommen unter großem Lärmen das Schiff und umringten uns schreiend und gesticulircnd. Wir waren ob des ungewohnten und unerklärlichen Anblickes ganz erschrocken, beruhigten uns aber bald, als der Capitän die Horde als ganz unschuldige Gondolieri bezeichnete und uns rietb, ihre Hilfe in Anspruch nehmend, das Innere der Stadt zu besichtigen. Wir folgten seinem Rathe, hätten aber besser getlian, den Spaziergang zu unterlassen: der prächtige Gesammteindruck, welchen, einer k'a.ta ni'irq-nna gleich, die Stadt im Morgengrauen auf uns gemacht, verschwand vollständig und machte einem Gefühle der bittersten Enttäuschung Platz, als wir durch die Straßen Eonstantinopels wandelten. Doch ich will Ihre Leser mit der Schilderung des Schmutzes, welcher sich unseren Augen darbot, nicht weiter bemühen, es ist ja schon genug darüber geschrieben worden. So rasch es nur ging, eilten wir zurück zu unserem Schiffe, um, das Marmara-Meer und die Dardanellen passirend, die Reise fortzusctzen. In Smyrna machten tvir Halt. Doch bald hätte ich vergessen, Ihnen zu sagen, wer „tvir" waren! Fast 40 Juden hatten sich gleichzeitig mit mir ausgemacht, um in Palästina Boden zu kaufen und der Bearbeitung desselben fortan ihr Leben zu weihen. Ich will einige derselben mit Namen nennen und zum Beweise dafür, daß auch Vermögende, ihr Geburtsland verlassend, ein neues Leben beginnen, bei jedem das mitgenommene Baargeld anführen. Es sind die Herren Kaminsky mit 6000 Rubel, Michelssohn mit 5000 Rubel, Millensky 8000 Rubel, Guttner 2000 Rubel, Brodsky 1500 Rubel, Lechowsky 3000 Rubel, Kaplan 2000 Rubel, Schwerkowsky 3500 Rubel, Bergmauu 4000 Rubel, I. Konstantinowsky 3500 Rubel, die meisten der Erwähnten sind außerdem in ihrem Geburtslande Besitzer eingerichteter Geschäfte, welche sie im Laufe der Zeit zu liquidiren gedenken, ebenso beabsichtigen sie, später ihre Familien Nachkommen zu lassen. Außer diesen zukünftigen Eolonisten erfüllte das Schiff eine Menge von Leuten, welche nach Jerusalem reisten, zumeist Arme, unter ihnen aber auch zahlreiche Handwerker aller Kategorien, einige sogar mit einem kleinen Vermögen oder Werkzeugen: im Allgemeinen aber machte die Versammlung einen traurigen Eindruck, namentlich die erwerbsunfähigen Greise, Weiber und Kinder, die ohne Aussicht auf Brod geflohen waren. Doch nun zurück zu unserer Reise. In Smyrna, wie gesagt, landeten wir wieder und unser erster Gang galt dem berühmten scphardischen Ehacham, einem ehrwürdigen herrlichen Greise, der uns Allen unvergeßlich bleiben wird; ihn fragten wir auch um Rath, wie wir uns mit Rücksicht auf den Rosch-haschanah, der damals gerade bevorstand, verhalten sollten. Er befahl uns die Fahrt nicht zu unterbrechen, sondern unsere Andacht auf dem Schiffe zu verrichten, auch schenkte er uns einen Schofar. (Eine Thorarolle führten wir schon mit uns ) Unvergeßlich wird Allen, die daran theilgenommen, der Abschied sein, den wir von dem edlen Manne nahmen. Er dachte des gottgefälligen Unternehmens, welchem wir unsere Kräfte weihten, und segnete uns; seine zitternden Hände über unsere tief gebeugten Häupter haltend, sprach er das „Jcwarechecha" und als er geendigt hatte, standen uns Allen Thränen in den Augen. Noch tief erschüttert von dem empfangenen Eindrücke traten wir am Tage vor Rosch-haschanah unsere Weiterreise an. Rosch-haschanah auf offenem Meere! Eine dreigliedrige Deputation hatte vorher bei dem Kapitän die Erlaubniß zur Abhaltung des Gottesdienstes' erbeten; er ertheilte sie nicht nur, sondern stellte uns das ganze Verdeck erster Classe, welches zu diesem Zwecke noch seperat gereinigt wurde, bereitwilligst zur Verfügung. Den wunderbaren Eindruck zu

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