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Der Israelit · 1890-12-18 · Heft 99 (18.12.1890) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 99 (18.12.1890)
Date
1890-12-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1785 Feu Ule ton. Das Geschenk der Großtante. Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werben. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (Fortsetzung.) Unter diesen Umständen näherte man sich dem Tage, den die ganze Familie mit großer Freude ersehnt hatte, dem dreizehnten Geburtstage Josef's. Unter allen jüdischen Familienfesten ist eine Bar-mizwah, — wir finden keinen anderen Ausdruck für das, was wir bezeichnen wollen — das friedlichste, ruhigste, anmuthigfte. Wenn ein Knabe am achten Lcbenstage in den Bund des Väterglaubens ausgenommen wird, befindet sich die Mutter noch nicht in dem Vollbesitze ihrer normalen Kräfte und diese hochheilige Feier trägt aus mehrfachen Gründen einen ernsten Charakter. — Einer Vermählungsfeier folgt in den meisten Fällen eine Trennung, eine heißgeliebte Tochter verläßt das Elternhaus, um einem Manne zu folgen, den sie in den meisten Fällen erst kurz vorher kennen gelernt hat, sie geht einer ungewissen Zukunft entgegen. In vielen Fällen ist die Verheirathung eines Kindes, namentlich einer Tochter, mit großen, materiellen Opfern verbunden, und wenn Eltern mehrere Kinder besitzen, mischt sich selbst in den vollen Freudenbecher ein bitterer Tropfen : das quälende Bewußtsein, ob sie für das eine Kind nicht mehr gethan, als ihre Pflicht für die andern gestatte, ob sie auch in der Lage bleiben würden, die nachfolgenden in gleicher Weise auszustattcn, zu versorgen. Bei der Fsicr eines siebzigsten oder gar achtzigsten Geburtstages wird, selbst wenn das greise Geburtstagskind sich geistig und körperlich wohl fühlt, die freudige Stimmung durch den naheliegenden Gedanken getrübt, daß nach den unabänderlichen Naturgesetzen der Gefeierte uns in nicht ferner Zeit entrissen werden wird, und je mehr wir ihn verehren, desto mehr bedrückt uns der Gedanke. Noch intensiver äußert sich dieses Gefühl bei der seltenen Feier einer goldenen oder diamantenen Hochzeit. Die beiden Gefeierten können sich wohl kaum des peinlichen Gedankens erwehren, daß der tiefe Schmerz einer nahe bevorstehenden Trennung wie ein Damoklesschwert über ihren greisen Häuptern schwebt. Bei einer Barmizwah-Feier aber können sich alle Familienmitglieder uneingeschränkt der Festesfreude hingeben. In den Lebensverhältnisseu des Helden des Tages, des Knaben, wird durch diese Feier nicht die geringste Veränderung herbeigeführt; er bleibt im Kreise seiner Lieben, er fühlt sich durch den Eintritt in die Religionsgenoffenschaft, der sein Vater und seine Ahnen angehörtcn, gehoben, seelisch geadelt; das Fest bereitet im Hause keine Störung, keine Unruhe, keine Aufregung, ja nicht einmal bedeutende Kosten. Bei den Speier's erhielt dieses Fest noch dadurch eine erhöhte Bedeutung, daß Josef ihr einziger Sohn war und daher eine Wiederholung dieser Feier in ihrem engsten Familienkreise nicht mehr Vorkommen würde. Schon Monate vorher hatten Eltern und Schwester das Programm besprochen und eifrig nachgedacht und nachgeforscht, welche Geschenke Josef am meisten erfreuen würden. Nach vielfachem Deliberiren waren sie darin übereingekommen: der Vater solle ihm zum Geburtstagsangebinde eine goldene Uhr, die Mutter eine Mineraliensammlung, nach der er sich lange sehnte, die Schwester, da er in seinen Mußestunden leidenschaftlich gerne das Damenspiel betrieb, ein solches kaufen. Dagegen hatte Speier geglaubt, man solle schon im Vornherein erklären, daß man von Niemandem Geschenke für Josef annehmen werde und führte dafür vernünftige Gründe au. Er behauptete nämlich, daß die Geber, darunter viele mittellose, entfernte Verwandte und Bekannte, die sich verpflichtet halten, nebst ihrem Glückwünschen auch ein Geschenk zu überreichen, viel mehr verausgaben, als die Geschenke dem Empfänger werth sind, und führte als Beispiel an, daß der Sohn eines seiner Geschäftsfreunde, der jüngst seinen dreizehnten Geburtstag feierte, nicht weniger als elf Portmonnais, dreizehn Gebetbücher und zehn Federmesser erhalten hatte, so daß der Beschenkte, ein aufgeweckter Knabe, der sich an solchen Geschenken nicht erfreuen konnte, scherzhaft erklärte, einen großen Theil der Gaben zu gleichen Gelegenheitsgeschenken für seine eigenen Enkel anfbewahren zu wollen. Therese hatte anfänglich der Ansicht des Vaters zugestimmt, aber als die feinfühlige Pauline sich gegen diese aussprach und Niemanden durch ein Zurückweisen auch der kleinsten, werthlosesten Gabe beschämen wollte und hinzufügte, es werde sich wohl schon Gelegenheit finden, arme Anverwandte in unauffälliger Weise für die kleine Auslage reichlich zu entschädigen — trat sie der Ansicht der Mutter bei und Speier sah sich, wie er sich lächelnd ausdrückte, majorisirt. — Ursprünglich war das Programm in ziemlich großartigem Maßstabe entworfen worden. Frau Pauline, die im letzten Winter mit Theresen viele Einladungen zu Bällen und Tanzuntcrhaltungen erhalten und angenommen, wollte diese Gelegenheit dazu benützen, sich zu revan-

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