Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 6 (19.1.1891)
- Date
- 1891-01-19
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448122-2448129--31445-2479245- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXXII. Jahrgang. Zweite Beilage;u M fi drs „Israelit & 3efdjurun“ Literarischer Bericht. n;iD.xni n^onn- Gebet und Glaube. Ein Beitrag zur Erklärung und Erläuterung des Gottesdienstes und dessen Gebräuche. Von M. A. Go Idstein, autor. Rabbinatsverweser in Fiume. Buoopfft 1890. 8. Der Vers, will mit diesem Werke „die Erkenntnisse und Gefühle des gläubigen Israeliten, soviel sie sich auf das Gebet beziehen, bereichern und erweitern, das religiöse Leben und Streben des Israeliten heben, krättigen, zur frommen gottgefälligen Thatkraft aneifern und anspornen." Aus diesem Grunde gibt der Vers, nicht nur den Inhalt des größten Theils der Gebete an, welche er so behandelt, daß sie von jedem kundigen Lehrer für den Religionsunterricht trefflich verwerthet werden können, sondern theilt uns auch historische Notizen über die Entstehung einer Reihe von Gebeten mit, womit er einen Quellennachweis der einzelnen Stellen verbindet. Ein solches Unternehmen ist gewiß nur zu fördern und anzuerkennen; dem Nichtkenner des biblischen und talmudischen Schriftthums in populärer Sprache einen Blick in Geschichte und Bedeutung unsers Gebetbuchs eröffnen, den eigentlichen Religionsunterricht an dieses anlehnen, darf von allen Seiten begrüßt werden. Allein so sehr wie wir im großen und ganzen, den Theil der Rcligionslehre, wie sie hier an das Gebetbuch angelchut wird, geneigt sind als beacht tenswerth zu bezeichnen, wenn auch naturgemäß eine ganze Reihe von Gesetzen hier nicht zur Sprache kommen können, und für die der eigentliche Religionsunterricht noch ergänzend ekntreten muß, und noch manches andere unser sehr starkes Bedenken herausfordert; so müssen wir jedoch bekennen, daß der eigentlich historische Theil wegen seiner vielfachen überflüssigen Zuthaten und seiner bedenklichen Ungenauigkeiten uns kein Lob abgewiunen kann. Der Vers, zeigt hier doch oft einen Mangel an richtiger Auffassung der einfachsten Talmudstellen, der uns in der That staunen macht. Daran ändert nichts die sehr reservirte Empfehlung des Herrn Oöerrabbiners Hirsch in Hamburg, die schon wärmere des Herrn Oberrabbiners Mellt in Triest und die wärmste des Herrn Bezirksrabbiners Roth in Siklos. Wir werden die Ungenauigkeiten, wie sie uns beim Lesen des Buches begegneten, der Reihe nach notiren Daß die Juden in allen Welttheilen sich beim G bet nach Osten richten (Einleit. L>. VI,) ist nicht der Fall, sie wenden das Gesicht nach Jerusalem. S. 2 verwechselt der Vers, den Oniastempel zu Heliopolis in ganz unfaßbarer Weise mit der Synagoge in Alexandrien, die Pracht dieser und nicht jenes rühmt R. Jehuda. Ist es denkbar, daß R. Jehuda den Oniastempel mit den begeisterten Worten preisen konnte, daß der, wer diesen nicht gesehen, niemals die Herrlichkeit Israels geschaut hätte? — Ungenau ist, daß man die 13 Glaubensartikel in das tägliche Morgengebet am Anfang und am Ende ausgenommen, es gehört weder in Poesie- (p-j:r) noch in der ursprünglichen Prosa-Fassung des Maimouides in dasselbe. — Zu i:np nnn (S. 23) weift der Vers, auf Sam. 2, 10 und Ps. 2, 11 (letzteres Citat ist falsch, das was der Vers, meint, läßt sich bei den vielen gleichbedeutenden Stellen nicht eruiren) und meint, daß diese Phrase nicht „im Gebiete des Judenthums, sondern in einem fremden Boden wurzele" und zwar im Gebiete der griechischen Mythologie, die von dem Horn der Amalthea berichtet. Daß der Vers, die Geschichte vom Horn der Amalthea kennt, hat er uns hier bewiesen, weiter aber auch nichts. Daß der Sprachgeist der jüdischen Sprache nicht das Horn zum Sinnbild der Machtsülle ohne Hilfe der griechischen Mythologie umprägen konnte, dürfte dem gewiegtesten Sprachforscher und Sprachvergleicher wohl nicht in den Sinn kommen. — Die Mischna soll mit dem Ansdruck pan Dy ein Individuum bezeichnen, das seiner Abstammung nach wohl Jude ist, in seinem Lebenswandel aber „zum Heidenthum hinneigt"; bitte um Beweise! — Was der Vers, mit der gelehrt sein sollenden Bemerkung gelegentlich der Besprechung die (S. 26 s.) will, daß „Archäologen den Grund dieser Ceremonie (sie!) in den orientalischen Sitten suchen". ist geradezu unverständlich. Was soll denn da das ganze Gerede von den Amuletten der Morgenländer? Doch stellen wir des Vers, eigene Worte her: „Sie heißen bei Moses rrcu<D, bei den Rabbinen y$>sr. und bei den Griechen (soll heißen: rpvlcotr^icc) und bestanden eigentlich aus Gemmen oder Plättchen- Pergament (soll wohl Pergament-Plättchen heißen), woraus merkwürdige Vorfallenheiten (!), welche stets im Gedächtnisse bleiben sollten geschrieben wurden." Also jtsb'd und p^sn sind Amulettchen, Schutzmittelchen, deren „Plättchen-Pergament" merkwürdige „Vorfallenheiten" eitthalten, wie ja auch „der heutige Araber Sprüche aus dem Koran an seinem Kopsschmucke trägt." Am Ende hat noch Moses an Mohamed ein Plagiat begangen. Ich glaube man braucht über diese archäologische Entdeckung kein Wort zu verlieren. — (Schluß folgt.)