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Der Israelit · 1890-12-01 · Heft 94 (1.12.1890) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 94 (1.12.1890)
Date
1890-12-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1698 Worten: „Gottes Geist steige hernieder und vereinige die Kräfte, die Edles und Gutes zu schaffen im Begriffe stehen." Virkowar (Slavonien.) Herr Oberrabbiner David Löwy wurde anläßlich seines am 2. August stattgehabten 40jährigen Amtsjubiläums vom Kaiser von Oesterreich mit dem goldenen Verdienstorden decorirt. Italien. Turin, 27. November. Unser Kronprinz, königliche Hoheit, wurde zum Obersten des ersten Regiments in Neapel ernannt. Der Chef desselben ist unser Glaubensgenosse Herr General Ot toten g hi. Diesem mußte der Prinz als seinem Vorgesetzten den Besuch machen. Der General stellte den Kronprinzen aus der Parade dem Regiment als seinen Obristen vor. Ist eS nicht eine seltene Ehre für unsere Religion, daß unser Glaubensgenosse Chef des zukünftigen Königs von Italien ist? Dieses sollten andere Staaten sich zum Beispiel nehmen. Gott segne uns, beschütze unsere brave und gute königliche Familie. England. Portsea. Die Direktion der englischen Staatsgefängnisse hat die im hiesigen Strafhause befindliche Synagoge für jüdische Sträflinge mit einem schönen Vorhänge vor der heiligen Lade und einer Decke auf dem Gebetpulte (Almemor) sowie mit neuen Gascandelabern beschenkt. Feuilleton. Matthias Claudias aber die Israeliten. *' Von Karl Wiesenthal. In diesem Jahre feierte die deutsche Nation ein Jubelfest von großer Bedeutung. Es waren 150 Jahre verflossen, seitdem der beliebte und schlichte Volksdichter Matthias Claudius (Asnus) das Licht der Welt erblickt hatte. Die Deutschen sind dankbar — und so haben sie auch des berühmten Mannes in Wort und Schrift in würdigster Weise gedacht! Aber auch wir, geneigter und freundlicher Leser, wir Israeliten wollen des berühmten Mannes heute mit Ehrfurcht und Ehrerbietung gedenken, denn Claudius hat uns Israeliten ein ehrendes Zeugniß ausgestellt. Im Jahre 1807, es war während der Kriegszeit, da unterhielt Matthias Claudius mit seinem Freunde Andres Briefwechsel. Andres gab 1801 bis 1809 die „schönen Blätter" heraus. In Nr. 18 dieser Blätter, im Mat 1807, schrieb Claudius an Andres einige sehr wichtige Zeilen, welche das Judenthum betreffen. *) Nur mit vollständiger Quellenangabe Nachdruck erlaubt. Es war damals überhaupt eine äußerst bewegte Zeit, und unsere Glaubensbrüder waren für die Erlangung ihrer gänzlichen politischen Rechte ungemein thätig. Claudius schreibt in Nr. 18 der „Schönen Blätter" Folgendes: Liebwcrthester Andres! In Deinen „schönen Blättern" hat neulich ein erbärmlicher Artikel gestanden! Du hast eine Neligionsgenossenschaft beschimpfet lassen, nämlich die Juden! Jedes deutsche Blatt sollte derartige Kränkuttgen.:wermeiden. Es ist einer^der gewöhnlichsten Witze, in welchen sich viele gewöhnliche Leute gefallen, über die Indens zu' spotten! Abgesehen von der Abgedroschenheit ündFgewöhnlichen Falschheit dieses Witzes, ist es niedrig gedacht, durch solchen Spott als Christ brilliren zu wollen. Sicherlich irrst Du mit Deinen Anschauungen! Nicht verächtlich, sondern beneidenswerth sind^die Juden, die es vorgezogen haben, ungetanst zu bleiben und sich nicht schuöde zu verkuppeln oder zu verkaufen, als andere, die sich durch eigene Verschuldung sinnlos in ein unglückliches, ehrloses Leben und Verhältniß gestürzt haben. Du weißt nicht, daß der Jude eines der größten Güter des Lebens besitzt: Frömmigkeit! Siehe, ich bin in die Behausung armer Juden gekommen. Die verblaßten Möbel einer ärmlichen Wohnung und der abgetragene verschabte Nock — vom Sabbatlichte beschienen, sind nett und freundlich! Ich habe in das Angesicht eines betenden Inden gesehen, mit den Furchen und Runzeln, welche die Sorge hineingegraben bat,7wie wurde es so weihevoll und ernst, wenn das Sabbatlicht seinen warmen Glanz darüber gießt. Gemeinheit, haltlose Gemeinheit, die Behauptung, der Jude könne sich nur beim Anblicke des Geldes verklären! Sohn, ich habe Juden gekannt und geschätzt, denen alles Geld der Welt und alle Schätze der Erde nichts waren, gegen ein heiliges altes Gottesbuch! Ja. Sitten und Meinungen sollen die Spitzen des Verstandes sein? Wir dünken uns sittlich, wir glauben recht zu meinen, wenn wir die Juden kritisiren, verhöhnen, verleumden, verdächtigen! Nein, wir befinden uns im Netze der Lüge; der ganzelTon, der von uns angeschlagen gegen die Indem bezeugt die Tyrannei der Mode! Sicherlich! Sicherlich! Die Juden werden durch keine Macht der Erde zu bedrücken sein, darum fort, ewig fort mit dem Hasse, mit der Wuth! Pfui, Andres! nie mehr will ich in den „schönen Blättern" solche häßliche Dinge lesen! Mögen diese Zeilen dir eine Lehre sein für das allgemeine Beste künftighin mit wacker einzutreten. Sei gegrüßt und geküßt Matthias. Andreas schämte sich nicht, die harten Worte seines älteren Freundes in seinen,, Schönen Blättern"

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