Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 95 (4.12.1890)
- Date
- 1890-12-04
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXI. Jahrga,,. Erste Beilage M M 95 i>rsIsraelit Z- Ieschurun ' Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Neu-Weissensee b. Berlin, 1. Dezember. Wie wir aus sicherer Quelle erfahren, hat der Vorstand des Vereins „Freunde der Taubstummen" (Jedide Jlmim) in der Vorstandssitzung vom 27. v. M. beschlossen, sofort 10 Zöglinge, Knaben und Mädchen, in die neuerbaute und vorzüglich eingerichtete israelitische Taubstummen-Anftalt zu Neu- Weissensee bei Berlin aufzunehmen. Für taubstumme Kinder wenig bemittelter Eltern oder solche arme Kinder, die in größeren Gemeinden leben, und somit in der Lage sind, für ihre Unglücklichen etwas zu thun, ist die Summe von 200— 250 Mark für vollständige Verpflegung, Unterricht und Erziehung pro Jahr festgesetzt. Nur ganz arme Kinder aus kleineren Ortschaften können auch unentgeltlich Aufnahme finden. Besonders berücksichtigt werden bei dieser Aufnahme Mädchen im Alter von 7—8 Jahren, die noch keinen Unterricht erhalten. Die weitern Aufnahmebedingungen können von dem Dirigenten der israel. Taubstummen zu Neu-Weissensee eingefordert werden. Da die 10 Zöglinge noch vor dem 1. Januar 1891 der Anstalt zugeführt werden sollen, so müssen Eltern und Vormünder sich beeilen, Gesuche an den Dirigenten, Herrn M. Reich, einzusenden. Frankfurt a. M. Im Israelitischen Gemeindehospital hier (Königswarterstraße), das durch Herrn Dr. Libertz reichlich mit dem Koch'fchen Heilmittel versehen worden ist, wurde am Freitag an einer größeren Anzahl Kranken mit der Behandlung nach Kochs Methode begonnen. München. Der bisherige 2. Staatsanwalt und Privatdozent Dr. H a r b u r g e r ist als Landgerichtsrath am Landgericht München II., Herr Dr. H. Rose, z. Z. Rechtspraktikant und Koncipient in Nürnberg, zum 3. Staatsanwalt in Schweinfurt ernannt worden. Metz. Zum Nachfolger des Herrn Oberrabbiners Weil ist sein Mitbewerber um das Straßburger Rabbinat, Herr Uri aus Brumath gewählt worden. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien, 18. Novbr. Der niederösrerreichische Landtag beschäftigte sich heute zumeist mit der Bewilligung von Subventionen für katholische und jüdische humanitäre Anstalten. Wie nun nicht anders zu erwarten war, nahmen die Antisemiten auch diesen Anlaß wahr, um ihrer Gehässigkeit gegen die Juden Ausdruck zu verleihen. Schneider wollte nämlich, mit Hinweis auf das Zahlenverhältntß zwischen Christen und Juden in Wien, daß die Subvention für das jüdische Waisenhaus von fl. 200 auf fl. 40 reduciert, hingegen die für die christlichen Institute um das Zwölffache der beantragten Summe erhöht werden, weil die Zahl der Christen in Wien zwölfmal so groß sei, als die der jüdischen Bevölkerung. Die Referenten Matzenauer und Gudenus traten diesen Bestrebungen mit der Erklärung entgegen, daß eine derartige proportionelle Vertheilung der Subventionen nicht angehe. Uebrtgens erhalten die katholischen Vereine viel größere Subventionen als die israelitischen; im vorliegenden Falle (jüdisches Waisenhaus) handle es sich übrigens um einen Verein, der humanitäre, dem Geiste des Jahrhunderts entsprechende Zwecke verfolge. Bestünde die Privat-Wohlthätigkeit, welche diese Vereine üben, nicht, so müßte das Land helfend eiugreifen. Der Antrag Schneiders wurde mit großer Majorität abgelehnt und sodann die vom Ausschüsse vorgeschlagenen Subventionen unverändert bewilligt. Mit lebhafter Genugthuung wurde die Haltung des Fürst-Erzbischofs Gruscha ausgenommen, der in dieser Frage gegen Schneider und mit der Linken stimmte. Wien. Herr Arthur S. Weißmann, der Herausgeber und Redacteur der Monatsschrift für die Literatur und Wissenschaft des Judenthums in Wien erhielt im Laufe dieser Woche eine zweifache Anerkennung seines ausgezeichneten Wirkens als Literat und hebr. Schriftsteller. Die Wiener Rappoport-Stiftung und die Berliner Zunzstiftung votirteu Herrn Weißmann 600 Mark, behufs Edition der philosophisch-kabalistischen Abhandlungen und Briefe des R. Jonathan Eibenschitz. Herr Dr. Ad. Jellinek, übergab zu diesem Zwecke Herrn Weißmann bas seltene Mannscript, Herr Dr. Rubin schreibt hierzu eine Einleitung und der Herausgeber schmückt diese Publikation mit geistreichen Erklärungen und Anmerkungen. Das Werk erscheint in drei Bänden, wovon der erste Band bereits unter dem Titel „Schern olam“ dem Buchhandel übergeben wurde. Die zahlreichen Freunde der Geistesprodukte des R. Jonathan Eibenschitz haben jetzt Gelegenheit, sein GemüthS- und Geistesleben kennen zu lernen und zu erforschen.