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Der Israelit · 1890-12-25 · Heft 101 (25.12.1890) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 101 (25.12.1890)
Date
1890-12-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1824 fcre angeborene Schüchternheit zu bezwingen und noch weiter zu gehen, und es kühn zu wagen, diese so brennende Zeitfrage mit einem entschiedenen „I a" zu beantworten. Nur durch die allgemeine sociale Pflichterfüllung können die socialen Gegensätze ausgeglichen werden. Ja, wird man entgegnen, das wäre ganz richtig, aber zur allgemeinen socialen Pflichterfüllung ist es doch zuerst nöthig, daß das s ociale Pflichtbewußtsein auch allgemein ausgebildet sei, was wieder nichts anderes ist, als ein unerreichbares Ideals Wir aber antworten voll Zuversicht, die allgemeine Ausbildung des social en Pflichtbewuhtseins ist möglich und auch erreichbar. Kant sagt: „Die Natur will unwiderstehlich, daß bas Recht zuletzt die Obergewalt erhalte. Was man verabsäumt, hier zu thun, das macht sie zuletzt selbst, obzwar mit viel Ungemächlichkeit. 4) — Die Zeit steht nicht stille, mit breitem Tritt schreitet sie über Geschlechter und Jahrhunderte hinweg, ihrem Ziele zu. Die Entwickelung des Menschengeschlechtes ist ein Naturgesetz. Man mag sie noch so sehr zurückdrängen, sie bricht sich Bahn mit elementarer Gewalt; sie mag in dem Einen Jahrhundert geknebelt und vergewaltigt werden, sie dringt wie die Wasserfluth, wie der Sonnenstrahl durch die engsten Ritzen und Spalten des andern Jahrhunderts, und überftrömt, belebt und erquickt alle Gemächer; sie mag bei dem einen Volke verkümmern, sie schreitet bei dem andern Volke erhobenen Hauptes und freien Blickes heiter einher. Die Menschenrechte allgemein zur Geltung zu bringen, das wird schon die gute, alte Natur besorgen, man mag sich noch so sehr dagegen sträuben, noch so viel Heere dagegen aufbieten, noch so sehr der Civilisation und Cultur sich verschließen, es hilft nichts. Wersen wir nur einen Bblick in das vorige Jahrhundert; was galt da der Bürger und was gilt er jetzt?! Blicken wir nur wenige Jahrzehnte zurück, was galt da der Arbeiter, wie trostlos war seine Lage, auf welch' tiefer Lebeusstufe stand er, und jetzt?! Schon beschäftigen sich die mächtigsten Herrscher der Erde mit ihm, sie trachten und sinnen, ihn zu den höher» Gesellschaftsklassen emporzuheben, seine Lage zu verbessern, ihm einen größeren Antheil zuzuweisen au den Gütern dieser Welt, seinen Lohn zu erhöhen, ihm die Mittel zu seiner Erhaltung und sogar zu seiner Behaglichkeit zu sichern, so daß er ein Factor in der Gesellschaft geworden ist, mit dem der Staat und dessen Machthaber rechnen müssen. Es ist ein Gebot der Civilisation, daß sich der eineStand auf denSchultern des andern erhebt, seine Rechte fordert und sie schließlich erreicht. AlN Ende des vorigen Jahrhunderts erlangte der Bürger, in diesem Jahrhundert der Arbeiter seine Menschenrechte, im nächsten Jahrhundert erreicht sie wieder der Proletarier. So schreitet das Menschengeschlecht stetig fort in seiner Entwickelung. Die Humanität, die Barmherzigkeit, das Mitgefühl, die Liebe, die menschenfreundlichen Institutionen, die Anstalten der Wohlthätigkeit, sie mehren sich mäuuiglich und nehmen mit jedem Jahrzehnt gewaltig zu; so geht cs, wenn auch mit mancherlei Unterbrechungen immer weiter fort, und so wird es sortgehen, bis endlich das sociale Pslichtbewußtsein allgemein ausgebildet und allenthalben zur Bethätigung kommen wird, wo das Vergehen gegen die sociale Pflicht von der Gesellschaft so verurthetlt werden wird, wie ein Verbrechen gegen die Moral, wie eine Sünde gegen die Sittlichkeit, bis die Menschen alle die Wahrheit erkennen werden, daß sie alle gleiche Gottesgeschöpfe sind, daß der Mensch nicht nach dem Stand, nach der Geburt oder nach dem Vermögen, sondern nach dem sittlichen Werth, den er besitzt, zu würdigen ist, daß es gar keinen Unterschied gibt zwischen Menschen und Menschen, sonderndaßsiealle gleichwerthig sind, und daß alle die gleichen socialen Pflichten und alle die gleichen socialen Rechte haben. Diesem Ziele nähert sich die Menschheit mit jedem Jahrhundert um einen bedeutenden Schritt, und die Erreichung dieses Zieles ist keineswegs ausgeschlossen. „D ie Natur will un w iderstehlich, daß das Recht zuletzt die Obergewalt erhalte." Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Berlin, lieber die hochherzige Spende des Herrn Gerson v. Bleichröder gelangen allmählich Einzelheiten in die Oeffentltchkeit, welche dieselbe noch größer, als anfangs vermuthet, erscheinen, lassen. Nebst einer Million Mark in Baar und dem Grundstücke zu einem Krankenhause hat Herr v. Bleichröder, um auch bis zu dem Zeitpunkte der Fertigstellung des Krankenhauses die Wohlthaten der Stiftung mittellosen Kranken zu Ther! werden zu lassen, mit Professor Koch und den demselben nahestehenden Aerzten das Abkommen getroffen, daß bis dahin aus seine Kosten dreißig Kranke in einem Berliner Institut nach dem Koch'schen Verfahren 96) „Zum ewigen Frieden" 3 Desinitivarükel.

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