Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1890-12-18 · Heft 99 (18.12.1890) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 99 (18.12.1890)
Date
1890-12-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2448024-2448118--31238-2479029
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

mitischen Treiben in Deutschland ein mächtiges Halt. Es wird stets ein Ehrenblatt im Ruhmeskranz des deutschen Volkes bilden, daß es den Muth und die Kraft zu diesem Protest gfunden hat, trotz der Wahlmanöver des geschickten Herrn v. Puttkamer. Von da ab ging es abwärts mit dem Antisemitismus. Der Soeialismus aber, anfänglich zerschmettert, ja vernichtet, erhob wieder kühn sein Haupt. Und wenn er fortwährend seitdem um sich gegriffen hat, so ist das nicht zum wenigsten dem Antisemitismus zu verdanken. Der Antisemitismus war gewissermaßen die schützende Decke, unter der sich die von den Frösten des Ausnahmgesetzes bedrohte Pflanze des Socialismus weitcrentwickeln konnte. Allerdings im Gegensatz zu der Absicht seiner Väter. Während jedoch der Antisemitismus von oben herab, von jener erhabenen Region, wo die Minister und Professoren wirken, langsam nach unten durchsickerte, erhob sich der Wirkungskreis des Soeialismus in umgekehrter Richtung von unten nach oben in ungeahnter Weise. Wenn man das gleichzeitige Auftauchen des Socialistengesetzes und des „Vaters des Antisemitismus" genau in's Auge saßt, so kann man sich kaum des Verdachts erwehren, daß der Antisemitismus sozusagen das Zuckcrbrod für die durch das Socialistengesetz gepeitschten Massen sein sollte. Und die Thatsache, daß mit dem Fallenlassen des Ausnahmegesetzes auch neuerdings der offiziöse Antisemitismus verschwindet, kann diesen Verdacht nur bekräftigen, Geistreich sein wollende Antisemiten bezeichneten einst die Juden als Cholera nostras. £{j dieses schmückende Beiwort nicht tausendmal besser auf den Antisemitismus paßt? Nun, erlauchte Aerzte lassen sich die Bekämpfung der Leuche angelegen sein. Es waren kräftige Wörtlein, welche die edlen Großherzöge von Hessen und Baden darüber verlauten ließen. Die Medizin, die sie reichen, wird hoffentlich genügen, um einen Rückfall auszuschlietzen. Tie Zeit der Kochschen Entdeckungen ist wahrlich auch nicht geeignet, um Menschen ihres Glaubens und des Zufalls der Geburt halber von dem gedeckten Tische der Civilisation zurückzuweisen. Wir Semiten aber mögen uns die Lehren des verflossenen Dezeniums zur Warnung dienen lassen. Suchen wir darauf hinzuwirken, den Geist häßlichen Eigennutzes, wo immer er noch herrscht, aus unserer Mitte zu treiben, daß nur noch wahre Frömmigkeit und schlichter Edelmuth darin weilen l Zeitnngsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Mainz. Wir erhalten folgende Mittheilung : Jute ist von Leinen sehr leicht dadurch zu unterscheiden, daß, während Jure weit, Von fast durchsichtiger Webart. Leinen ganz dicht gewoben ist, es ist für diesen Fall jedenfalls nöthig, fertige Kleider nicht zu kaufen und am Fuße und Bund der Beinkleider innen, bei Rock und Ueberzieher an den beiden Brusttheilen und auf der Achselhöhe genau nachzusehen, mit was wattirt wird, was man beim Anprobiren untersuchen kann, ebenso im Kragen. Ferner: Uni „mw" durch ein sicheres Mittel, welches ich von meinem Vater (Vpix* imn nv'° -'?n) hörte und was ich selbst versuchte, zu vermeiden, beeile ich mich Ihnen zu eröffnen, daß das Unterscheidungsmittel zwischen einem wollenen und leinenen Faden, folgendes ist: „Man nimmt einen Faden, zündet ihn an, wenn er nach dem Auslöschen, was sofort geschieht, fortglimmt und raucht, so ist es Baumwolle, wenn aber der Faden, nach dem Auslöschen nicht glimmt und nicht raucht, so ist er Leinen." Dr. Adolf Hahn, Rabbiner, Hradisch. Berlin, 11. Dezember. Wie die politischen Blätter berichten hat Herr Stöcker ein großes villenartiges Gebäude am hiesigen Platze erworben und zwar durch die Vermittelung eines Herrn Jacobsohn. Berlin, 16. Dezember. Von verschiedenen Seiten wird aus Petersburg gemeldet, daß die Gerüchte, wonach die Judengesetze am 1. Januar in Kraft treten sollten, durchaus uubegründet seien. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Preßburg, 11. Dezember. Unsere Gemeinde, die hiesige Jeschiba, ja ich kann sagen, die orthodoxe Judenheit ist von einem fürchterlichen Schlage ereilt worden. Heute Nacht ist uns einer unsererBesten, Rabbi D a v i d B r ü l l nach mehrwöchentlicher schwerer Krankheit, in der Blüthe seiner Jahre, (er zählte circa 46 Jahre) durch den Tod entrissen worden. Wer -in 'n war und was er uns war, wird Ihnen wahrscheinlich von solcher Seite, die dem Verblichenen näher gestanden, mitgetheilt werden. Die Bestürzung ist hier sehr groß. Das Begräbniß findet morgen statt. Italien. Rom. Das Ergebniß der am 23. November vollzogenen Neuwahl der Kammer ist noch nicht genau bekannt. Indessen ist die Wiederwahl der Deputaten Luigi Luzzatti, Romanin-Jacur, Ulderico Levi, Adolso Cavaleri, Eduardo Arbob und Leopolds Franchetti schon gemeldet. Jsaaco Manrogonato, bisher Vicepräsident der Deputirtenkammer wird — wie als sicher berichtet wird — zum Senator ernannt werden. Nach dieser Ernennung werden die Juden im Senat durch fünf Glaubensgenossen vertreten sein: Artom, Ancona, Parenzo, Maffarani, Manrogonato. P a l ä st i n a. Hebron. Unsere jüdische Gemeinde steht vor einer schweren Krise. Durch die hochherzigen Gaben edler Wohlthäler, namentlich der Rabbiner Dr.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.