Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 9 (29.1.1891)
- Date
- 1891-01-29
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXII. Jahrgang. Zweite Keiillge zu M 9 des „3svneüt & Mrljurun“ Zeitungsnachrichten und Correspondeuze«. D e u t s ch L a u d. Berliri, 23. Jan. Auf einem Äomuicrß „deutscher" (Studenten hat Exhochwürdcn Stöcker, der mit seinem Famulus Wagner erschienen war, in gewohnter Werse seinen Gassenhauer gesprochen, autz dem wir ein Pröbchen iiiuiijctlen njolicit: „Ten Medizinern, die durch ihren Forscher Koch in der lctztcrr Zeit so hoch berühmt geworden sind, möchte ich sagen: Forschen Sie wie er, aber nicht nur nach dem LacilluS leiblicher Krankheit. Wir haben in unserem Volksleben viele „Bacilusse", die noch nicht recht erkannt sind. Das ist zum Beispiel der daeil-!us democraticus, noch schlimmer ist der daeillus soeialdemoeratieuL und hinter beiden als Muttergewächs vielleicht ein ,.baeillus orientalis“! Und' wenn ich auch fürchten muß, daß auch der feinste Forscher ans diesem Gebiet nicht ganz reine .Kulturen hervorbringcn wird, so ist das auch nicht nöthig." O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien, 17. Jan. Der Abgeordnete Hofrath Gniewosz fungirte bekanntlich ine Abgeordnetenhause als Referent über das Gesetz, betreffend die Regelung der Rechtsverhältnisse der israelitischen Enltusgemeinden. Den verhetzenden Ausführungen der Antisemiten trat Abgeordneter Gniewosz damals in der Debatte vom 14. Februar 1890 mit kräftigen Worten ehrlicher Entrüstung entgegen. „Die Flagge, unter der Sie kämpfen," rief er den Autifemiren zu, „ist nicht rein!" Unter zahlreichen Dankschreiben, die Hofrath Gniewosz seither von Seile jüdischer Cultusgemeinden für sein mannhaftes Eintreten für staatsbürgerliche Gleichberechtigung erhielt, befand sich auch eine mit vielen Unterschriften bedeckte Dankadresse der Juden in Lemberg. Ans die Adresse, welche erst kürzlich dem genannten Abgeordneten überreicht wurde, richtete derselbe an die Unterzeichner folgendes Dankschreiben: Sehr geehrte Herren! Die mich hoch ehrende Adresse habe ich mit Dank erhalten. Bemerken muß ich jedoch, daß ich nichts weiter gethan habe, als waS das göttliche Gesetz der Nächstenliebe fordert, und meine Pflicht alS, Abgeordneter und Referent im Parlamente. Diefe'Pflichr basirt auf unserer Verfassung, deren vornehmstes Princip, auf welchem unser ganzes Staatswesen aufgebaut ist, die Gleichberechtigung aller österreichischen Staatsbürger fordert. Empfangen Sie, geehrte Herren, den Ausdruck der Hochachtung von Ihrem ergebenen Eduard Ritter v. Gniewosz. R u iti ä ii t e ii. Dr. 15. Bukarest, 9. Januar. Bei der Zerfahrenheit unseres israclltischen Gemeindewescns fehlen irr den meisten Orten die dazu gehörenden Institutionen entweder gänzlich oder sie können jahrelang nicht sunkrionire». DuS war auch mit der Schule in Galatz, die von Anfang an eine „Talmud- Thora", lange Zeit nur ein Scheinleben führte, zuweilen auch völlig einschlief. Durch die Mnnifi« eenz des Herrn Leivisch Goldeuberg hiersclbst, der zu Schnlzwccken ein passendes Haus schenkte, wurde ein Interesse dafür wieder wach und es bethäligte sich dies sogleich durch Bildung eines Schulcomilvs, sowie Einleitung von Geldsammlungen zum Unterhalt, die einen namhaften Betrag erzielten. Die Kürzlich eröffnele Anstalt hat vorläustg fünf geräumige, modern auSgeftatlete Klassensäle und wurden m dieselbe 180 Knaben eingeschrieben, von welchen Herr Goldeuberg sogleich 42 mit Stiefeln beschenkte. Bei der Eröffnung wurden vom Herrn Untcrkantor Rosenzweig sie üblichen Gebete und Gesänge vorgctragen und n. A. von den Rabbinern M a r g n l i e S und S ch a pira Reoen gehalten. Bei derselben Gelegenheit stellte Herr Goldeuberg in Aussicht auch ein AlterSveriorgungShaus zu errichten, was bei der unter unseren Israeliten eingcrifscuen Aunulh in der That eine sehr dankenswerlhe Bornahme -.st. — Die christlichen Studircnde der Pharmacie an der Universität in Bukarest haben sich vor einiger Zeit versammelt, um einen Verein zu bilden. Rach berühmten Mustern aus dem Anslande war vom Ausschluß der israelitischen Studirenden die Rede; doch wurde diese welterschütternde „Frage" schließlich einer hochmögendeu Kommission von tö Mitgliedern zur Beralhung und Beschlußfassung überwiesen. Was ich aus derselben Sitzung noch erfahren, ist, daß die in Rumänien vorhandenen christlichen Apothekcnb cs itz cr sich nüt einer Eingabe an den Obersten Sanitütsrath wandten, bittend, „man solle vom Ausland Assistenten und Provisoren — natürlich Christen — dringen, denen man das Prakliziren ui den Apotheken, ohne abgelegte „ZulaffungS"-Prüsu ng gestalten soll." Dies ist sehr traurig und zeigt, wie weit verfolgt man hier als „Jude" ist. Denn es gibt im Lande selbst eine erkleckliche Anzahl iSraeliiisch er Apothekenbeflissenerl, die eben der Ob. Sanir.- Conseil nicht zum Ziele kommen läßt und ihnen durch drakonische Maßnahmen schon abgcarbeitete Lebensjahre durch Nichtanrechnung derselben und in