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Der Israelit · 1890-12-11 · Heft 97 (11.12.1890) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 97 (11.12.1890)
Date
1890-12-11
Page
– (sequence 17)
Language
German
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‘•VJV/' Mrthodo^e MuderrthumÄ l-CM O S E S l| 11, Dezbr.I [1890. 4-^ Bilder aus Marokko. Von Wilhelm jurch enge Spalten zwischen thurmhoch aufragenden, fensterlosen Häusern, deren einzelne überragendeStockwerke durch Holzträger und Bogen gestützt werden, führt der Weg am schnell fließenden Ned-Fez-Flusse vorbei, durch neue Huseisenbogen,in das luftigere, offenere Judenviertcl von Fez, in das Melach. Unten im alten Fez halbnackte chokoladcnbraune oder kohlschwarze Berber, thier-ähnliche Physiognomien der Sudanneger und rief verhüllte, in ihrem häßlichen sackartigen Gewände kaum noch als das schönere Geschleckt erkennbare tätowirte Weiber — und hier patriachalisch - ehrwürdige Gestalten , die an das alte Testament, an Jakob erinnern, fein geschnittene, lockenumwallte Köpfe im Silberbart, und daneben zart weiße, anmuthig schöne Erscheinungen der Frauen und Mädchen. Und wie dankbar sind sie für jeden freundlichen Blick, wie menschlich glücklich über die gute Behandlung. die ihnen niemals von Seiten der Araber zu Theil wurde! Seit alters her sind die Juden in Marokko ansässig und als Eingeborene ausgewachsen, sie bedienen sich daher auch wie der Maure der Landessprache, Pflegen daneben ernsthaft das Hebräische und benutzen die Kenntniß desselben gern, um mit der Anwendung seiner Buchstaben auf das Arabische im schriftlichen Verkehre Geschäftsgeheimnisse vor den heimtückischen Moslemims zu bewahren. Ihre Vorfahren waren die Stammväter der portugiesischen und auch nach Holland ausgewanderien Juden, und manches Merkmal ist beiden Stämmen noch gemeinsam. In den maurischen Städten, in welchen sie sich ansiedeln dürfen, ist ihnen ein besonderes Viertel zum Aufenthalte angewiesen; im Uebrigen aber sind sie schütz- und rechtlos!! Schutzlos insofern nicht ganz, als die Alliance Beckmann. Jsraelite in Paris die Stammesgenossen nicht vergessen hat, Schulen in Fez und Tanger, in letzterer Stadt sogar eine höhere, auf ihre Kosten unterhält und kräftig dafür sorgt, daß französische Propaganda und französischer Geist dann den Kindern eingeimpfi Wird. Auf die freundliche Aufforderung eines letztere Sprache redenden Gemeindeältesten, eine dieser Schulen zu besuchen, sind wir sehr erstaunt, beim Einblick in die tief liegende, ursprünglich weitzgetünchte Stube, über den Köpfen der kleinen gelehrigen, im Redctakte sich vor- und rückwärtsbewegenden Zöglinge, an der gegenüberliegenden Wand das gut lithographirte Bild des Baron von Hirsch als einzigen Schmuck im Raume zu erblicken. Mit demselben Führer, einem graubärtigen Herrn im langen Kaftan finde ich in einem in der Nähe liegenden Hause eine kabbalistisch verzierte Stammtafel der Familie Hirsch unter Glas und Rahmen. Auch im Innern unterscheiden sich die Häuser der Israeliten vortheilhaft von den meisten Behausungen ihrer Peiniger, der Araber, durch eine größere Sauberkeit und die besseren europäischen Möbelformen. Da finden sich überall Tische und Stühle, große Spiegel in goldener Umrahmuug, Uhren und Kandelaber unter Glasglocken und als Hauptschmuck stets das in einem zierlichen Alkoven aufgebaute Himmelbett, ganz in der Art, wie es in Holland auf den Inseln noch so viel anzutreffen ist. Dabei ist doch der maurische Charakter im Ganzen allenthalben gewahrt, die Anordnung des Bauwerkes als Anlage um einen offenen Hallenhof dieselbe geblieben, Böden, Treppen und Thüren sind reich ausgelegt, die Decken und Stuccaliten bunt in geometrischem Linienspiel bemalt.

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