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Der Israelit · 1890-12-04 · Heft 95 (4.12.1890) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 95 (4.12.1890)
Date
1890-12-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1709 als Theodor Perlberg! .... Steh', lieber Mann," fuhr Pauline nach kurzer Pause fort, „wir haben nur zwei Kinder, Therese und Josef — Gott erhalte sie uns Beide und lasse uns Glück und Freude an Beiden erleben — Du hast bestimmt, daß unser Joses, nachdem er das Gymnasium absolvirt haben wird, in Dein Geschäft tritt. Wie schön wär's, wenn wir, so 's Gott beliebte, in drei Wochen ein schönes Doppelfest, die Barmizwah *) unseres lieben Knaben und die Verlobung unserer Tochter feiern würden! Ich Hab' mir das so prächtig ausgedacht und alles klappte mir in Gedanken so hübsch zusammen. Du nimmst unfern Schwiegersohn Theodor als Gesellschafter in Deine Firma auf; Du bist, Gott Dank, ein rüstiger, kräftiger Mann in den besten Jahren, Du arbeitest, wenn Gott Leben und Gesundheit verleiht, noch dreizehn Jahre in Deinem Geschäfte, vermehrst, mit Gottes Hilfe, noch redlich, was wir geerbt und Du durch Fleiß, Thätigkeit und Tüchtigkeit dazu erworben.In dreizehn Jahren wirst Du, so Gott beliebt, ein stattlicher Greis von sechzig Jahren, mit schönen, schneeweißen Haaren — es flimmern jetzt schon einige Silbersäden in diesen — und Joses ein schmucker, junger Mann von sechsundzwanzig Jahren sein. Schau', lieber Philipp, an Deinem sechzigsten Geburtstage könnten wir, wenn der liebe Gott unsere Wünsche gnädigst erhören will, wieder ein schönes Doppelfest feiern; Deinen Geburtstag und die Verlobung unseres Josef's; dann —" ein hoffnungsseliges Lächeln überzog die Züge der noch immer schönen Frau, „werden wir Beide schon hübsche alte Leute sein; Du ziehst Dich vom Geschäfte zurück, trittst aus der ehrenhaften Firma, die noch meines guten Vaters Namen, Josef Mandelbaum, trägt, aus, und unser Josef tritt an Deine Stelle. Wenn Du dann noch Beschäftigung suchen willst, wirst Du gewiß eine solche finden, die Deinem Wissen und Deinen Fähigkeiten entspricht. Man tritt ja stets bei den Wahlen in die Gemeindeverwaltung, in die Stadtvertretung, in die Handelskammer, mit der Bitte an Dich heran, cs zu gestatten, daß man Deinen Namen auf die Kandidatenliste setze. Du thust recht, daß Du jetzt die angebotene Ehre zurückweist. So lange Du noch unversorgte Kinder hast, mußt Du für Deine Familie arbeiten und derartige Stellen älter« Männern überlassen, welche dieser Pflichten schon enthoben sind. Aber dann, lieber Philipp, wirst Du ja selbst zu diesen Männern zählen. Oder, wenn Du Dich im vorgerückten Alter nicht in den Strudel der öffentlichen Angelegenheiten stürzen willst, 1) Da8 dreizehnte GedurtSsest, der Tag, von welchem ab der jüdische Knabe zur Erfüllung der religiösen Satzungen verpflichtet ist. kannst Du Dich anderweitig beschäftigen. Du besitzest genügenden Fond an Geist und Wissen hierzu. .... Lieber Philipp, wenn ich wüßte, daß Theodor Perlberg der Gatte unserer Tochter, und einst der Socius unseres Josef's würde, wäre ich über die Zukunft unserer beiden Kinder vollkommen beruhigt — und nun zerstörst Du Theresen's, Theodor's, seiner Großmutter, die ja Deine Großtante ist — schönste Hoffnung — und weßhalb? aus Laune, aus Eigensinn! .... Kannst Du mir vorwerfen, je meine Pflichten als Gattin und Mutter vernachlässigt zu haben?" und als Speier bestürzt ausrief, „Du bist jederzeit und in jeder Beziehung ein unerreichbares Musterbild gewesen!" fuhr sie in steigender Erregung fort: „Da ich meine Pflichten erfüllt habe, beanspruche ich auch mein Recht! Ich verlange eine Erklärung, weßhalb Du Dich einer Verbindung unserer Tochter mit Theodor Perlberg widersetzst? Was hast Du gegen ihn einzuwenden? Etwa, daß er nicht reich ist? Du wirst ja nicht, um einen reichen Schwiegersohn zu erangeln, Deinem Kinde einen ungeliebten Gatten aufdrängen wollen!? Philipp, denk' an Dich, an uns Beide! Ich erinnere Dich nicht gerne daran, aber Du kennst mich und wirst meine Worte nicht mißdeuten.Du warft ja auch ein mittelloser Mann und — ich Hab' Dir's noch nie erzählt — als mein Vater, Dein Oheim, in jener entscheidenden Stunde halb scherzhaft, halb ernsthaft zu mir sprach: Philipp ist ein braver, hübscher, junger Mann, aber ein Habenichts, Du aber kannst einen braven, hübschen, jungen Mann bekommen, der auch reich ist, das ist ja weder ein Schaden, noch eine Schande", da fiel ich meinem Vater um den Hals und schluchzte: „Väterchen, mein goldenes, der Habenichts ist mir viel tausendmal lieber als alle Söhne der Millionäre, ich kann nur mit dem lieben Habenichts glücklich werden", und mein guter Vater hat unter Thränen gelacht und halb scherzhaft, halb wehmüthig gesagt: „Wenn man ein einzig Kind hat, das ein hübsches, braves Mädchen und von ihrer ersten Lebensstunde an eine mutterlose Waise ist, wird man ein solcher Pantoffelvater, daß man ihm seinen Willen thun muß; — wenn Du darauf bestehst, den Habenichts zu bekommen, so sollst Du ihn haben und Gott, boruch hu2 3) soll Euch Masel und Broche geben!" dann rief er Dich, der Du in größter Angst und Spannung im anderen Zimmer wartetest und —" Pauline mußte einen Moment bewegt inne halten und schloß dann, offenbar eine große Masse historischen Materials verschluckend, „nicht ich und 2) Gelobt sei Er. 3) Glück und Segen.

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