Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1891-01-08 · Heft 3 (8.1.1891) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 3 (8.1.1891)
Date
1891-01-08
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2448122-2448126--31378-2479175
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

MrthodoLe MudenthumÄ |-OMO S £ S \f>- lNr. 1. 8. Januar 18dl.] ms.i zmu. ip^, »KW @M> Dne» Duell, Bon H. Berger. (Alle Rechte )nter den Studirendcn der Universität W. besau- ■ den sich zu Anfang des Sommerseinesters 1885 zwei Israeliten, deren treue und innige Freundschaft unter den Eommilitonen sprüchwörtlich geworden war. Man nannte die beiden Studenten die „Jnseparables", die Unzertrennlichen, denn niemals zeigte sich einer von ihnen allein, und wenn man den einen irgendwo sah, konnte man sicher sein, dast sich der andere in der Nähe befand. Diese Freundschaft der beiden jungen Leute datirte von der ^Lcrta des Gymnasiums her, in welche sie zu gleicher Zeit eintraten, um sich nicht eher zu trennen, bis das Leben, der Kamps um's Dasein sie auseinauderreißen würde. Beide waren in jaft gleichem Alter, gut beanlagt und fleißig und kamen deßhalb relativ früh aus die Universität; beide hatten sich dem Studium der Medizin gewidmet und ihr Plan war, nach beendeten Studien die Krankenhäuser der Städte Paris, Wien, London und Constantinopel zu besuchen und dann gemeinschaftlich eine Klinik zn eröffnen. So hatten sie es geplant, und wenn ihre Pläne nicht in Erfüllung gingen, so hatten sie selbst nicht Schuld daran. Ter Mensch schmiedet Pläne, Die Ausführung derselben steht jedoch bei einem Anderen. Erwin Löser und Richard Pels dachten nicht, daß die Schlösser, die sie in Gedanken bauten, Lustschlösicr waren, die wie Scisenblascn beim kleinsten Lllsthauch platzen konnten. Sie bauten ihre Schlösser, und je länger sie an diesen bauten, desto prächtiger gestalteten sic sich. Erwin hatte eine kurze, gedrungene Gestalt, schwarze, feurige Augen, eine kühn gebogene Adlernase und ein lebhaftes Temperament, während Richard einen schlanken Wuchs, blaue, gutmüthige Augen, eine Stumpfnasc und ein stilles Wesen besaß. Gemeinsam halten beide einen steten Fleiß und die gegenseitige Liebe. Sie wohnten in einem Hause, belegten stets dieselben Eollegien und nannten sich gegenseitig scherzweise Papa und Mama. Erivin war der Sohn wohlhabende: Leute und seine Casse mußte sich öfters auch für Richard öffnen, dessen Vater in weniger guten Verhältnissen lebte und n::r irntcr den größten Entbehrungen die Mittel für das Studium seines Sohnes auibringen konnte. Das rhar der gegenseitigen Freuttdschast feilten Abbruch; im Gegen thcii , die gemeinsame Easst diel:, wenn sie gefüllt war, die Freunde zusammen, und herrschte Ebbe irr derselben, nun >£> rröstere man sich gegenseitig mit dem Vorbehalten.) Naturgesetz, daß der Ebbe unbedingt die Fluth folgen müsse, und daß gewöhnlich die Fluth um so höher und stärker werde, je größer die Ebbe gewesen war. E§ war an einem Sabbat. Die Freunde hatten die Synagoge besucht und wollten von dort ans geraden Wegs in's Eolleg des Professor K. Tie Predigt des Rabbiners batte eine Meinungsverschiedenheit zwischen ihnen wachgerusen, und während Richard seine Ansicht in ruhiger Weise darlegte, ereiferte sich der lebhafte Erwin derart, daß die Vorübergehenden aufmerksam auf ihn wurden. „Nein", ries er ans. „Wenn der Kosmopolit irgendwo ans der Erde erislirr, so ist es der Jude. Ich bestreite entschieden, daß das Judenthum seine Mission in gleich großartiger Weise hätte erfüllen können, wenn der jüdische Staat erhalten geblieben wäre. Israels Beruf ist, die Gotteslehre unter allen Erdenbewobnern zu verbreiten und um dieses Berufes willen mußte der israelitische Staat zu Grunde geben, mußte Jerusalem zerstör: und seine Einwohner in die Gefangenschaft geführt werden. Israel sollte seine Mission erfüllen, darum mußte es wandern von Volk zu Volk und von einem Staat zum andern, darum ist der Jude Kosmopolit von Berus, dessen Vaterland nickt Palästina, bas heilige Laub, ist, sondern jene Stelle, wo seine Wiege stand, wo er geboren und erzogen wurde." „Und Palästina/ fragte Richard, „was ist Deinem Kosmopolitcn Palästina „Das ist das Vaterland des Judcnthums, dorr stand Die Wiege der jüdischen Religion; man verwechsle nicht den Begriff mir der Sache. Unsere Liebe gehör: unserem Vateriande, unsere Sehusuchr dem heiligen Lande, in welches Israel zurückkehreu wird, sobald es dem Abgängen, Allwissenden gefallt. Inden und Judenthum sind verschiedene Dinge, das Vaterland des Jrrdenthums ist Palästiua, das des Juden -- Deutschland, Frankreich, England, kurz, wo cr gerade ziisällig geboren wurde." „Raw Deiner Ansicht wäre cS also verfehl:, Palästina durch Juden colouisireu zu wollen?" Ehe Erwin antworten konnte, hatten sie die Ktinil erreicht. Es war schon spät, und sie beeilten sich, in die Krankcinäle zn gelangen. Dabei rannte Erwin gegen einen ihm entgegenkommenden Studemen derart heftig an, daß h / e zurückinbren und sich vn'reiwillig air die ErP fetzren.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.