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Der Israelit · 1890-12-15 · Heft 98 (15.12.1890) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 98 (15.12.1890)
Date
1890-12-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1774 Haien verleitet, dem Sittengesetze Hohn spricht, alles Gute, Gerechte und Liebevolle verabscheut. Der antisemitische Dtalect besteht zumeist aus zischenden Konsonanten und sein Hauptvocal ist das 11, der Hauptvocal im Namen Jude. Doch wir hätten bald der antisemitischen Redner in dieser merkwürdigen Debatte vergessen. Wir wollen daher einen unter denselben answählen, und zwar Herr Schnabl, der die antisemitischen und clericalen Farben trägt. In dem eigcnthümlichen Tone der Hetzkapläne rief er-aus: „Wenn aber irgend ein israelitischer Doctor über einen christlichen Tondichter einen Vortrag hält, dann frage ich Sie, ob ein solcher Mann belehrend wirken kann Nach der Theorie dieses Herrn dürfe kein christlicher Professor der arabischen Sprache über einen mohammedanischen Dogmatiker einen Vortrag halten und kein europäischer Musiker über chinesische Musil schreiben. Treffend erwiderte ihm der Abgeordnete Prof. Lustkandl: „Der Abg. Schnabl möchte doch bedenken, daß, als König David die Psalmen dichtete, es noch keine Christen gab; trotzdem werden diese in allen christlichen Kirchen gesungen. Wer aber wird behaupten wollen, daß Christen die Psalmen Davids nicht verstehen können, weil sie eben keine Juden sind?" (Neuzeit). Budapest, 7. Dezember. Gestern feierte in der Synagoge in der Vasvarigasse ein taubstummer Knabe sein Barmizwahfest und wurde er daher auch zur Thora gerufen. Er sprach beide Segenssprüche über die Thora so klar und so deutlich, daß die Anwesenden fast jedes Wort hören konnten. Der junge Mann erhielt dann die Glückwünsche aller Synagogenbesncher. Bemerken will ich noch, daß derselbe auch die Haftara von der laufenden Woche vorgetragen hat, womit er gleichfalls großen Beifall einheimste, d’bVn rTtram. Lemberg, 5. Dez. Nach einer Warschauer Meldung polnischer Blätter soll die russische Negierung entschlossen sein, alle ausländischen Proteste gegen die Verfolgung der russischen Juden als Einmengung in die inneren Angelegenheiten Rußlands anzusehen und demgemäß ihre diplomatischen Vertreter im Auslande zu instruiren. Rußland. Petersburg, 12. Dez. Das Ministerium des Auswärtigen wird hinfort den russischen diplomatischen Vertretern im Auslande durch das Haus Rothschild ihre Gehälter auszahlen lassen. Bisher wurden die Zahlungen durch Vermittelung des Hauses Baring Brothers geleistet. Petersburg, 13. Dez. Der „Nowoje Wremja" zufolge wird bet der gegenwärtigen Revision der Städteordriunsi die Frage der Herabsetzung der Zah! der jüdischen Stadtverordneten von 33 auf 10 Prozent der Anzahl der christlichen Stadtverordneten angeregt. > Vermischtes. Das Hinscheiden des Herrn Benj. F. Pcixotto, dermaligen Generalkonsuls der Vereinigten Staaten in Rumänien, und der Besuch des Herrn Simon Wolf in Berlin, während des deutschen Turnerscstes, welcher seine Heimath in gleicher Eigenschaft in Egypten vertrat, erinnern daran, daß unsere transatlantischen Brüder viel dazu beigetragen haben, die Behauptung zu rechtfertigen, daß die Juden eine spezielle Eignung für die Diplomatie haben. Im Kvnsnlardienste der Vereinigten Staaten ist dies seit Jahrhunderten deutlich hervorgetreten. Während des ersten Jahrzehntes dieses Jahrhunderts fnngirte Mr. Salomon B. Rones, Mitglied einer hervorragenden sephardischen Familie und Sohn des bekannten Majors Rones, als Generalkonsul in Portugal. Sein Bruder Josef B. 81 o nes, welcher sich rühmte, er sei als Kind öfters von George Washington aus den Knieen geschaukelt worden, war Privatsckretär des Staatsmanns Henry C ley, als dieser in der Gent-Mission nach Europa kam. Ein Anderes Mitglied derselben Familie, Abraham Rones, diente im Jahre 1837 als Generalkonsul der Vereinigten Staaten in Maracaibo. Mordechai M. N o a y, Anwalt, Politiker und Schriftsteller, wurde vom Präsidenten M ad i so n mit der Leitung des Generalkonsulats in Tunis betraut. Auch ans hohen Dienftposten findet man Juden. Ter jetzige amerikanische Miilisterpräsident in der Türkei, Mr. Salomon Hirsch, ist ein Glaubensgenosse, sein Vor» ganger Air. DScar Si Straus gleichfalls. Der erste Jude, welcher die Hobe Stelle eines außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Ministers bekleidete, war Markus C Itc rb n r g, ans Rewchork. Er war Deutscher von Geburt, mehrere Jahre Sprachlehrer in England und Amerika, harte während des Krieges der Nord- und Süd-Staaten den schwierigen und heiklen Posten eines Konsuls in Meriko inne und wurde 1867 zum Minister ernannt. Seine diplomatischen Dienste wurden hochbelobt. Diplomatie ist übrigens keine neue Erscheinung ans dem Felde jüdischer Berufsthäligkeit. Auch in den Annalen, der englisch jüdischen Gemeinde fehlen nicht Beispiele diplomatischer Dienste. Wahrscheinlich ist Antonio da Sonza, der portugiesische Minister in England während rer Republik, ein Maranne. Königin Elisabeth führte eine weitläufige unoffiziclle diplomatische Korrespondenz durch ihren jüdischen Leibarzt Rodrigo Lopez und seine jüdischen Verwandten im Auslände. In Folge dieser Korrespondenz schickte der Sultan einen Spezialgesandten Namens Jndazer Fatim — einen Inden und Anhänger von Salomon Aschkenasi — nach England. Ein Jude, Namens Diego da Silva, nahm hervorragenden Antheil an den Unterhandlungen über die Vermählung Carl'S U. mit Cathanna von Vraganza. Wilhelm III. schickte einen holländischen Juden Namens Abraham Belmonte, bekannter unter dem Namen Franz von S ch o o n e n b u r g, als außerordentlichen Gesandten nach Madrid und seine Depeschen figuriren urlter den englischen Staatsakten. Von den maurischen Gesandten am englischen Hofe waren Juden: Masahod Macaim, I. H. Sumbal und Samuel Pu ly. Am Anfänge dieses Jahrhunderts hat die britische Regierung Don Aron Eardozo aus Gibraltar häufig zu diplomatischen Missionen verwendet. Im Jahre 1805 hat er erfolgreich bei einem Vertrage unterhandelt, mit welchem der Bey von Oran, Sidi Mahomet, sich ver--

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