Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 9 (29.1.1891)
- Date
- 1891-01-29
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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167 es, ein Wort zu reden. Da wurde an die Thüre geklopft, das Dienstmädchen meldete: der Bankier Rosenthal wünsche den Herr Oberst zu sprechen. „Der Schurke!" rief der Oberst mit Commandeurstimme. „Der Jude!" mußt Du sagen, Papa," warf der Lieutenant ein, „denn Jude und Schurke ist ganz dasselbe." „Nun ja, er komme!" sagte der Oberst Bitterroth etwas gelassener, „und Du, Frau, gib mir eine Reitpeitsche!" Rosenthal trat ein, mitten im Zimmer stand der alte Oberst und hielt die Reitpeitsche in der Hand. „Herr!" schrie er, „Sie sind hierhergekommen, um sich an unserem Elend zu weiden und das Unglück, das Ihre Schuftigkeit unter Christen angerichtet hat, mit eigenen Augen anzusehen." — Hochaufgerichtet, in edler Haltung, stand der Jude da, sein Antlitz war aschfahl geworden. „Ich habe auf dem Schreibtische meines seligen Paters," sagte er, „einen kleinen, mit Bleistift geschriebenen Zettel vorgefunden, worauf er, mit dem Datum seines Todestages, sich notirt hatte: „Von Oberst von Bitterroth habe ich heute 80,000 Mk. erhalten." Fast wäre der Zettel verloren gegangen, doch habe ich alle alten Papiere durchsucht, ob ich nicht noch eine Notiz fände, bezüglich Ihrer Forderung. Glücklicher Weise war sie vorhanden. Hier ist Ihr Geld, Herr Oberst, Adieu!" Es fiel etwas zu Boden, das war die Reitpeitsche, die der alte Oberst in der Hand gehalten hatte. Und in diesem Augenblick fiel noch etwas ab von ihm, das war der düstere Menschenhaß, der sich seiner bemächtigt hatte. Voll Seligkeit und Wonne breitete er die Arme aus, er wollte danken — doch er fand keine Worte; als er wieder zur Besinnung gekommen, war Rosenthal längst hinweggegangen. Der brave Mann hatte gethan, was seine Pflicht und Schuldigkeit war; er hatte hierfür keinen Dank zu beanspruchen und beanspruchte ihn nicht. Der Oberst aber und seine Frau suchten in überschwänglichen Lobeserhebungen wieder gut zu machen, was sie zuvor gesündigt hatten. „Siehst Du, Wilhelm," rief die alte Dame, „nun kannst Du mit Recht sagen: „So sind die Juden!" „Wenn auch ich meine Meinung äußern darf," mischte sich nun Mellie in das Gespräch, „so möchte ich sagen, daß Ihr Beide Unrecht habt. Man darf nicht gleich, wenn ein Jude etwas Gutes oder Schlechtes thut, ausrufen: So sind die Juden! Juden sind eben Menschen, wie andere auch, Der ist gut, Jener ist bös, man darf nicht stets verallgemeinern. Du, Papachen, hast gewiß nicht gesagt: So sind die Husaren! wenn einmal ein Gemeiner etwas Schlechtes begangen hatte." Der Oberst lachte aus vollem Halse, der Lieutenant aber küßte sein liebliches Bräutchen und nannte sie sein „kluges Kind." Der Weöerrest einer Synagoge in Hotedo. (Siehe Abbildung Seite 168.) Unter den interessantesten Baudenkmälern Toledos sind zwei alte Synagogen zu erwähnen, die man den Juden genommen hat und die dem katholischen Cultus zugetheilt worden sind. Die älteste ist Sauta Maria la Bianca. Sie wurde während der Araberherrschaft erbaut. Nach Vertreibung der Mauren wurde das Gebäude erst eine Kirche, dann ein Asyl, dann eine Caserne; vor einigen Jahren ist dasselbe auf Veranlassung der Commission der historischen Denkmäler restaurirt worden. Die andere Synagoge, unter dem Namen ei Transito bekannt, datirt aus dem 14. Jahrhundert. Samuel Levi, der sie aus eigene Kosten erbauen ließ, war Schatzmeister Peters des Grausamen. Im Besitz der Gnade des Fürsten, wurde er sein Hauptrathgeber und bewohnte im Judenviertel einen herrlichen Palast. Der beste Beweis seiner Macht ist gerade der Umstand, daß man ihm eine neue Synagoge in Toledo zu bauen gestattete, während man damals oft die Juden ohne weiteres aus ihren Tempeln vertrieb. Samuel Levis allzurasches Glück zog ihm viele Feinde zu. Er verlor die königliche Gunst, seine Güter wurden konfiszirt, seine ganze Familie in den Kerker geworfen, und er selber endete in den Qualen der Tortur. Soweit in Bezug auf das Biographische unserer französischen Quelle; gewöhnlich nimmt man an, daß der Erbauer dieser Synagoge der berühmte Rabbi Samuel Hallevi Hanagid war. Derselbe war Großvezier des Khalifen von Granada und starb im Vollbesitz seiner Macht und seiner irdischen Güter. Möglich, daß der Erbauer der Synagoge in Toledo ein anderer Samuel Hallevi war. 1494 wurde die Synagoge in eine christliche Kirche umgewandelt und St. Benedikt geweiht. Der Name e! Transito, womit sie gewöhnlich bezeichnet wird, kommt von der besonderen Verehrung her, welche das Volk einem Bilde erweist, das den Tod der Maria darstellt (ei transito der Hinübergang aus dieser Welt in das Jenseits). Der innere Plan des Tempels ist ein Rechteck, dessen Seiten den vier Himmelsgegenden zugekehrt sind. Die Mauern sind aus Stein, die Decken aus mMeze Holz. Die nördlichen und südlichen Mauern sind gleich und unterscheiden sich nur durch die Inschriften. Ehemals waren fünf Tribünen, die sich an die südliche Mauer anlehnten, zu Sitzen der Frauen bestimmt. Ein breiter Fries, aus drei Streifen in Stuck bestehend, läuft an der oberen Partie der Mauern entlang. Die oberen und unteren (plate bande) sind mit Inschriften aus der Bibel bedeckt. Das Mittelfeld, größer als die beiden anderen, ist ein Basrelief, das eine Rebe darstellt, deren Gezweige verschlungen das Wappen von Castilien und Leon umgiebt. Ueber dem Fries und die Dachung des Gebäudes tragend, erscheint die Wandbekrönung, ein Werk, das leichter zu bewundern als zu beschreiben ist; denn die Feder giebt nicht die magische Wirkung der Säulchen, die Anmuth der Kapitäler, den fantastischen Anblick der Bogen, noch weniger den Reichthum der Arabesken und die elegante Symmetrie der Rosetten wieder, die sich von einem Fachgrunde abheben, der einem Spitzengewebe eher gleicht, als einer Stückarbeit. Die östliche Mauer, die auf unserer Abbildung selbstständig dargestellt ist — den Aron Hakkodesch nimmt gegenwärtig der Hochaltar ein würde ein besonderes Studium verdienen. Die beiden Mauerflächen rechts und links vom