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Der Israelit · 1891-01-05 · Heft 2 (5.1.1891) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 2 (5.1.1891)
Date
1891-01-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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J\ß S. XXXII. Iahrg. _ Israelit Zeschumn. IMslylifl W FSrdrMS jSli. Geiltks ui D. Arbm in Ws. totinüt ui Mir. Kenlrak-Organ für das orthodoxe Judentum. Begründet von Dr. Lehnrann in Mainz. Montag, den 5. Januar 5651 (1891). Leitende Artikel. Der Herr Regierungspräsident von Coblenz. Coblenz, 4. Januar. Der „Reichsherold" bringt in Nr. 370, vom 2. Januar, folgende Nachricht: Judenfreie Märkte im Kreise Wetzlar. Die wackeren Parteigenossen in Schwalbach haben eine Petition entworfen und in Umlauf gesetzt, wegen Gestattung eines Judenfreien Marktes in Schwalbach. Dieselbe ist mit über 1000 Unterschriften an den Herrn Qberpräsidenten abgeschickt worden. Dr. Böckel hatte jüngst Gelegenheit, mit dem Herrn Regierungspräsidenten von Coblenz zusammen zu fahren und demselben die Petition warm zu empfehlen. Derselbe versprach, sich für dieselbe zu verwenden. Also der Herr Regierungspräsident von Coblenz hätte dem Dr. Böckel versprochen, sich für seine antisemitische Petition zu verwenden??!! Der Vertreter der Regierung, der über allen Parteien stehend, Recht und Gerechtigkeit wahren soll, an den der Verfolgte sich wendet, wenn ihm ein Unrecht geschehen, der das Recht hat, über manche Beschwerden zu entscheiden, sie zn genehmigen oder zu verwerfen, dieser Mann, von dem das Wohl und Wehe von Tausenden abhängt, die seiner Obhut anvertraut sind, habe sich als Antisemit erklärt??!! Das, in gewisser Hinsicht, geheiligte Haupt, dem die überaus hohe Ehre zu Theil wurde, die Regierung vertreten zu dürfen, der Gesandte, der in mancher Beziehung, an Stelle unseres edlen, kraftvollen, geliebten Kaisers aufzutreten gewürdigt wird, der sollte sich nicht entblödet haben, zu erklären, daß er sich für eine antisemitische Petition verwenden werde? Diese Nachricht wäre zu erschreckend, als daß wir sie ohne weiteres glauben könnten. Nein, dergleichen kann wohl in Rußland Vorkommen, in Deutschland halten wir dies, Gott sei Dank und Lob, für unmöglich. Wenn aber das Unglaubliche wahr sein sollte, so wird es gewiß nur der Feststellung dieser himmelschreienden Thatsache bedürfen, die alle Edeldenkenden aufs Tiefste empören muß, um unsere Regierung, mit der wir uns eins wissen und für die wir Gut und Blut zu opfern jederzeit gern bereit sind, zu veranlassen, daß solch' ein Frevel abgestellt, beziehungsweise gerügt werde; denn, das sind wir auf das Innigste überzeugt, eine solche Handlung ist nicht in dem Sinne unseres großen Kaisers. Es ist ja zweifellos, daß, wenn diese Sache wahr wäre, der Reichstag sich mit ihr zu beschäftigen haben würde, aber sie kann nicht wahr sein, wir hoffen zu Gott, wir senden Gebete empor, daß dies nur als eine Lüge sich entpuppen möge. Ja, wir haben ein so festes Zutrauen zu u nserem Kaiser und zu unserer Regierung, daß wir mit Bestimmtheit annehmen, eine solche „Schmach des Jahrhunderts" sei unmöglich. So bitten wir denn den Herrn Regierungspräsidenten von Coblenz, daß er den Schmutz, mit dem der Antisemitenführer ihn besudeln will, von sich abwasche, daß er einen solchen Schandfleck auf sich und seinem Amte nicht sitzen lasse. Wir bitten den Herrn Präsidenten, das verderbte und verderbenbringende Gethue des ebenso judenwie regierungsfeindlichen Mannes zu entlarven und öffentlich zu erklären, daß derselbe auch diesmal wieder — wie er dies ja schon so oft gethan — gelogen hat. Der Herr Regierungspräsident und Dr. Böckel! Wir sind der Meinung, daß der wohledle Herr sich mit einem Menschen von der Vergangenheit und dem Character des Dr. Böflel nicht einmal in ein Gespräch einlassen, noch viel weniger versprechen wird, ihm bei seinen antisemitischen, volksverderblichen und reichsfeindlichen Wühlereien hilfreich an die Hand zu gehen und seine antisemitische Petition zu unterstützen.

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