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Der Israelit · 1891-01-08 · Heft 3 (8.1.1891) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 3 (8.1.1891)
Date
1891-01-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXII. Äahrg. M 8. IsraelitJeschumn. Zkltslhrifl i»r FgrdriW D. GelKes und W. KrbM ill gm. Gewkisde M Ztzslr. Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstage den 8. Januar 5651 (1891)* Leitender Artikel. Dss Fut»errkhum und die Weige des IS. Iafilljunderts. Bon Direktor vr. Mendel Hirsch. Frankfurt a. M. 1. Januar. Es ist das letzte Jahrzehnt des neunzehnten Jahrhunderts, in das wir nunmehr eingetreten sind. Wenn irgend ein Volk, so können wir Deutsche seine Schwelle mit ruhigem Vertrauen, mit frohen Hoffnungen überschreiten. Durch die mächtige zielbewußte Initiative eines gewaltigen, erleuchteten Herrscherwillens sind auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens die jeden gedeihlichen Fortschritt so lange hemmenden Fesseln endlich gesprengt, und Reform, Abhilfe dringendster Schäden, Verbesserung schreiendster Mißstände ist die Losung. Mögen wir auf die Bestrebungen zur gerechteren Vertheilung der Lasten blicken, oder auf das Eingreifen des mächtigen Staates zur Linderung der Roth des Alters und des durch Unfall erzeugten Elends, auf sein Eingreifen zur Abwehr von Gefahren, zum Schutze vor der Ueberwucht der Arbeit, zur Sicherung eines Ruhetages für die unter der Last des nimmer rastenden Werkgetriebes erliegenden arbeitenden Menschen, — oder auf die derselben Initiative entsprungenen Bemühungen, die geistige Ernährung des Heranwachsenden Geschlechtes zu einer gesünderen und heilsameren zu gestalten: überall frisches Leben, überall reges Streben und Schaffensfreude, die auch den Kampf nicht scheut mit den der bessernden Hand entgegenarbeitenden Bestrebungen. Und wenn es auch vielfach nur erst Anfänge sind und der Weg zum Besseren gar oft noch tastenden Fußes erst gesucht wird —: der Genius der Menschheit begrüßt dennoch freudig diese Anfänge und verheißt diesen Bestrebungen im Dienste des Rechtes und der Liebe die Palme des Sieges. Mit noch höherer Befriedigung erfüllt uns der Rückblick auf die gewaltigen Errungenschaften des Geistes, die das zur Neige sich wendende Jahrhundert gebracht hat; denn hier sind nicht blos Bestrebungen und Anfänge, hier sind glorreiche Siege und in ihren Folgen geradezu unermeßliche Leistungen zu verzeichnen. Ueberall vertiefte sich der Blick und weitete sich der Horizont, immer mehr erschlossen sich dem Forscherblicke die Geheimnisse der Natur, und die noch vor wenigen Decennien nur geahnt wurde, jene Einheit der Kraft, sie hat vor dem Auge des staunenden Forschers die Klarheit und Bestimmtheit wissenschaftlicher Erkenntniß gewonnen. Und nun gar die Triumphe, die der menschliche Geist gefeiert hat in der Anwendung der der Natur abgelauschten Gesetze! Die Ueberwindung von Raum und Zeit, die Fixirung des dahinschwtndendcn Momentes, die Bindung des verhallenden Wortes! — Und ebenso traten dem forschenden Geiste die Gestalten und Verhältnisse längst entschwundener Jahrtausende immer mehr und mehr und in immer lebensvollerer Deutlichkeit aus dem sie umhüllenden Dunkel hervor, und ebenso versenkte sich liebevoll Denken und Sinnen der Forscher in die geheimnißvollen Sagen und Sitten, in die stammelnden Naturlaute und Dichtungen der fernsten und unentwickeltsten Völker, um zartsinnig und feinfühlend aus ihnen das Walten der Volksseele zu erschließen. Ueberall Fortschritt, überall Zunahme an Klarheit und Wachsen der Erkenntniß! Ist da das Hochgefühl unberechtigt, das unsere Brust schwellen macht bei dem Bewußtsein, Genosse dieser Zeit, mitgenießender und, ein Jeder seines bescheidenen Ortes, mitarbeitender Bürger dieses Jahrhunderts zu sein? Siehe, da taucht vor unserem inneren Auge das Bild unserer hehren Mutter Zion auf — und bleiern senkt sich's auf unsere Brust und namenlos bitteres Weh durchzuckt unser Herz, wenn wir uns fragen: Wie steht es denn um die Neige des Jahrhunderts mit der Erkenntniß dieser unserer theueren hehren Mutter? Hat ihre Verkennung aufgehört, ist sie wenigstens im Schwinden begriffen, oder

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