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Der Israelit · 1890-12-01 · Heft 94 (1.12.1890) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 94 (1.12.1890)
Date
1890-12-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXI. Jahrgang. M 04. Zsraelit..»»Jeschurun. Jeitslyrlst rm Fördmmg jkli. Gelltrs Md B. ßebrss to Ais. GewelLdk Md Mlk. Kentrat-Hrgan für das orthodoxe ZudenIHum. Begründet von Vr. Lehrnann in Mainz. Montag, den 1. Dezember 5651 (1890). Leitender Artikel. 3ur Ausgleichung der socialen Gegeusiitze in Bibel und Talmud. Von Rabbiner Heinrich G a l a n d a u e r in Soborren ^Böhmen). «Fortsetzung.) Die Bibel, welche das ganze Leben der Hebräer nach genauen Vorschriften regelt und alle ihre Sitten und Bräuche nach bestimmten Satzungen ordnet, durch die ihr ganzes Thun undHandeln von Geboten und Verboten geleitet wird, die itinen sagt, wie sie ackern, säen, sich kleiden, was sie essen sollen u. s. w., die Bibel also, welche meistens mit ihren Verordnungen so tief in das Leben der Einzelnen eingreift, ihm nichts nach eigenem Gutdünken zu thun gestattet, in der Lohnfrage hat sic kein einziges Gesetz erlassen, welches festsetzt die Höhe der Löhne, den Arb eit er schütz, das Verhältniß zwischen dem Lohn und den Lebensbedürfnissen, die Alters- und Kranke «Versorgung u. s. w., über alle diese Fragen findet sich keine einzige Beftimniung in der Bibel. Weßhalb? Nun, weil erstens hier das Gesetz nicht für alle Fälle Vorsorge treffen kann, und in dem Falle, wo dies vielleicht ja möglich wäre, könnte es leicht durch List und Schlauheit oder durch die Gewalt umgangen werden. Die Lohnfrage kann einfach nicht in durchgreifender Weise geregelt werden; sie muß dem Uebereinkommen der Parteien und ihrem Gewissen überlassen bleiben, und es kann nur von den Sitten- und Moralgesetzen nachdrücklichst empfohlen werden, das sociale Pflichtbewußtsein in dieser Frage zur Geltung kommen zu lassen. So heißt es: Uebe nicht Gewaltthätigkeit mit dem Lohne des armen Miethlings, gleichviel ob er Dein Bruder oder ein Fremder ist. (Deutron., K. 24, V. 14.) *) Gib' ihm, daß er genug hat zur Befriedigung seiner Lebensbedürfnisse, denn er ist ein Mensch wie Du. (Baba Meziah, 88 d.) 2) Der Prophet Jeremias eifert gegen jene, welche sich durch die Arbeit der Armen bereichern, Prachtbauten aufführen lassen und den Lohn des Arbeiters herabdrücken oder ihn vorenthalten. (Jeremias, K. 22, V. 13.)3) Wehe Denen, welche Haus an Haus reihen, Feld an Feld anschließen, bis kaum ein Plätzchen übrig bleibt, als wären sie allein hier auf der Erde. (Jesaias, 5, 8.)*) In dieser Frage genügt eS nicht allein, strenge nach dem Recht sich zu halten, hier muß die Menschlichkeit, die Liebe, die Barmherzigkeit, das Herz und das Gefühl den Lohnherrn in seinem Thun und Handeln bestimmen. Das Recht ist genau begrenzt, beschränkt, es vermag aus seinem Rahmen nicht herauszutreten; die Liebe und Barmherzigkeit aber sind unbeschränkt, sie durchbrechen in milder, sanfter Weise die Schranken des Rechtes und umfassen alle Wesen in selbstloser Hingebung. Wollte man mit dem Arbeiter nur nach dem vorgeschriebenen Rechte allein verfahren, wahrlich, er wäre bedauernswerth! Sagt doch der Talmud: Jerusalem ist nur deßhalb zerstört worden, weil die Einwohner einander genau nach dem vorgeschriebenen Rechte richteten und über dasselbe nicht hinausgingen. (Das., 30 b.)5) Ferner: es heißt, „verkünde ihnen den Weg, den sie wandeln sollen und die Handlungen, die sie zu thun haben": d. h., sie sollen mehr als streng rechtlich handeln, sie sollen ns?N -pjo w i’riNo;i»2ni uy n’at? na# pwyn *6 (1 .(nur v,Kn enysD ,i"r pios ,td nnnn) isnNa .(n"y ,n"B xy’UD nid) invnrp rros» nnx d“in (2 injna xbn rn?byi pna n&i inarpn ’in (3 -0"' piDS 2" 2 m) £ n'? tynei Din nßjr mpo D2N ly anp’ ms?a ms? ti'22 rrn ’in (4 .('n piDD 'n ri’ys?*) pNn 2np2 DDinb wy »h nun p by ms? by n^n rann ab (5 .(2"y;b p NyLO N22) pn mn?o

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