Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 31 (1890)
- Issue
- Heft 95 (4.12.1890)
- Date
- 1890-12-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2448024-2448114--31146-2478933- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
XXXI. Jahrgang. Jfä AA Israelit... Icschurun. Zeitslhrist!»r FSrdrrmg jkd. Geistes und jüd. Krbeus ir Daus. Gmelude uud Zlhrir. Kentrak-Grgan für das orthodo-ee Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 4. Dezember 5651 (1890)« Leitender Artikel. Zur Ausglelihllug der focialcn Gegeusötze in Bibel und Talmud. Bon Rabbiner Heinrich Galandauer in Soborien (Böhmen), l Fortsetzung.) Wir haben aber außer dem Taglöhner noch eine andere Classe von Arbeitern in's Auge zu fassen, mit welcher sich Bibel und Talmud sehr eingehend beschäftigen; wir meinen die Sklaven. Bei den Römern und Griechen war die Lage der Sklaven eine höchst bemitleidenswerthe, sie stellen dieselben mit den Thieren auf die gleiche Stufe. Aristoteles behauptet, daß die Natur bei der Erschaffung der Menschen von allem Anbeginne die Einen zum Herrschen und Befehlen, die Anderen zum Gehorchen bestimmt hatte *). In Lacedämon konnten Sklaven gegen keine Art von Unrecht bei der Obrigkeit Hilfe erlangen. So unglücklich war ihr Zustand, daß sie nicht nur ihres Herrn, sondern Jedermanns Sklaven waren und Allen wie Einem gehörten. Das Agnilische Gesetz machte unter der Beschädigung eines Sklaven und eines Thieres keinen Unterschieds. Wenn wir solchen Anschauungen die Sklavengesetze der Bibel und des Talmud entgegenstellen, müssen wir unwillkürlich an Pluta rch's Worte denken, daß es zu Saturnu's Zeiten weder Herren noch Knechte gegeben habe3). Oder ist vielleicht ein wesentlicher Unterschied zwischen Sklaven und Herrn nach Bibel und Talmud, wenn der Herr verpflichtet wird, dem Sklaven keine anderen Speisen zu verabreichen, als die er selbst genießt, kein anderes Lager zu bereiten, als das er selbst hat, ihn und seine Familie zu erhalten, ihm 1) Zadok Kahn, die Sklaverei in Bibel und Talmud, Einleitung. 2) Llasteguisn, Geist d. Gesetze B. 15, K. 18. 3) Siehe Plutarch's Lebensbeschreibung des Numa. Ruhe zu gönnen, wenn er sich selbst (an Sabbat und Festtagen) Ruhe gönnt, ihm keine schwere Arbeit und keinen entwürdigenden Dienst aufzulegen, ihn milde und freundlich zu behandeln, ihn nicht anders aus dem Dienste zu entlassen als vollbeladen mit den Erträgnissen seines Bodens und seiner Habe? Ist Angesichts solcher Gesetze der Sklave nicht ebenso Herr, wie der Herr selbst? Alle diese Gesetze haben wir bereits aus Bibel und Talmud wörtlich und genau citirt und heroorgehoben, wie selbst der heidnische Sklave mit der größten Schonung und Milde behandelt werden mußtet). Hier haben wir nur noch nöthig, jene Sklavengesetze in Betracht zu ziehen, welche mit unserer Aufgabe, der Ausgleichung der socialen Gegensätze, in Beziehung kommen. In erster Reihe wird der Sklave dem Herrn gleichgestellt und als *]tin dessen Bruder bezeichnet. Er heißt nicht „Sklave" im verächtlichen Sinne — dafür gibt es im Hebräischen gar keine Bezeichnung, er heißt Arbeiter, Diener, Ewed, womit oft die Edelsten und Vornehmsten benannt werden. Moses heißt 'n nuy Knecht Gottes, die Israeliten sind Diener des Herrn, die Frommen und Gerechten nennen sich mit Stolz Abde Adonai 5) (Knechte des Herrn), auch David singt in seinen Psalmen: Ich bin Dein (Gottes) Knecht, der Sohn Deiner Magd. Ewed heißt also ein Diener, der auf eine Zeit von 6 Jahren zur Arbeit oder zum Hausdienst seinem Herrn sich verpflichtet hat, der gleich dem freien Taglöhner und Miethling zu behandeln war (Levitikus C. 25, V. 40)°). Er war mehr ein Arbeits ge nosse, ein Gehilfe und G e f ä h r t e seines Herrn, der wie ein Bruder, wie ein Familienglied zu betrachten war. Was nun wieder die Sklavin bei den Hebräern betrifft, so war dieselbe gleichfalls nur als Dienerin und nicht als Sklavin zu betrachten. 4) Siehe die Nr. 2—4 des „Israelit". 5) Zadok Kahn, Sklaverei in B. u. T. Einleitung. TDKO n\T TDK' ’O’D ,ipy .TT DK'lflD “TDKO (6 .('c ,n"D iojri) yoy ,tt rutto ruK' i i i i i « i!!!