Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 102 (29.12.1890)
- Date
- 1890-12-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448121--31299-2479093- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1835 Sämrntliche dwib' seines Bezirkes mußten sich einer Prüfung unterziehen; den langjährigen Mißbrauch der Gesänge bet Leichenbegängnissen stellte er ab. Wer die hiesige Verhältnisse von früher kannte, wird zugestehen, yiyo awn O’n 'a, daß er in dieser kurzen Zeit Vieles geleistet. Bl. Rußland. Moskau. Die Moskowskija Wjeddomosti, welche seit dem Tode Katkow's Alles, was nicht reaktionär und orthodoxgläubig, in Rußland mit besonderer Wuth verfolgt, widmet in ihrer jüngsten Nummer dem Protest-Meeting in der Londoer Guildhall einen längeren Artikel. Das Blatt vom Strastnoj-Boulevard erblickt in diesem Akte der Humanität nichts als eine Feindseligkeit der Engländer gegen Rußland. Die Engländer seien bereit, jede Gelegenheit zu ergreifen, um Rußland international zu discreditiren. Was nun die Folgen dieser Versammlung anbelange, so versichert das weiland Katkow'sche Blatt, daß die russischen Juden auf diesem Wege nur entgegengesetzte Resultate erzielen würden. Belgien. Brüssel. Der Director des bekannten internationalen Handelsinstituts, Professor L. Kahn dahier, hat aus Anlaß des am 18. Dezember stattgehabten 25jährigen Regierungsjubiläums Königs Leopold II. eine Cantate in hebräischer Sprache verfaßt, in welcher in der Form eines Akrostichons, in Solo- und Chorgesängen die Gerechtigkeit, Weisheit und Tugenden des belgischen Königs in m e i st e ry after und geistreicher Weise, oft unter Anwendung passender Bibelstellen, geschildert sind. Dieselbe ist auch in's Französische übertragen. Griechenland. Athen, 7. Dezember. Ein seltsamer Gast aus dem fernen Westen bereist jetzt den Orient und hat auch einige jüdische Gemeinden Griechenlands mit seinem Besuche beehrt. Es ist dies Reverend Dr. A. R o s e n s p itz, der angeblich von einigen jüdischen Gemeinden Amerika's die gewiß löbliche Mission erhalten haben soll, unter unfern armen Glaubensbrüdern in Afrika und Asien Schulen zu gründen, um so deren Kindern eine bessere Zukunst zu bereiten. Aber außer als Schulengründer tritt Reverend zugleich auch als Reformator auf, der zwar nicht die Sitten der Juden, sondern deren Cultus reformiren will, um ihn so, wie er sagt, „auf die Höhe der Zeit" zu bringen. So eifert er überall stark gegen die zweiten Festtage bv w wv ov, bie er für überflüssig hält und daher gänzlich abgegeschafft wissen will. Kaum, daß er noch dem zweiten Neujahrstage das Leben gönnt. Noch größer aber ist seine Wuth überdas arme Sidur (Tefilloh, Gebetbuch), das ihm zu dickleibig ist und an dem er nun eine Enifettungscour ä la Schwenninger vornehmen möchte. Daß die vier Fasttage keine Gnade in seinen Augen finden, ist selbstverständlich; aber auch den Tifcha-Beab will er aus dem Kalender verbannt wissen, weil die Juden heute schon Überall emancipirt sind (siche Rußland) und daher nicht mehr über den Verlust ihres alten Vaterlandes zu klagen brauchen. Auch mit noch zahlreichen anderen Reformen will Rev. Rosenspitz seine Glaubeusbrüder im Morgenlande beglücken. Es wäre daher sehr interessant, zu wissen, wer eigentlich dieser Reverend Dr. Rosenspitz ist und welche Gemeinden in der neuen Welt ihn ausgeschickt haben, damit er überall als nnoi rpDD auftrete und die wenigen noch strenggläubigen Juden in das Lager der Reformer überführe. P a l ä st i n a. Jerusalem, 5. Dez. Am vergangenen Mittwoch besuchte der neue Gouverneur unserer Stadt, Ibrahim Pascha, den Chacham Baschi, Oberrabbiner Raphael Maier Parnisel und verweilte bei ihm eine volle Stunde. Der Gouverneur gab dem Chacham Baschi und den bei ihm versammelten Vorstehern der Gemeinden zu verstehen, daß er es mit den Israeliten gut meine und er sie mit der ihm vom Sultan übertragenen Macht in jeder Hinsicht beschützen und dafür Sorge tragen werde, daß sie gleich den übrigen Einwohnern behandelt und an den Wohlthaten der Gesetze Theil nehmen können. Ich kann Ihnen nun die frohe Botschaft mittheilen, daß wir inzwischen reichlichen Regen gehabt und die Aussicht auf eine gute Ernte vorhanden ist. Egypten. Alexandrien, 2. Dezember. Der Telegraph wird Ihnen schon die Kunde von der Ankunft des Czarcwich hier und von dem glänzenden Empfange, den er in unserer Stadt gefunden, gebracht haben. Roch glänzender als hier war jedoch sein Empfang in Kairo, wo ihm zu Ehren auch ein Fackelzug stattfand, an dem sich auch mehrere dortige d. h. in dieser Stadt geborene, dann auch einige italienische und griechische Israeliten betheiligten. Es ist dies zwar sonderbar, daß sich Juden an einer Ovation für den Kronprinzen eines Reiches, in dem unsere Glaubensbrüder jetzt so harten Verfolgungen ausgesetzt sind, betheiligen; aber klug gehandelt war es dennoch von ihnen, damit der präsumtive Thronerbe des Czaren Alexander III. sich so überzeuge, daß die Juden ihm für das, was die Räthe und Beamten seines erhabenen Vaters an unseren