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Der Israelit · 1891-01-29 · Heft 9 (29.1.1891) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 9 (29.1.1891)
Date
1891-01-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIX. Jahrgang. Jfo. 9, Israelit »> Jeschurun. Irltschrlfl M Förderung jiiü. Geistes Md W. ßebens lu Mus. GriurMt uuö Zrtjile. KenLrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den SS. Januar 5651 (1891). Leitender Artikel. Dss Firdcntli»»in und die Hlekge des IS. Iagrgunderts. Von Direktor Di-. Mendel Hirsch. Frankfurt a. M., 26. Januar. IV. Wir haben in unserem jüngsten Artikel zunächst das Prinzip der Gleichheit aller Staatsgenossen vor dem Gesetze ins Auge gefaßt und glauben, schon durch die wenigen angeführten Thatsachen den Nachweis erbracht zu haben, in wie umfassendem Maaße dieses Prinzip dem jüdischen Gesetze zu Grunde liegt, so daß wir sehr wohl von seiner vollständigen Durchführung als von einem jüdischen Ideale sprechen dürfen. Wir wiesen darauf hin, wie alle wahrhaft bessernden, alle wahrhaft fortschrittlichen Bestrebungen^der Gegenwart, also alle diejenigen, die in bewußtem und ausgesprochenem Gegensätze zu den öden atheistischen und nihilistischen Wahngebiiden stehen, sich zugleich positiv in der Richtung zu Zielen bewegen, die wir vollberechtigt sind, als jüdische Ideale zu bezeichnen. Wir haben somit die eigenthümliche Erscheinung vor uns, während leider ein so großer Theil unserer jüdischen Brüder vom Judenthume sich abwendet, unsere nichtjüdischen Brüder in allen Cnlturstaaten gerade in ihren erleuchtetsten und edelsten Geistern für" die Erreichung der Ziele des von seinen eigenen Kindern so vielfach verschmähten Judenthnms die besten Kräfte einsetzen zu sehen. Wir halten es aus verschiedenen Gründen nicht für überflüssig, nochmals ausdrücklich zu betonen, daß wir hier jene Gestaltung im Auge haben, wie sie durch das Gottesgesetz beabsichtigt ist, hinter der jedoch die Wirklichkeit des jüdischen Staates in dE verschiedenen Zeiten in mehr oder minder großem Abstande zurückgeblieben ist. Es ist das der große Unterschied zwischen der Aufgabe und ihrer Lösung. Ein Blick in die Bücher der Propheten lehrt uns, wie sehr nach heidnischem Vorbilde auch im israelitischen und im jüdischen Reiche die herrschenden Klassen es leider verstanden haben, die Klinke der Gesetzgebung zu selbstsüchtiger Förderung ihrer Einzelinteressen in Bewegung zu setzen, um der gegen die wirthschastlich Schwachen verübten Gewalt den Stempel der Gesetzlichkeit aufzudrücken. Nie hat aber auch das beleidigte Rechtsgefühl je zündenderen Ausdruck, nie die Sache der Unterdrückten begeistertere Vertretung gefunden, als eben in den Worten der jüdischen Propheten. „Wehe, da geben sie Gesetze, die gerade den Gewaltmißbrauch zum Gesetze machen, und verhängen dann mit Rechtskraft Unglück, das sie selbst zuvor zum Rechte gemacht haben, um vom Rechte gänzlich abzudrängen die herabgckommenen Armen und mit offener Gewalt das den Armen meines Volkes Gehörige sich anzueignen, damit Wiltwen ihnen zur Beute werden und sie die Waisen plündern können!" (Jes. 10, 1 f.) — Nie hat ferner die Wahrnehmung gleißender Gottseligkeit bei innerer Gottlosigkeit, die Wahrnehmung jener Scheinheiligkeit, die durch Tempelbesuch, Festesfeier, Gebet und Opfer (Jes. 1, 2 ff., und 66, 3) sich einen Freibrief erworben zu haben glaubt für ein Leben voller Unrecht, Gewaltthat, List und Tucke, einem von der göttlichen Wahrheit und ihrem Rechte und ihrer Liebe erfüllten Herzen je einen Aufschrei erpreßt, der sich dem Ausdruck flammenden Zornes und vernichtender Verachtung an die Seite stellen ließe, mit denen die jüdischen Propheten in den ergreifenden Nachigemälden den herrschenden Klassen ihrer Zeit den Spiegel ihrer Entartung vorhielten. Nie endlich sind in drei Worten die ganze Fülle des Jammers und die ganze Fülle der Zukunftshoffnung prägnanter zusammengefaßt worden, als in den drei Worten: msn jrs, die Zustände im jüdischen Staate seien so geworden, daß der Untergang Jerusalems, des jüdischen Staates, für Zion, für die j

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