Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 4 (12.1.1891)
- Date
- 1891-01-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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WWWWMWM^ XXXII. Äahrg. WWW «WWW '■ZMJlM ■ 1. 7 M 4. Israelit....»Icschurun. Mschrlfi M Förvemg jW. Grljtrs iniü jld. febens in Ans. (Senttinüt bbö Zlhnie. Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenlhum. Begründet von Vn-. Lehmann in Mainz. Montag, den 12. Januar S«S1 (1^S1>. Leitender Artikel. Die heiligen Genossenschaften für Gemilluth Chassodim. (Schluß.) Mainz, 9. Januar. -n. Ein anderes Mittel, dessen sich die alten Chebroth bedienten, um den Geist der Zusammengehörigkeit unter sich heimisch zu machen, war ein festgesetzter alljährlicher Fasttag und ein Festmahl, welches sich daran reihte. — Während man heutzutage leicht zu glauben geneigt ist, daß Leute, welche sich von anderen durch die über den Tod hinausreichende Bethätigung der Menschenliebe auszeichnen, es am wenigsten nöthig hätten, sich freiwillig einen besonderen Fasttag aufzuerlegen, dachten die Stifter jener Chewroth anders. Sie waren sich der hohen, vielseitigen Verpflichtung bewußt, die sie mit ihrem Eintritt in die Chewra Kadischa übernommen hatten, sowie derMöglichkeit, durch Vergessenheit oder Lässigkeit gegen diese Pflicht fehlen zu können. Deßhalb vereinigten sie sich einmal im Jahre fastend und betend, um jede etwaige Pflichtvergessenheit zu sühnen. Vielleicht liegt diesem Fasten auch die Mahnung zu Grunde, welche uns unsere Weisen für den Kampf mit der Leidenschaft gegeben haben. Dieselben lehren, wenn in diesem Kampf die Leidenschaft den Sieg davon zu tragen droht, so beschäftige man sich mit der Thora, erweist sich auch dieses Mittel fruchtlos, so spreche man das Bekenntniß von Gottes Ewigkeit durch das Lesen des yotr aus, und als letztes Mittel empfehlen sie, sich den Tag des Todes zu vergegenwärtigen. (Berachoth 5.a.) Wenn unsere Weisen dem Abschreckenden dieses letzten Gedankens die Kraft zutrauen, die Leidenschaft zu überwinden, so dürfte derselbe doch viel von seinem Schrecklichen verlieren, für Leute, die, wie Mitglieder der Chewra Kadischa, so oft Veranlassung haben, dem Tode in's Auge zu schauen, weßhalb gerade sie eines besonderen Mittels zur Bekämpfung der Leidenschaft bedürfen, das Andere leichter entbehren können. Wie dem aber auch sei, so gewiß unsere allgemeinen Fasttage ein geistiges Band um alle sie Begehenden schlingen, so ist dies in erhöhtem Maße bei dem kleinen Kreis einer Genossenschaft der Fall, welche ein so hohes, edles Ziel anstrebt. Deßhalb darf auch jenes Bindemittel nicht fehlen, welches die Menschen frei und leicht und freudig bindet, die gesellige Freude, welche bei dem alljährlichen Festmahle zur Geltung kommt. Die Männer, welche das ganze Jahr hindurch nur der tiefste Ernst des Lebens zusammenführt, vereinigen sich einmal im Jahre auch zu einem freudigen Anlaß, zur Chewra- Mahlzeit. Es gibt keinen festeren Kitt zur innigen Verbindung von Menschen, als gemeinsame Freude. Das, was sonst der Ernst des Lebens zusammenführt, erhält durch diese freudige Geselligkeit erst seine Besiegelung. — Wenn daher die Chebroth für jede Unterlassung einer Pflicht ihren Mitgliedern Geldstrafen auferlegten, so bestimmten sie die höchste Strafe für Denjenigen, welcher sich nicht bei der Chebra-Mahlzeit betheiligte. Es ist auch in diesen Punkten bei uns vielfach anders geworden. In vielen Gemeinden fällt es schwer, an den gebotenen Fastagen ein Minjan Fastender zu finden, aber gar freiwillige Fasttage zu stiften, das auch nur zu fordern, würden Viele als unberechtigte Zumuthung zurückweisen. Selbst das statutarisch festgesetzte Festmal der Chewroth findet in neuerer Zeit vielfache Bemängelung und ist an vielen Orten bereits ganz weggefallen, gewiß nicht znm Vortheil der Chebroth. Während sich nun die gerügten Mißstände auf die Vernachlässigung von seit Jahrhunderten erprobten und bewährten Einrichtungen beschränken, muß anerkannt werden, daß man in der Erfüllung der eigentlichen Obliegenheiten dieser Chebroth im Großen und Ganzen bestrebt war, die herkömmliche Handhabung der rituellen Vorschriften bei Sterbenden, bei der Tahara und bei Bestattung der Leiche gewissenhaft in der durch alten Brauch geheiligten