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Der Israelit · 1890-11-27 · Heft 93 (27.11.1890) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
31 (1890)
Issue
Heft 93 (27.11.1890)
Date
1890-11-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1668 einer göttlichen Weltenleitung und vernichtet damit den sittlichen Halt in dem Mcnschenkreise. Bipa nnx *6n. „Bist Du es denn nicht vom Uranfang an", bist Du nicht % nicht Herr der Geschichte, nicht Gott der Menschheit, nicht Träger und Lenker der Welt? Bist Du nicht '«np nbs, Gott, der Israel erkoren zum Verkünder Seines Gesetzes, der durch Israel geheiligt werden will. Und um dieser hehren Aufgabe willen, die Israel geworden, ist ihm die Ewigkeit gesichert. Gott hat es zu Seinem Herold, zum Priester der Menschheit bestellt. Darum ist es unsterblich, darum mw sb weiß der Prophet zuversichtlich, daß der Chaldäer Macht wohl Stadt und Staat und Tempel zur Beute fallen können, daß Nebukadnezar Juda wohl zu vertreiben vermag von dem heimischen Boden, daß er aber zu ohnmächtig ist, dieses Volkes unsterbliche Lebenskraft zu zerstören, gewiß, niiM vb, wir werden nicht sterben. Wohl ist es dem Propheten klar, daß auch dieser gewaltige Tyrann, der Gott selbst Hohn zn bieten wagt, nur Werkzeug ist in Gottes Hand. „Du, o Gott, hast ihn zum Gericht bestimmt, als Fels zum Zurechtweisen hast Du ihn dahingestellt." Er vollzieht nur das von Gott zugelassene Strafgericht, das längst angedrohte, so Israel etwas anderes sein will, als der Gottesherold, als das Priestervolk. Das von dem Eroberer gebrachte Unheil kann darum nicht Selbstzweck Deiner Wallung sein, denn Du, va'p una, bist reinen Blickes, Du willst nicht das Böse, das Unheil schauen. Deine Wallung hat das Heil der Welt zum Ziele, Du willst nicht Vay, das vergebliche Mühen der Menschen. Und dennoch — D'un v'an nnb, warum stehest Du den Treulosen ruhig zu, schweigst, wenn der Schlechte den verschlingt, der gerechter als er selbst ist, so daß die Menschheit wie das im Meere wohnende Fischreich erscheint, wo nicht Recht und Gesetz, sondern nur Willkür und Naturtrieb herrscht, wo der Schwächere dem Stärkeren zum Fräße dient, oder wie das Gewürm, über welches gar keine Waltung scheinbar ist, das arglos von jedem zertreten wird. Würde in dem durch Nebukadnezar über Inda und die anderen unterjochten Völker die göttliche Waltung sichtbarlich hervortreten, dann könnte kein Zweifel auskommen. Aber mit allen Künsten des Verraths und der Arglist sieht man die Babylonische Weltmacht an der Arbeit, um ihre Herrschaft immer weiter auszubrriten. Ter Gewalt der Heere hat eine schlaue Politik lauge vorgearbeitet, hat die befreundeten Nationen listig zu umgarnen gesucht, hat ihnen Vortheile gezeigt, die ihnen nicht gewährt worden sind, hat geschmeichelt und gedroht, je nachdem es dem eigenen Interesse diente, bis es Zeit war, das Netz zuzuziehen und die brutale Gewalt schalten zu lassen. Die dem Welttyrannen zur Beute Gefalleneu haben ihr Schicksal verdient, sie haben gefrevelt und die Gesetze des Rechts und der Menschlichkeit mißachtet, gewiß — aber er, der Eroberer, ist nicht besser als sie, ja noch schlechter, so verworfen, daß im Vergleich mit ihm die Unterjochten als gerecht und tugendhaft erscheinen. So gewahrt man in der Geschichte nicht Gottes Wallung, sondern nur den Sieg des Mächtigen über die Ohnmacht, der Schlauheit über die Unersahrenheit, der Gewalt über das Recht. n^yn hdi-d r6a. Der schlaue und gewaltige Angler wirst die Ruthe ans, der Unbedachten, Unvorsichtigen sind so viele, daß sicherlich der Eine oder Andere sich ködern läßt. Weh' dem Gierigen, er schnappt nach dem Köder, der scharse Widerhaken macht ihn selbst zur Beute. laina Das Netz ist gestellt; sonder Arg läßt sich der Fische Schwarm von dem Strome treiben; plötzlich sehen sie sich gefangen; das Hohnlachen des unbarmherzigen Fischers spottet ihrer Angst. lnnoscn Das große Zugnetz, die Waden, senkt sich tief zum Meeresgrund hernieder, bis zu den Laichstätten hin, wo die Seebewohncr ihr Heim sicher geborgen wähnen. Weithin erstrecken die Maschen ihre unsichtbaren, aber undurchdringlichen Wände. Noch tummeln sich die Sorglosen in froher Luft. Sie wähnen sich frei und sind doch schon gefangen. Da senken sich die Wände, da treibt das Maschwerk von unsichtbaren Händen gelenkt, dem Lande zu. Immer enger wird der Raum, große Schaarcn drängen aufeinander. Angst und Schrecken erfaßt sie, vergebens suchen sie einen Ausweg, wohin sie sich wenden, verlegt ihnen das Garn die Flucht, bis sie endlich, ihrem Lebenselement entzogen, die reiche Beute des Fischers sind, der sie sonder Erbarmen dem Tode überantwortet. ->air6 nar p hv. Darum wird der Fangkunst der Altar errichtet. Die mit Schlauheit gepaarte Gewalt feiert ihre Siege; sie ist das bewährte Prinzip für die Mehrung des nationalen Wohlstandes und des Genusses des mächtigen Staats. nx-o ip^n p» nana o. Soll also sich stets das alte Spiel erneuern, nnn pn» p Vyn, soll dcßhalb die gewalttätige Schlauheit immer wieder und wieder nett vollen Fangnetzen heimkehren, unaufhörlich der Völker Glück erbarmungslos vernichten, soll das Mcnschenschlachten niemals anfhören??!! Pivn' sh du mrb Tom (Fortsetzung folgt.)

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