Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 99 (18.12.1890)
- Date
- 1890-12-18
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448118--31244-2479035- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
UdrchodM «MuderrthumÄ \<^AA O S E S vO, Üf©fS.. Atätler für die israelitische Schute. (Erscheinen in zwanglosen Nummern.) Nr. IS.] 4. | IN. Dc;br. Inhalt: Wie kann der israel. Lehrer der» Airtisemitismils und seinen Agitatoren wirksam entgegentreten. — AnS Stadt und Land: Aus Mittelfranken. Wie lilum der lsrael.§edrer dmAntisemitlsnlns u. semenAsNüMen mrlrsm entgeflentreteu? Alle besseren Elemente des deutschen Volkes sind darin einig, daß der Antisemitismus eine Krankheit unserer Zeit sei, die wie jede andere Krankheit ausrasen mutz, ehe sie heilt. Wie jede Krankheit ihre Vorbedingungen, ihre Ursachen, ihren Verlauf und in diesem ihren Höhepunkt, die Krisis, und ihr Ende haben muß, so müssen wir auch in dieser Krankheit unserer Zeit Anfang, Krisis und Ende unterscheiden. Jede Krankheit schwächt den Organismus, den sie befällt, und bringt ihn in seiner Entwickelung zurück. Nur ein ganz gesunder Organismus aber kann den Anforderungen des Lebens voll genügen und so lauge auch nur ein kranker Keim ihm innewohnt, bleibt stets die Gefahr eines Rückfalls bestehen. Der Antisemitismus ist eine alte chronische Krankheit des Menschengeschlechts, die unter stets anderem Namen von Zeit zu Zeit akut wird. Jin alten Rom schon kannte man dieses Leiden, und die Kirchenväter erzählen gar ausführlich, wie der Antisemitismus jener Zeit die Inden verfolgte, die sich der neuen Lehre zngewandt hatten. Im Mittelalter wandte sich das Blatt. Der Antisemitismus verfolgte iu jener Zeit die Juden, welche der alten Lehre treu geblieben waren und bereicherte sich an deren Hab und Gut. Der Antisemitismus der neuen Zeit richtet seine Waffe wiederum gegen die Bekenner des alten Bundes, nur wagt er noch nicht mit seinen Zielen klar hervorzutreten, da er das gesunde Urtheil und unbe^ stechliche Rechtsbewußtsein des deutschen Volkes fürchtet. Er bedarf, um seine Kraft voll entfalten zu können, jenes Zeitpunktes, da die aufgeregten Leidenschaften der irre geleiteten Volksmassen diesen die Herrschaft über den gesunden Menschenverstand und die freie Willensbestimmung geraubt haben, und sie wie eine Herde Schafe kopflos ihrem Führer durch dick und dünn folgen. Deßhalb versuchen die Propheten des Antisemitismus das Feuer der Leidenschaften zu entfachen und zu schüren, wo sie können. Allüberall in ganz Deutschland wird der Versuch gemacht, und während sie an einigen Stellen ein klägliches Fiasko machen, schlägt an anderen Plätzen die Flamme der Leidenschaft hoch empor uud überschreitetet selbst die Schranken des Gesetzes. Die eigentlichen Ziele, die sie erstreben, halten sie geheim, doch bedarf es keines großen Scharfsinnes, um zu wissen, was die Antisemiten eigentlich wollen. Man messe jene Agitatoren vom wahrheitsliebenden Hofprediger in Berlin bis herab zum zärtlichen Vater und sittenreinen Ehegatten in Marburg mit dem Maßstabe der Moral und der Sittlichkeit, und die dunklen Ziele werden hell werden. — Der Antisemitismus ist eine sittliche Krankheit und wie jede andere Krankheit in hohem Maße gefährlich und ansteckend. Jede sittliche Krankheit ist, wenn sie einmal ausgebrochen ist, sehr schwer heilbar. Das davon einmal befallene Individuum verfällt ihr immer wieder und kein Heilmittel bringt Rettung. Das einzige, worauf sich die Thätigkeit des Arztes bei solchen Krankheiten beschränkt, ist, dem Ausbruch der Krankheit vorzubeugen, Recidive anzuwenden. daß die Krankheit im Keime erstickt werde. Der israelitische Lehrer, der als Pionier des Judenthums aus vorgeschobenem Posten steht, der als Repräsentant der Lehrer der jüdischen Religion und der Bekenner und Anhänger des alten Bundes eine heilige Mission zu erfüllen hat, er kann der Netter seiner deutschen nichtjüdischen Brü-