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Der Israelit · 1891-01-29 · Heft 9 (29.1.1891) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 9 (29.1.1891)
Date
1891-01-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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156 Oesterr. Ungar. Monarchie. Karlsbad, 4. Januar. Das furchtbare Unglück der Ueberschwemmung, das unfern Ort am 24. November dieses Jahres in Folge einer Unachtsamkeit der Geistlichkeit im Tepler-Stifte betroffen hat, war für unsere gesellschaftlichen Verhältnisse von reinigender Wirkung. Gleich wie verschieden geartete Menschen, die unter einem Dache gegen ein schauriges Gewitter Schutz suchen, ihre Sonderstellung vergessend im gemüthlichen Verkehre das Ende des Sturmes abwarten, so war es auch hier. Nur mit einem Unterschied. Jene trennen sich, ohne vielleicht jemals sich wieder zu sehen. Hier aber treffen wir uns täglich, man kann über die Thatsache nicht einfach hinweggehen, daß man Hand in Hand gejammert, geklagt, gerettet und geholfen hat. Daß der Judenhaß bei Einzelnen auch in unserer Mitte Eingang gefunden hat, das ist ja nur natürlich; wurde doch die Zwietracht zwischen den Bürgern mit solchem Raffinement geschürt, daß nur geistig bedeutende Naturen ihrem Einflüsse sich entziehen können. Wenn verbreitet wird, der Jude sei ein Feigling, oder der grausamste Egoist, wie leicht ist das zu glauben! Nun ist es aber gründlichst widerlegt! Juden haben mit größter Lebensgefahr einzelne Personen gerettet, und die Spenderlifte glänzt durch die Abwesenheit der großen nichtjüdischen Besucher Karlbads, die zum Mindesten ebenso reich sind, wie die meisten unserer Finanzmänner. Dieser Umstand wird allgemein besprochen, und überall begegnet das jüdische Herz vollster Anerkennung und Bewunderung. Am schönsten zeigt sich der neue Geist in den Sitzungen des engeren Hilfs-Komites, dessen Leiter der neugewählte Bürgermeister Herr Z örkend ö r f e r, Stadtrath S ch ä s l e r, Herr Julius P u p p und der Vorsteher unserer Gemeinde Herr Ludwig Moser sind. Die Humanität und der liberale Sinn, die hier ohne den leisesten Schatten verkündet und geübt werden, gereichen uns zum größten Stolze und bieten uns reichste Genugthuung. Das ist der herrlichste Segen jener furchtbaren Katastrophe, daß sie uns geeinigt hat, daß sie den in unserer Stadtgemeinde waltenden Geist der Gleichheit uns offenbart hat. Die jüdischen Kurgäste Karlsbads können unsere Gott gesegneten Heilquellen mit der Befriedigung im Herzen besuchen, daß hier nicht allein ihr Geld, sondern auch sie selbst geachtet und geschätzt werden. Unser Wunsch ist nur, daß dieser frische ' Geist nicht getrübt werde, seine Herrschaft über alle Gemüther sich ausbreite und in geselliger Einigkeit und Freundschaft seinen endlichen Sieg feiern möge. Italien. Rom, 26. Januar. Wie der päpstliche „Moniteur de Nome" heute auzeigt, veranstaltet der berühmte hiesige Tondichter Antonias Francochetti am 28. d., Mittags im Dantesaale ein Concert jüdischer Musik, wobei mehrere ausgezeichnete Kräfte unserer Theater Mitwirken werden. Vor Beginn des eigentlichen Concerts wird Herr Monaldi einen Vortrag über die Musik der alten Israeliten halten. So werden Römer und Römerinnen Gelegenheit haben, die schönen Nigunim (Gesänge) unserer Synagoge von gottbegnadeten Sängern vortragen und interpretiren zu hören. Türkei. Konstantinopel, 24. Januar. Wie der amtliche „Tarik" meldet, bewerben sich zwei Kapitalisten, der Grieche Philipp Melhame Effendi, und der Franzose Girardin (Letzterer ist Direktor der Gasgesellschaft in Beirut) bei der Pforte uni die Concession zur Bewässerung und Fruchtbarmachung der ganzen Ebene von Jaffa und hat das Ackerbauministerium die Projekte günstig ausgenommen und auch sogleich gebilligt. Da jedoch das Ackerbauminifterium keinen der beiden Concessionsbewerber zurücksctzen will, so hat dasselbe es der Entscheidung Sr. Majestät des Sultans selbst anheimgeftellt, welcher dieser beiden Herren in dieser Angelegenheit bevorzugt werden soll. > vermischtes. < Ostrowo, 8. Januar Das seit seiner Geburt hier ansässige Moses Callman'sche Ehepaar feierte an diesem Lage, welcher zugleich der Geburtstag des Jubelbräutigams war, das Fest seiner goldenen Hochzeit in geistiger und körperlicher Frische, umgeben von seinen Kindern, Kindeskindern und Schwiegerkindern. An demselben Tage fand die Ver lobung seines jüngsten Sohnes mit der ältesten Enkelin statt und endlich traf aus Pittsburgh in Amerika die telegraphische Anzeige von der Geburt eines neuen Enkels ein. Das Jubelpaar wurde auch durch die Verleihung der Ehejubiläumsmedaille nebst einem huldvollen Glückwunschschreiben aus dem Civil-Kabinet des Kaisers geehrt. In Breslau fand am letzten Chanukatage die Einweihung des Bethamidrasch statt, welches die Herren Brüder Marcus und Isidor Fuchs auf eigene Kosten in ihrem Hause Sonnenstraße 25 für den Talmud-Lehrverein hergestellt haben. Dasselbe besteht aus zwei Räumlichkeiten, dem Betsaal und dem Unterrichtslokal, wo jetzt 60 Schüler unentgeltlichen Unterricht in allen hebräischen Disziplinen von drei Lehrern erhalten, welche durch die Beiträge der ca. 200 Vereinsmitglieder, von denen ein Theil auswärtige sind, honorirt werden. In einem Kompetenzstreite zwischen dem Vorstände und der Repräsentantenversammlung einer Synagogengemeinde hat die Negierung zu Bromberg die Entscheidung abgegeben, daß der Beschluß der Repräsentanten auch für den Vorstand jederzeit bindend sei. Bei dem aus Anlaß des 309. Stiftungstages der Universität Würzburg stattgehabten Festakte wurde der Preis der medizinischen Fakultät für richtige Lösung der von dieser gestellten Preisaufgabe, dem eaull. mell. Jac. Benario aus Marktbreit verliehen.

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