Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 7 (22.1.1891)
- Date
- 1891-01-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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130 jüdischen Frauen 4; jüdische Männer mit evangelischen Frauen 131, mit katholischen Frauen 24, mit sonst christlichen Frauen 2, mit jüdischen Frauen 2503; überhaupt: evangelische Frauen 158,009, katholische Frauen 89,895, sonst christlich 439, jüdische Frauen 2653. Es ergibt sich hieraus, daß neben den 2503 jüdischen Ehen 307 Mischehen stattgefuuden haben. Ein höchst trauriges Zeichen der Zeit. Angermünde. In der Verkleidung des Antisemitismus, dieses bequemen Vorwandes zur Bekundung von Leidenschaften, die sich unter ihrem eigentlichen Namen nicht sehen lassen dürfen, tritt bei den Armen und Unwissenden der Haß gegen den Besitzenden, bei den Nutznießern mittelalterlicher Vorrechte, also bei den sogenannten privilegirten Klassen, die Furcht vor begabteren Mitbewerbern um Einfluß und Macht, bei der verworren idealistischen Jugend eine übertriebene und unberechtigte Form des Patriotismus, nämlich die unerfüllbare Forderung nicht blos politischer Einheit des deutschen Vaterlandes, sondern auch ethnischer Einheit des deutschen Volkes zu Tage. Sehr oft verstehen es die Herren Antisemiten in sehr geschickter Weise sich den Anstrich zu geben, als gelte ihr Streben etwas . „Höherem", aber immer wieder lugt aus den Löchern ihres Mantels nicht nur die Eitelkeit, sondern die Bosheit und Gemeinheit und in allererster Linie der Neid heraus. Diesmal habe ich Ihnen von der Gründung einer Antisemitenliga aus Concurrenzneid zu berichten, und man gibt sich nicht einmal mehr Mühe, den wahren Grund, wie dies früher geschehen, zu bemänteln. Folgendes ist in einem Antisemitenblatt zu lesen: „Angeregt durch die jüdischen Reclamen vordem Weihnachtsfeste haben ungefähr 50 hiesige Bürger vorigen Dienstag folgende Resolution gefaßt, welche die Grundlage der Statuten eines ins Leben zu rufenden Vereins bilden soll: „In Erwägung der verderblichen Einflüsse des entarteten Judenthums sprechen wir uns dahin aus, daß es noth thut, unserem Volke die Segnungen des Christenthums mit allen Mitteln zu erhalten und von diesem Grunde aus auf gesetzlichem Wege auf die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse unseres Volkes einzuwirken." Wenn man überall so ungenirt zu Werke ginge, dann würden auch bald dem dümmsten oberhessischen Bauer über das wahre Ziel der Judenfeinde die Augen aufgehen. R. Egypten. Cairo, 30. Dezember. Die von einigen Alexandriner Blättern verbreitete Nachricht, daß sich an dem hier zu Ehren des Czarewich veranstalteten Fackelzuge auch einige italienische und griechische Juden aktiv betheiligt haben, ist nicht ganz richtig. Wohl befanden sich einige Israeliten im Zuge, es waren dies jedoch nur müssige Zuschauer, die gekommen waren, um ihren griechischen und italienischen Freunden, die Fackeln trugen, das Geleite zu geben. Die hier lebenden griechischen und italienischen Juden sind nicht theilnahmslos bei dem Unglücke, das ihre russischen Glaubensbrüder getroffen und verspürten sie daher auch keine Lust, sich an dem ."erwähnten Fackelzuge zu betheiligen. Vermischtes. < Hamburg, Die Frommen, sagt Maimonides, bedürfen keiner Monumente, ihre guten Thaten sind der beste Gedenkstein. Eine rown ntM* im schönsten Sinne des Wortes, eine wahre?»n ntfiw, die Frau unseres allverehrten und allgeliebten Herrn Dr. S. P. Nathan, eine geborene Goldschmidt aus Heidingsfeld, in Baiern schied nach vollendetem 70. Lebensjahre am vorletzten Freitag p"& nD\D ny“? aus diesem Leben, betrauert von der ganzen Gemeinde. Das beredteste Zeugniß ihrer außerordentlichen Beliebtheit war die endlose, bei dem Leichenbegängniffe einer Frau wohl noch niemals hier gesehene Menschenmenge, die dem Trauerzuge folgte. Es kann an dieser Stelle nicht geschildert werden, was diese edle Frau ihrem Manne, was sie den Armen, was sie überhaupt ihren Mitmenschen war. Ihre unbegrenzte Wohlthätigkeit und die liebevolle Weise, in der sie dieselbe übte, ihre stete Bereitwilligkeit zu Werken der Menschenliebe, ihre Liebenswürdigkeit und Leutseligkeit gegen Jedermann gewannen ihr die Herzen aller. Mit inniger Andacht verrichtete sie die täglichen Gebete und versäumte nie eines derselben. Alle religiösen Frauenpflichten beobachtete sie mit seltener Pflichttreue. Möge der Allgütige ihrem tief gebeugten Gatten Trost spenden; ihrer aber wird stets segnend gedacht werden nmu? np’“s; "Di. Pinne, 13. Januar. Herr Dr.^M. Schlesinger, welcher seine Ausbildung an dem Rabbiner-Seminar in Berlin erhalten hat, ist zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt worden. Nancy. Einer der geachtetsten jüdischen Einwohner von Nancy, Herr Marx Cahen, starb im hohen Alter von 88 Jahren. Geboren in Toul, war Herr Cahen der Sohn des in ganz Lothringen unter dem Namen Rabbi Jokef Hersch wegen seiner Gelehrsamkeit bekannten Rabbiners nnd Talmudisten. Marx Cahen, der selbst einen Ruf als Gelehrter und Talmudist hatte, leistete durch mehr als 40 Jahre der Judengemeinde von Nancy, unschätzbare Dienste und nahm einen lebhaften Antheil an ihrem Gedeihen und ihrer Entwicklung. Sein Leichenbegängniß fand unter allgemeiner Theilnahme der Bevölkerung von Nancy statt. Der Verstorbene hinterlätzt zwei Söhne, von denen der eine, Emil Cahen, Grotzrabbiner von Lille, der andere, H. I. Cahen, Vorstand der Finsbury Park Synagogue in London ist. Briefkasten der Redaktion. S. H. in T. Von Dr. S. Papilsky in Posen. B. Sie dürfen dem Kinde nach einer Stunde Milch geben.